Ibrahim Boubacar Keita | Bildquelle: dpa

Sieg in der Stichwahl Malis Präsident Keita wiedergewählt

Stand: 16.08.2018 16:33 Uhr

Der malische Präsident Keita hat sein Amt verteidigt. Er gewann die Stichwahl am Sonntag deutlich gegen seinen Herausforderer Cissé. Die Opposition spricht von Wahlbetrug.

Von Jens Borchers, ARD-Studio Nordwestafrika

Ibrahim Boubacar Keita war in den fünf vergangenen Jahren Präsident im westafrikanischen Mali. Das wird er auch bleiben. Der 73-Jährige bekam bei der Stichwahl für das Präsidentenamt etwa 67 Prozent der abgegebenen Stimmen. Das bedeutet: Er kann Anfang September seine zweite Amtszeit antreten.

Sein Gegenkandidat Soumaila Cissé konnte etwa 32 Prozent der Wähler für sich gewinnen. Für den 68-jährigen Informatiker und Politiker ist das eine Enttäuschung. Er verliert damit nach 2013 bereits zum zweiten Mal gegen Keita.

Cissé will das Wahlergebnis nicht anerkennen. Er sprach schon am Montag von Wahlbetrug. Also lange bevor die Ergebnisse offiziell bekannt gegeben wurden. "Wir werden betrügerische Ergebnisse nicht akzeptieren, damit das klar ist. Die Verantwortung für den Betrug und das, was jetzt im Land geschehen wird, diese Verantwortung liegt im Lager des Präsidenten," betonte er.

Anhänger von Präsident Keita jubeln im Parteihauptquartier in Bamako über seinen Wahlsieg. | Bildquelle: REUTERS
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Anhänger von Präsident Keita jubeln in Bamako über seinen Wahlsieg.

Falsche Stimmzettel in der Urne?

Konkrete Belege für einen Wahlbetrug liegen bisher nicht vor. Der Wahlkampfmanager des Oppositionsbündnisses, Tiebele Drame, behauptet, Helfer des Regierungslagers hätten die Urnen mit falschen Stimmzetteln zugunsten des Amtsinhabers aufgefüllt: "Diese Resultate lehnen wir ab." Die Opposition will diese Ergebnisse nicht akzeptieren. Sie werde alle "demokratischen Mittel" nutzen, um die Wahlergebnisse anzufechten.

Opposition ruft zu Protesten auf

Schon Anfang der Woche hatte Cissé die malische Bevölkerung dazu aufgerufen, sich "zu erheben". Was er damit genau meinte, ließ er offen. Außer einigen Demonstrationen in der Hauptstadt und ein paar anderen Orten des Landes war kaum eine Reaktion auf diesen Aufruf zu sehen.

Allerdings wurde vorsichtshalber mehr Polizisten, Soldaten und UN-Blauhelme aufgeboten, um Präsenz zu zeigen. Die Anhänger des Amtsinhabers warnten davor, politische Unruhe zu schüren. Bokary Treta koordinierte die Wahlkampfplattform Keitas. Er sagte: "Wir warnen diejenigen, die mit voreiligen und demagogischen Ankündigungen Chaos in Mali säen wollen."

Geringe Wahlbeteiligung

Soweit der politische Schlagabtausch in der malischen Hauptstadt Bamako. Auffällig ist die geringe Beteiligung an dieser Stichwahl: Nur knapp 35 Prozent der registrierten Wähler gaben ihre Stimme ab. Das waren zehn Prozentpunkte weniger als bei der Präsidentschaftswahl 2013.

Das dürfte auch mit der miserablen Sicherheitslage in Mali zusammenhängen. Mehrfach hatte es Anschläge gegeben, am Sonntag der Stichwahl war der Leiter eines Wahlbüros ermordet worden.

Aber die geringe Wahlbeteiligung kann auch einen weiter zunehmenden Vertrauensverlust in die politische Elite des Landes bedeuten. Das gilt besonders für junge Malier. Sie trauen häufig weder dem Amtsinhaber, noch seinem Herausforderer zu, Mali voranzubringen. Pierre Dougnon gehört dieser Gruppe an: "Sie gehören doch alle zur selben Politikergeneration. Sie unterscheiden sich doch kaum. Ich hatte wirklich Veränderungen erhofft. Aber ob Keita oder Cissé, sie sind alle gleich."

Auf Keita wartet viel Arbeit

Keita wird also Anfang September seine zweite Amtszeit antreten. Auf ihn warten weiterhin die Aufgaben, die er in den ersten fünf Jahren Präsidentschaft nicht lösen konnte: Allen voran die hohe Arbeitslosigkeit und die extrem schwierige Sicherheitslage. Und dann wären da noch die Erwartungen der internationalen Geldgeber an den malischen Präsidenten: Er möge endlich tatkräftig Politik machen.

Keita gewinnt Wahl in Mali: Opposition spricht von Betrug
Jens Borchers, ARD Berlin
16.08.2018 16:36 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 16. August 2018 um 16:06 Uhr.

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