Eine Schlange vor einem Wahllokal in Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso. | AFP

Burkina Faso Wahlen im Schatten der Gewalt

Stand: 22.11.2020 11:16 Uhr

In Burkina Faso werden heute ein neues Parlament und ein neuer Präsident gewählt. Sollte die Abstimmung nicht friedlich ablaufen, befürchten Experten ein Erstarken der Dschihadisten, die das westafrikanische Land seit Jahren terrorisieren.

Im von extremistischer Gewalt erschütterten westafrikanischen Burkina Faso sind die Bürger aufgerufen, über ein neues Parlament und einen neuen Präsidenten abzustimmen.

Amtsinhaber Roch Marc Christian Kaboré kandidiert dabei gegen zwölf weitere Kandidaten. Es gilt als wahrscheinlich, dass er gewinnt. Der 63-Jährige kam durch die erste demokratische Wahl 2015 an die Macht, nachdem der langjährige Präsident Blaise Compaoré nach Massenprotesten 2014 zurückgetreten war.

Als einer der größten Herausforderer gilt der frühere Finanzminister Zéphirin Diabré. Die Opposition hofft auf eine Stichwahl, bei der sie eine Koalition hinter ihrem stärksten Kandidaten aus dem ersten Wahlgang bilden kann. Oppositionskandidaten warfen der Regierungspartei Betrug vor.

Roch Kaboré, Präsident von Burkina Faso, gibt in einem Wahllokal seinen Stimmzettel für die Präsidentschafts- und Parlamentswahlen ab. | dpa

Seit 2015 ist Roch Marc Christian Kaboré Präsident von Burkina Faso und kämpft nun um seine Wiederwahl. Bild: dpa

Bedrohung durch Dschihadisten

Internationale Beobachter sorgen sich, dass Dschihadisten davon profitieren könnten, wenn die Wahlen nicht friedlich und transparent abgehalten würden. Das könne die Botschaft der Extremisten verstärken, dass Regierungen in der Region unfähig seien.

Wegen Gewalt, die mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida und der Terrorgruppe "Islamischer Staat" in Verbindung gebracht wird, sind mehr als eine Million Menschen in Burkina Faso zu Vertriebenen geworden. Hunderte Zivilisten wurden getötet. Eine schwere Dürre hat den Sahelstaat zudem an den Rand einer Hungerkrise gebracht.

Wenig Beteiligung durch Gewalt und Flucht

Wie die Wahlkommission des Landes mitteilte, sind durch die Gewalt mindestens 166.000 Neuwähler nicht dazu in der Lage gewesen, sich zu der Abstimmung zu registrieren. Sechs Prozent der Wahllokale blieben wegen der schlechten Sicherheitslage geschlossen.

Einigen Bewohnern in der Region Sahel soll laut der Nachrichtenagentur AP von Dschihadisten mit Folgen gedroht worden sein, sollten sie wählen. Die Wahlergebnisse werden in den kommenden Tagen erwartet.

Burkina Faso erlangte 1960 die Unabhängigkeit von Frankreich und hat heute rund 20 Millionen Einwohner. Mehr als 40 Prozent der Bevölkerung leben nach Angaben der Weltbank unter der nationalen Armutsgrenze. Laut UN-Daten sind mehr als 40 Prozent der Einwohner jünger als 14 Jahre.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. November 2020 um 12:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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schabernack 22.11.2020 • 19:15 Uhr

18:02 von Kaneel

«Ich sah eine sehr erschütternde Doku ("Land der Einzelkinder") über die Begleitumstände der 1-Kind-Politik in China.» Ganz fürchterlich, vor allem in ländlichen Gegenden in China. Dort, wo eigentlich Arbeitskräfte als Nachwuchs gebraucht werden. Aber immer weniger sind. Auf der anderen Seite gibt es die Familien der Han-Chinesen, die sich der 1-Kind-Familie widersetzten, und 2 oder 3 Kinder haben. Das 2. + 3. Kind kann man auch heute trotz geänderter politischer Vorgabe zur angestrebten 2-Kind-Familie gar nicht registieren lassen als: "wurde geboren". Haben diese Kinder auch keinen Anspruch auf Bildung in Schulen. Und die gibt es eh nur dort am Ort,wo das Kind geboren wurde. In den Städten gut, in Peking sehr gut. Auf dem Land bis sehr rudimentär. Ich kann gut nachvollziehen, dass in einem Land mit sooo vielen Menschen wie CHN Demographie für die Regierung sehr wichtig ist. Das, was CHN seit ± 2000 macht, ist nicht zu mehr gleich unter Menschen im Land. Aber "Klassenbildung".