Wählerin in Bahrain

Abstimmung in Bahrain Die Sunniten wählen - die Schiiten nicht

Stand: 22.11.2014 18:29 Uhr

Der Boykottaufruf der bahrainischen Opposition war erfolgreich: Nur wenige Menschen gingen zur Wahl. Vor allem die schiitische Mehrheit blieb zu Hause, weil sie sich von den regierenden Sunniten unterdrückt fühlen. Vereinzelt gab es sogar Krawalle.

Von Jürgen Stryjak, ARD-Hörfunkstudio Kairo

An der ersten Parlamentswahl seit den blutigen Unruhen in Bahrain 2011 haben sich offenbar nur wenige Wähler beteiligt. In von Sunniten bewohnten Vierteln bildeten sich Schlangen an den Wahllokalen, aber in schiitischen Bezirken blieben die Lokale oft stundenlang leer. Vereinzelt kam es zu kleineren Demonstrationen, bei denen auch Steine geworfen wurden. Die Polizei soll mindestens zehn Personen festgenommen haben.

Im Laufe des Tages seien viele Unregelmäßigkeiten gemeldet worden, erklärte Wahlkommissionschef Abdullah al Bueineini. Es habe Beschwerden darüber gegeben, dass an einigen Orten noch am Wahltag Werbung für Kandidaten gemacht worden sei. In manchen Wahlkreisen hätten Wähler um ihre Sicherheit gefürchtet und ihre Stimme dann woanders abgegeben.

Rund 350.000 Wahlberechtigte sollen unter 266 überwiegend sunnitischen Kandidaten 40 neue Parlamentsabgeordnete auswählen. "Ich bitte Gott darum, dass möglichst alle wählen gehen", sagte die Kandidatin Reema Hilal, "das nutzt dem Land und seinen Bürgern." Gleichzeitig wird auch über die Zusammensetzung der Kommunalvertretungen abgestimmt. Erste Ergebnisse werden für Sonntag erwartet.

"Boykottiert die Wahl!"

Die schiitische Opposition rief dazu auf, den Wahlen fern zu bleiben. Der kleine Golfstaat wird von einem sunnitischen Königshaus regiert - Schiiten stellen allerdings die Bevölkerungsmehrheit. Die Wahlen seien undemokratisch, erklärte Ali Salman, der Generalsekretär der Al-Wefak-Gesellschaft, die die größte Oppositionsgruppe im Land ist: "Boykottiert die Wahl! Ihr habt das Recht dazu, so wie es euer Recht ist zu atmen, zu essen und zu trinken. Es gibt keinen Grund dafür, sich zu unterwerfen." Die Opposition beklagt unter anderem, dass das Parlament nur eine beratende Funktion hat.

2011 hatten Zehntausende zumeist schiitische Demonstranten gegen das Königshaus protestiert. Mit Hilfe von Armeeeinheiten aus Saudi-Arabien wurden die Proteste blutig niedergeschlagen. Regimekritiker, unter ihnen auch Sunniten, wurden verfolgt und inhaftiert. Seitdem bemüht sich das Königshaus um einen so genannten nationalen Dialog, den die Opposition allerdings als Farce bezeichnet.

Dieser Beitrag lief am 22. November 2014 um 18:32 Uhr im Deutschlandradio Kultur.

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