Zyperns neuer Präsident Anastasiades

Anastasiades siegt bei Präsidenten-Stichwahl Hohe Erwartungen an Zyperns Neuen

Stand: 24.02.2013 20:57 Uhr

Machtwechsel auf Zypern: Nach fünf Jahren führt mit Nikos Anastasiades wieder ein Konservativer den Inselstaat. Der neue Präsident muss mit EU und IWF schnell ein Rettungspaket aushandeln, denn die Staatskasse ist leer. Die Erwartungen an Anastasiades sind hoch - aber er gibt sich optimistisch.

Thomas Bormann ARD-Studio Istanbul

Von Thomas Bormann, ARD-Hörfunkstudio Istanbul

Nikos Anastasiades ist 66 Jahre alt, Jurist, und Chef der konservativen Partei Zyperns mit dem Namen "Demokratische Sammlung". Nun soll er als neuer Präsident Zypern aus der Krise herausführen.

Anastasiades hatte schon im Wahlkampf angekündigt, dass Zypern nur mit harter Sparpolitik und mit der Hilfe der Partner in der EU wieder auf einen grünen Zweig kommen könne. Bei seiner Stimmabgabe sagte er: "Ich bin überzeugt, dass Zypern heute einen neuen Kurs einschlagen wird. Diese Wahl markiert den Beginn einer neuen Ära für Zypern."

Verhandlungen mit internationalen Gebern

Fünf Jahre lang hatte Dimitris Christofias von der Kommunistischen Partei den Inselstaat Zypern regiert - und zu wenig gegen die Krise unternommen, das jedenfalls meinen die meisten Zyprer. Nun also haben sich die Wähler tatsächlich für einen Kurswechsel entschieden und mit großer Mehrheit den konservativen Anastasiades gewählt. Er steht für einen pro-europäischen Kurs. Er will so schnell wie möglich mit den Partnern in der EU und mit dem Internationalen Währungsfonds das Rettungspaket für Zypern endgültig aushandeln, denn die Staatskasse ist leer. Zypern braucht dringend Hilfskredite aus dem Euro-Rettungsschirm, sonst ist das Land pleite.

Gleichzeitig muss Anastasiades als neuer Präsident die Vorwürfe entkräften, auf seiner Insel werde Schwarzgeld von ausländischen Anlegern gewaschen.

Die Teilung - dieses Mal nicht das wichtigste Thema

Seit bald vier Jahrzehnten ist die Mittelmeerinsel geteilt: Im Süden die griechisch geprägte Republik Zypern, im Norden die "Türkische Republik Nordzypern", die allerdings von keinem Staat der Welt außer der Türkei anerkannt wird. Bislang war bei jeder Wahl auf Zypern die mögliche Wiedervereinigung der Insel Thema Nummer Eins. Dieses Mal aber war die Wirtschaftskrise das alles beherrschende Thema. "Ich erwarte von unserem neuen Präsidenten, dass er die finanziellen Probleme löst, die uns hier in allen Bereichen unserer Gesellschaft wehtun. Unsere Kinder verlassen Zypern, weil sie hier keine Arbeit finden und nicht mehr über die Runden kommen", sagte eine Wählerin bei der Stimmabgabe.

Hoffen auf Milliardengewinne durch Erdgas

Die Erwartungen an den neuen Präsidenten sind hoch, aber er gibt sich optimistisch. Die Hilfskredite würden bald kommen, sagt er, und mit der zyprischen Wirtschaft werde es bald wieder bergauf gehen. "Zypern wird alle Hilfskredite auf den Cent genau zurückzahlen, vielleicht sogar schneller als geplant", versicherte Anastasiades.

Feiern nach Wahlsieg von Aanstasiades in Zypern

Viele Menschen feierten den Wahlsieg von Anastasiades auf den Straßen von Nikosia.

Schließlich wurden im Mittelmeer vor der zyprischen Küste riesige Erdgasfelder entdeckt. Die werden jetzt erschlossen, und wenn alles nach Plan läuft, dann kann Zypern in fünf bis zehn Jahren Erdgas exportieren und damit Milliarden verdienen.

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KOMMENTARE

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Prostituierte 24.02.2013 • 23:56 Uhr

@netille - Der Umsturz bleibt aus

Und sicherlich dachten Millionen Nichtwähler: "Die Politiker wirtschaften doch alle nur in die eigene Tasche. Für uns wird es nicht besser. Warum soll man dann noch wählen gehen?" Es ist in meinen Augen lediglich eine romantische Vorstellung, in der Menge der Nichtwähler, ein großes revolutionäres Potenzial auszumachen. Erfahrungsgemäß interessieren sich die meisten Nichtwähler nicht sonderlich für Politik. Wenn man sie fragt, dann tendieren sie meist zu den gleichen Parteien, die von den Wähler/innen auch tatsächlich gewählt werden.