Die Helfer in Griechenland sind vom Ausmaß der Waldbrände überfordert. | Bildquelle: AFP

Waldbrände in Griechenland "Schlimmste Katastrophe der jüngeren Geschichte"

Stand: 11.08.2019 10:33 Uhr

Die Lage in den griechischen Waldbrandgebieten im Großraum Athen ist dramatisch. Dutzende Menschen starben in den Feuern, eine ganze Ortschaft fiel den Flammen zum Opfer. Die Regierung ordnete Staatstrauer an.

In Griechenland kämpfen die Feuerwehrleute und ihre Helfer gegen die verheerenden Waldbrände nahe Athen - und inzwischen werden die Folgen der Flammen sichtbar. Diese sind jetzt schon schlimmer als im Katastrophenjahr 2007, als der halbe Peloponnes und die Insel Euböa brannten.

ARD-Korrespondent Michael Schramm, der aus dem Brandgebiet berichtet, erklärte, es handele sich um die "schlimmste Brandkatastrophe in der jüngeren griechischen Geschichte". Und dieses Mal deute viel auf Brandstiftung hin - es werde vermutet, dass Bodenspekulanten hinter den Taten stehen. Hinzu komme, dass die griechische Feuerwehr nur schlecht ausgerüstet sei - auch eine Folge des massiven Sparkurses, den die Regierung seit Jahren fahren muss.

"Mati existiert nicht mehr"

Zwar sind inzwischen offenbar viele Feuer unter Kontrolle, aber die Gefahr ist noch nicht gebannt. Und schon jetzt ist die erste Zwischenbilanz erschütternd: Mindestens 74 Menschen starben in den Flammen - die Behörden gehen aber davon aus, dass die Zahl noch steigen wird. Mehr als 170 Menschen wurden verletzt, einige von ihnen schwer.

Allein im Hof einer Villa im Badeort Mati bei Athen wurden die verkohlten Leichen von 26 Menschen gefunden, darunter kleine Kinder. Augenzeugen berichten von dramatischen Szenen. "Mati existiert nicht mehr", sagte der Bürgermeister des Nachbarorts Rafina.

Luftaufnahmen der betroffenen Region zeigen das Ausmaß des Infernos - und die Ausweglosigkeit für die Opfer. Starker Wind hatte die Flammen in der Nacht mit rasender Geschwindigkeit vor sich her getrieben. "Der Wind brachte das Feuer wohin er wollte", sagte eine Augenzeugin dem griechischen Fernsehsender Skai.

Wegen der rasendschnellen Ausbreitung der Flammen seien viele Anwohner an die Küste geflohen und mussten sich an den Strand oder sogar ins Meer retten.Viele hätten es aber schlicht und einfach nicht geschafft, zum rettenden Meer zu gelangen, oder seien von den Flammen eingeschlossen worden. Auch die Feuerwehr habe keine Chance gehabt, so die Augenzeugin.

Europaweite Hilfe angelaufen

Angesichts der dramatischen Situation haben mehrere EU-Länder nun ihre Hilfe angeboten. Am Abend trafen die ersten EU-Katastrophenhelfer in den Brandgebieten ein. Der italienische Premierminister Giuseppe Conte twitterte, dass Italien zwei Löschflugzeuge zur Verfügung stelle. .

Zypern, Spanien und Bulgarien sicherten ebenso Flugzeuge, Einsatzkräfte, Ärzte und Löschfahrzeuge zu. Der zuständige EU-Kommissar Christos Stylianides will sich noch heute auf den Weg nach Athen machen. Er werde dort die EU-Hilfen koordinieren, die bereits auf dem Weg seien. Mit dem griechischen Premierminister Alexis Tsipras sei er in ständigem Kontakt.

Landesweite Trauer

Der ordnete eine dreitägige landesweite Trauer an. "Heute trauert Griechenland, und im Gedenken an diejenigen, die wir verloren haben, verkünden wir eine dreitägige Trauerperiode", sagte Tsipras. Doch die Menschen dürften sich nicht vom Schmerz überwältigen lassen, "denn diese Stunden sind Stunden des Kampfes, der Einheit, des Muts und vor allem der Solidarität".

Der Kampf gegen die Flammen ist noch nicht vorbei, aber einen Hoffnungsschimmer gibt es: Am Abend soll es in der Region regnen.

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Brände in Griechenland (Juli 2018)

Menschen flüchten sich in Mati ins Meer

Wer konnte flüchtete sich bei dem verheerenden Feuer am 23. Juli in Mati ans Ufer des Meeres und wartete auf Hilfe. | Bildquelle: REUTERS

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. Juli 2018 um 20:00 Uhr.

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