Verkohltes Autowrack in einem Wald in Pontevedra | Bildquelle: AP

Waldbrände Mindestens 35 Tote in Portugal und Spanien

Stand: 16.10.2017 15:37 Uhr

Nach monatelanger Trockenheit wüten Wald- und Buschbrände auf der Iberischen Halbinsel. Mindestens 35 Menschen starben. Die Flammen haben mittlerweile Fischerdörfer am Atlantik erreicht. In Galicien gibt es Hinweise auf Brandstiftung.

Rund fünf Monate nach den verheerenden Bränden mit 64 Toten in Portugal halten brennende Wälder Tausende von Menschen auf der Iberischen Halbinsel erneut in Atem.

Mindestens 31 Menschen kamen bei Bränden in mehreren mittelportugiesischen Bezirken ums Leben, wie die Zivilschutzbehörde mitteilte. Auch ein Säugling, nur einen Monat alt, verlor in den Flammen sein Leben. Etwa 50 Bewohner wurden verletzt, 15 von ihnen schwer. Es wird befürchtet, dass die Zahl der Opfer noch steigt, da die Rettungskräfte noch nicht in alle Gebiete gelangen konnten.

Aufruf zur Selbsthilfe

In der nordwestspanischen Region Galicien kamen vier Menschen bei Waldbränden ums Leben. In Portugal sind diesmal besonders die Bezirke Coimbra und Castelo Branco in der Mitte Portugals sowie weiter nördlich der Bezirk Viseu. Ein Sprecher der Zivilschutzbehörde nannte 65 Brandherde, davon 32 besonders heftig wütende Feuer.

Die Behörden riefen die Menschen dazu auf, selbst gegen die Flammen vorzugehen, da nicht überall auf die Feuerwehrleute gewartet werden könne. Zahlreichen Straßen waren nicht mehr passierbar. Die Flammenwände erreichten Fischerdörfer an der Atlantikküste.

In der Kleinstadt Mira wurden zahlreiche Häuser ein Raub der Flammen, wie die Zeitung "O Público" in einem Live-Ticker berichtete. Auch in der Umgebung seien Dörfer von den Flammen überrannt worden, sagte der Präsident des Stadtrats von Mira, Raúl Almeida, der Nachrichtenagentur Lusa. Nur mit Hilfe von 40 freiwilligen Helfern sei es den Feuerwehrkräften in Mira gelungen, ein weiteres Vordringen der Flammen zu stoppen.

Hinweise auf Brandstiftung

Ein Sprecher der Zivilschutzbehörde wies Kritik an den Behörden zurück: Grund für die Eskalation der Lage sei nicht eine falsche Strategie der Brandbekämpfung, sondern die Heftigkeit der Brände und die besonders große Trockenheit in diesem Jahr. Warmer Südwind fachte die Brände an. Die Einsatzkräfte hoffen auf ein Atlantiktief, das für die kommenden Tage Regen bringen soll.

Der Vertreter der spanischen Regierung in der autonomen Region, Santiago Villanueva, sagte dem Sender Cadena Ser, alle Feuer dort seien vermutlich von Brandstiftern gelegt worden. Gegen mehrere Verdächtige werde ermittelt. Etwa 20 von den Bränden bedrohte Ortschaften wurden evakuiert.

Auch ein Studentenwohnheim der Universität Vigo und eine Fabrik des Automobilherstellers PSA Peugeot Citröen wurden geräumt. Insgesamt wurden in der Region bis zu 200 Brandherde registriert, 60 Feuer brachen am Sonntagnachmittag aus. Betroffen war eine Fläche von mehr als 4000 Hektar - das ist mehr als das Vierfache der Fläche von Berlin.

In der Nähe von Nigrán südlich von Vigo kamen zwei Frauen ums Leben, die versucht hatten, den Flammen in einem Lieferwagen zu entkommen. Feuerwehrleute fanden ihre Leichen. Außerdem kam ein 67 Jahre alter Mann bei Carballeda de Avia ums Leben, als er die sich seinem Haus nähernden Flammen löschen wollte, wie die Zeitung "El Mundo" berichtete.

Reaktionen der Politik

Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy machte sich in Galicien ein eigenes Bild von der Situation. Der galicische Regierungschef Alberto Núñez Feijóo bekundete über Twitter sein Beileid und fügte hinzu, dass er die Brandstifter verabscheue. Der Ministerrat der Regionalregierung kam zu einer Sondersitzung zusammen.

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. Oktober 2017 um 09:00 Uhr und 14:00 Uhr.

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