Feuer nahe Saint Tropez | EPA

Waldbrand nahe Saint-Tropez Mit 1200 Einsatzkräften gegen die Flammen

Stand: 18.08.2021 19:30 Uhr

Starker Wind hat die schweren Waldbrände in Südfrankreich nahe Saint-Tropez weiter angefacht. Mindestens zwei Menschen kamen ums Leben, 20 wurden verletzt. Tausende befinden sich in Notunterkünften.

Von Sabine Wachs, ARD-Studio Paris

Der Himmel färbst sich erneut tiefrot über der Côte d’Azur, die Waldbrände auf der Halbinsel von Saint Tropez sind wieder in vollem Gange. Fernsehbilder zeigen dichte, meterhohe Rauchsäulen, die in den Himmel aufsteigen. Der Präfekt des Départements Var sprach von extrem starken Feuern, die nun wieder brennen, sich rasend schnell ausbreiten.

Sabine Wachs ARD-Studio Paris

Hatte sich die Lage am Vormittag leicht entspannt, so sei sie nun wieder kritisch, sagt Carlos Zaglia, Sprecher der Feuerwehr vor Ort: "Die Situation dreht sich wieder. Wir haben Wind, der wieder auffrischt, er kommt von Südosten und facht die Flammen wieder an. Seit Beginn der Brände macht uns der Wind die Arbeit schwer, er bestimmt die Richtung der Brände. Für uns ist es sehr schwer, die Entwicklung vorherzusehen."

Schwierige Löscharbeiten im Hinterland

Im Gegensatz zu den vergangenen Tagen treibt der Wind die Flammen nun nicht mehr nur Richtung Küste, sondern auch ins Hinterland. Und so kommt ein weiteres Problem für die Einsatzkräfte hinzu: Das Gelände ist felsig, hügelig, viele Bereiche des Massivs vor der Küste sind mit Löschfahrzeugen und auch zu Fuß nicht zugänglich. Nur mit Flugzeugen kann das Feuer dort bekämpft werden:

"Dieser Brand ist einer der schwersten Brände, die die Region seit 2003 erlebt hat", sagt der französische Regierungssprecher Gabriel Attal. "Mehr als 5000 Hektar Fläche sind schon zerstört, 7000 Menschen mussten ihre Campingplätze verlassen, mehr als 10.000 Menschen insgesamt wurden in Sicherheit gebracht." Der Präfekt rief alle Touristen und Anwohner auf, auch weiter in den Notunterkünften zu bleiben.

Umquartierte Camper spielen Karten in einer Turnhalle in Frankreich, Bormes-les-Mimosas. Mit einem Großaufgebot kämpft die Feuerwehr in Südfrankreich weiter gegen ausgedehnte Waldbrände. Über 300 Feuerwehrleute bekämpften einen Brand in der Region Provence-Alpes-Cote d'Azur. Mehr als 100 Menschen, darunter auch Touristen, wurden in Sicherheit gebracht. | dpa

Umquartierte Camper spielen Karten in einer Turnhalle in Frankreich, Bormes-les-Mimosas. Auch Touristen wurden in der Region in Sicherheit gebracht. Bild: dpa

Manche haben alles verloren

Schon jetzt zeigt sich das erste Ausmaß der Flammen. Im kleinen Ort La Garde Freinet etwa, der auf halber Strecke zwischen dem ursprünglichen Brandort und der Küste liegt, sind viele Häuser von den Flammen zerstört worden.

Hortense, eine Anwohnerin, hatte gerade noch einmal Glück, ihre Nachbarn allerdings haben im Feuer alles verloren: "Es tut mir so unfassbar leid für sie. All die Menschen, deren Häuser einfach niedergebrannt sind. Menschen, die mit ansehen mussten, wie die Flammen keine 40 Meter vor ihrem Haus brannten."

Naturschutzgebiet weitgehend zerstört

Auch im Naturschutzgebiet La Plaine des Maures kann eine erste bittere Bilanz der Brände gezogen werden. Große Teile des rund 5000 Hektar großen Gebietes sind niedergebrannt. Marie-Claude Serra, Verantwortliche für das Naturschutzgebiet, konnte sich einen Überblick verschaffen: "Es sieht aus wie eine Mondlandschaft. Und wir haben viele tote griechische Landschildkröten gefunden. Das ist schrecklich, sie stehen unter Naturschutz. Sie sind verendet in einem Brand, sie konnten sich nirgendwo hin retten. Das ist eine Katastrophe."

Es wird Monate dauern, bis sich das Naturschutzgebiet wieder ansatzweise erholt, sagt Serra. Und die Gefahr ist nicht gebannt, denn noch immer kämpfen mehr als 1200 Feuerwehrleute und Einsatzkräfte gegen die neu entfachten Brände auf der Halbinsel von Saint Tropez.  

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 18. August 2021 um 06:23 Uhr.