Ein Waldbrand in der Region Krasnojarsk in Sibirien | dpa

Waldbrände in Sibirien Löschflugzeuge vor Ort - nach Wochen

Stand: 01.08.2019 16:52 Uhr

Die sibirische Taiga steht an vielen Stellen schon wochenlang in Flammen. Nach Protesten von Bewohnern sind jetzt auch Löschflugzeuge des russischen Militärs da - aus Sicht vieler allerdings zu spät.

Das russische Militär versucht mit Löschflugzeugen, die seit Wochen anhaltenden Waldbrände in Sibirien zu bekämpfen. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums landeten die ersten beiden Transportmaschinen vom Typ Iljuschin Il-76 mit 42 Tonnen Wasser an Bord in Krasnojarsk. Insgesamt sollen je zehn Maschinen vom Typ Il-76 und MI-8-Hubschrauber eingesetzt werden.

Auf Satellitenbildern ist das dramatische Ausmaß der Feuer zu sehen. Bei diesen schlimmsten Bränden seit Jahren versinken laut russischen Medien inzwischen Hunderte Ortschaften im gesundheitsschädlichen Rauch.

In vielen Gebieten gilt der Ausnahmezustand. Besonders betroffen sind die Republiken Jakutien und Burjatien sowie etwa die Regionen Krasnojarsk und Irkutsk. Auch das Nachbarland Mongolei klagte über den Rauch.

dieses Satellitenbild der Weltraumbehörde Roskosmos vom 31. Juli 2019, zeigt Waldbrände in der Region Tomponski in Ostsibirien | dpa

Das Satellitenbild der Weltraumbehörde Roskosmos vom 31. Juli 2019 zeigt das Ausmaß der Waldbrände in der Region Tomponski in Ostsibirien. Bild: dpa

100 Jahre bis zur Regeneration

Die Taiga ist wichtig für das Weltklima. Drei Millionen Hektar Wald - das ist mehr als die Größe Brandenburgs - sind vernichtet. Experten wiesen darauf hin, dass es etwa 100 Jahre dauere, bis sich der Wald regeneriere. "Es brennt die nördliche Taiga, und das Hauptproblem, warum die Wissenschaftler und Ökologen Alarm schlagen, besteht darin, dass diese nördlichen Wälder sehr lange brauchen, um sich wieder aufzurichten", sagte der Wissenschaftler Alexander Brjuchanow der Staatsagentur Tass.

Bewohner beklagen in sozialen Netzwerken, dass die Behörden sich kaum um die Katastrophe kümmerten. Es gebe dort kaum noch Luft zum Atmen. Viele Menschen danken auch dem US-Schauspieler Leonardo DiCaprio dafür, dass er bei Instagram auf die Lage hinwies - und so internationale Aufmerksamkeit erzeugte.

Starker Rauch bedeckt das Zentrum der ostsibirischen Stadt Tschita | dpa

Keine Luft zum Atmen: Im ostsibirischen Tschita bedeckt Rauch das Stadtzentrum. Bild: dpa

Trumps Hilfsangebot abgelehnt

Es gab dort auch Klagen, dass sich bis dahin die Machtzentrale in Moskau überhaupt nicht geregt habe. Medien berichteten, dass es nun vielerorts schon zu spät sei, um noch etwas zu löschen. In der Nacht zum Donnerstag hatte auch US-Präsident Donald Trump in einem Telefonat mit Kremlchef Wladimir Putin Hilfe angeboten. Putin lehnte dankend ab. Er hatte kurz zuvor das Militär damit beauftragt, den Zivilschutz zu unterstützen.

Bereits im Frühjahr hatte es in Sibirien schlimme Wald- und Steppenbrände gegeben, bei denen auch Gebäude zerstört wurden. Im Juni herrschte dort eine Rekordhitze. Zuletzt kämpften Teile Sibiriens nach langen Regenfällen mit einem Jahrhunderthochwasser. Dutzende Menschen starben. Hunderte wurden verletzt. Tausende Häuser wurden zerstört.

Über dieses Thema berichtete am 01. August 2019 Deutschlandfunk um 15:00 Uhr in den Nachrichten und B5 aktuell um 17:20 Uhr.

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KOMMENTARE

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Werneranerin 01.08.2019 • 21:43 Uhr

18:54 von deutlich

Danke für Ihren sachlichen, aufklärenden Kommentar. Sie wissen, worüber Sie sich äussern. Traurig, dass auch unter solchen Umständen Hetze betrieben wird und Spott ausgelassen. Wenn z.B. in Kalifornien ganze Wohnorte vom Feuer niedergebrannt werden und Menschen dagegen hilflos sind, was soll man über riesengrosse, wilde, schwerst erreichbare brennende Naturgebiete sagen? Dass verzweifelte Menschen jemandem (den Regierungsvertretern?) die Schuld für Ihre Lage geben, ist überall auf der Welt gleich.