Ein Freiwilliger geht an brennenden Gras in der Nähe des Feuers westlich der russischen Stadt Jakutsk vorbei. | dpa

Waldbrände in Sibirien "Der Rauch begleitet uns überall hin"

Stand: 29.07.2021 12:38 Uhr

Mehr als 100 Brände lodern seit Monaten in den sibirischen Wäldern. Insbesondere die älteren Menschen leiden unter dem dichten Rauch. Und die Löscharbeiten könnten noch Wochen dauern.

Von Stephan Laack, ARD-Studio Moskau, zzt. Köln

Seit Monaten wüten in Sibirien Waldbrände auf einer Fläche so groß wie Thüringen. In den teilweise schwer zugänglichen, abgelegenen Waldgebieten gibt es über hundert Brandherde. Besonders schlimm ist die Lage in der nordöstlichen Republik Jakutien.  

Stephan Laack

"Auf dem Territorium der Republik gibt es 144 Waldbrände auf einer Gesamtfläche von mehr als 1,5 Millionen Hektar", sagt Dmitrij Lepitschkow, der Vorsitzende des Komitees zum Schutz der Sicherheit für die Menschen in Jakutien. Derzeit würden Maßnahmen ergriffen, um insgesamt 48 Brände auf einer Gesamtfläche von 530.000 Hektar zu löschen.

Noch keine Entwarnung

Neben Löschflugzeugen sind auch mehr als 2000 Helfer am Boden im Einsatz. Unterstützt werden sie von Freiwilligen aus der Bevölkerung, die versuchen mit Löschrucksäcken kleinere Feuer zu bekämpfen. Mit Bulldozern werden Brandschneisen in den Wald geschlagen, um die Ausbreitung der Brände zu stoppen.  

Die lang anhaltende ungewöhnliche Hitzeperiode im fernen Osten Russlands ist einer der Gründe für die Feuer. Umweltschützer beklagen aber auch, dass viele Waldbrände durch unachtsames Verhalten ausgelöst worden seien, etwa durch Lagerfeuer oder weil trockenes Gras angezündet wurde.

Auch wenn mittlerweile die Zahl der Feuer etwas reduziert werden konnte, will Alexandr Agafonow, stellvertretender Leiter des Bundesforstamtes, noch keine Entwarnung geben.

Besonders ältere Menschen leiden

"Sollte sich die Situation verschlechtern, und dies ist möglich, weil wir nicht für das himmlische Büro verantwortlich sind, werden weitere 60 Spezialisten der Waldschutzbehörde eintreffen", sagt Agafonow. Momentan seien genügend Mittel vorhanden, aber man beobachte die Situation weiter.

Dichter Rauch wird zur Belastung, insbesondere für die älteren Menschen in den betroffenen Regionen. "Es gibt Probleme mit den Augen, mit den Atemwegen: der Husten, die Augen tun immer weh, man bekommt Kopfschmerzen", sagt Jurij Jusubjan aus der Stadt Jakutsk im russischen Staatsfernsehen. Es sei unmöglich, sich am Abend auszuruhen. "Man öffnet das Fenster - da ist Rauch, man geht auf die Straße - da ist Rauch. Der Rauch begleitet uns überall hin."

Löscharbeiten könnten noch Wochen dauern

Mittlerweile hat sich der Rauch soweit ausgebreitet, dass er auch im Tausende Kilometer entfernten Irkutsk in der Nähe des Baikalsees zu spüren ist. Noch ist nicht abzusehen, wann die Feuer endgültig gelöscht sein werden. Das kann unter Umständen noch Wochen dauern.

Über dieses Thema berichtete mdr Aktuell am 29. Juli 2021 um 12:24 Uhr.