Wahlplakate vor Hochhäusern in Venezuela | Bildquelle: ARD

Wahlen in Venezuela Nur einer widersetzt sich Maduro

Stand: 20.05.2018 00:01 Uhr

Venezuelas Präsident Maduro will sich heute im Amt bestätigen lassen. Die Opposition boykottiert die Wahl. Ein Kandidat widersetzt sich dem Boykott. Am Ergebnis wird das nichts ändern.

Von Anne-Katrin Mellmann, ARD-Studio Mexiko-Stadt, zzt. Caracas

"Wir wollen Freiheit", rufen Angehörige politischer Häftlinge. Seit Stunden harren sie vor dem Geheimdienst-Gefängnis Helicoide im Zentrum von Caracas aus, weil drinnen ein Aufstand stattfinden soll. Die Nachricht platzte in die ohnehin angespannte Stimmung kurz vor der Präsidentenwahl. Erst im März waren in der Stadt Valencia 68 Häftlinge bei einem Aufstand ums Leben gekommen. 

Genaue Informationen über das, was hinter den Gefängnistoren geschieht, hat niemand. Das macht Mütter wie Frau Jiménez nervös. Ihr Sohn sei vor einem Jahr, während der Proteste gegen die Regierung, verhaftet worden, erzählt sie mit Tränen in den Augen: "Sie haben ihn gefoltert", sagt sie. "Seiner Zunge und seinen Geschlechtsteilen Stromschläge verpasst. Ich habe ihn schlimm zugerichtet gesehen." Nur ein Mal habe sie, dank eines guten Kontaktes, zu ihm gekonnt. "Dieses Gefängnis ist ein Folterzentrum."

Lilian Tintori | Bildquelle: ARD
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Lilian Tintori unterstützt die protestierenden Frauen vor dem Geheimdienst-Gefängnis Helicoide.

Ein Plakat fordert Freiheit für den venezolanischen Oppositionsführer Leopoldo López. | Bildquelle: ARD
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Tintoris Ehemann, Oppositionsführer López, steht derzeit wegen der Proteste von 2014 unter Hausarrest.

"Es geht um Freiheit und Gerechtigkeit"

Unter die Angehörigen hat sich Lilian Tintori gemischt - Ikone der Proteste gegen die sozialistische Regierung im vergangenen Jahr. Sie ist die Ehefrau von Oppositionsführer Leopoldo López, der seit Jahren entweder im Gefängnis sitzt oder - so wie jetzt - unter Hausarrest lebt, weil er 2014 zu Antiregierungsprotesten aufgerufen hatte.

"Unser Haus ist ein Gefängnis", berichtet Tintori. "Schon seit viereinhalb Jahren geht das so. Das ist Unrecht. Mich bewegt, zu sehen, was diese Frauen hier durchmachen." Auch ihr Mann sei gefoltert worden, sagt sie. "Die Häftlinge hier protestieren friedlich. Es geht um Freiheit und Gerechtigkeit für alle."

Zur bevorstehenden Präsidentenwahl will sich Tintori lieber nicht äußern. Venezuelas Oppositionsbündnis, zu dem auch die Partei ihres Mannes gehört, wurde nicht zugelassen und boykottiert die Abstimmung. Dem widersetzt sich nur ein einzelner Kandidat: Henri Falcón.

Oppositionskandidat ohne Chance

Trotz der schweren politischen und wirtschaftlichen Krise, mit einer Inflationsrate von fast 14.000 Prozent, hat Falcón kaum eine Chancen gegen den sozialistischen Präsidenten Maduro. Grund ist die Zerrissenheit der Regierungsgegner. Sie stehen vor der großen Frage: wählen gehen oder nicht?

Viele seien kurz vor der Wahl immer noch unentschlossen, sagt Gil Yepes vom Meinungsforschungsinstitut Datanalisis. Auch, weil sie von Wahlbetrug ausgingen. Schummeleien und Manipulationen hätten bereits stattgefunden, erzählt er. Die wichtigsten Oppositionsführer seien ausgeschaltet worden, ihr Bündnis nicht zugelassen, der Wahltermin vorverlegt. "Außerdem hat die Regierung viel Geld für den Wahlkampf und die Macht über die Medien. Direkter Betrug ist in solchen Wahllokalen möglich, in denen die Opposition keine Beobachter hat."

Gil Yepes vom Meinungsforschungsinstitut Datanalisis | Bildquelle: ARD
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Gil Yepes ist sicher, dass schon im Vorfeld Wahlbetrug stattfand.

Maduro sieht Verschwörung aus dem Ausland

Wahlbeobachter der Vereinten Nationen, die Oppositionskandidat Falcón eigentlich zur Bedingung für seine Kandidatur gemacht hatte, sind nicht in Sicht. Fast alle Länder der Region lehnen die Wahl ab.

Präsident Maduro, der eine ausländische Verschwörung und einen Wirtschaftskrieg für die Misere in seinem Land verantwortlich macht, sieht sich bestätigt: "Sie wollen mich nicht anerkennen. Das interessiert mich einen Dreck. Mich interessiert nur unser Volk, aber nicht Europa oder Washington."

In der Region halten nur Staaten wie Nicaragua oder Kuba, die von venezolanischen Erdöllieferungen leben, Maduro die Treue. Teile der Bevölkerung aber gehen eigene Wege: Etwa zwei Millionen Venezolaner sind bereits aus dem Land geflohen.

Betrugsverdacht vor Präsidentenwahl in Venezuela
Anne-Katrin Mellmann, Mexiko-City
19.05.2018 17:22 Uhr

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Über dieses Thema berichtete BR24 am 19. Mai 2018 um 15:20 Uhr.

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