Angolas Präsident José Eduardo dos Santos bei der Stimmabgabe | Bildquelle: AFP

Wahlen in Angola Wandel nach 38 Jahren?

Stand: 23.08.2017 11:45 Uhr

38 Jahre lang hat Präsident dos Santos Angola beherrscht. Damit ist er einer der am längsten regierenden Staatschefs der Welt. Jetzt tritt er ab. Heute werden ein neues Parlament und ein neuer Präsident gewählt. Kommt nun der Wandel?

Von Jan-Philippe Schlüter, ARD-Studio Johannesburg, zzt. Luanda

Wahlkampf-Schlussspurt in Angolas Hauptstadt Luanda: Die bunt in Parteifarben geschmückten Lastwagen fahren mit voll aufgedrehten Lautsprechertürmen kreuz und quer durch die Straßen, um die Wähler zu mobilisieren. Es wird eine richtungsweisende Abstimmung. Angola bekommt nach 38 Jahren einen neuen Präsidenten - Amtsinhaber José Eduardo dos Santos tritt nicht mehr an.

Beatrice, eine glühende Anhängerin der Dos-Santos-Partei MPLA, bedauert das sehr: "Er ist der Präsident, der in einer sehr schweren Zeit das Land regiert hat, während des Bürgerkriegs. Er hat dafür gesorgt, dass es uns allen besser geht. Er hat uns den Frieden gebracht." Viele Angolaner sehen in dos Santos den Mann, der das vom 40-jährigen Bürgerkrieg zerrüttete Angola befriedet hat.

"Kriegsherr, Plünderer, korrupte Machenschaften"

Aber wenn Rafael Marques solche Sätze hört, kann er nur spöttisch grinsen. Angolas bekanntester investigativer Journalist, der vom Dos-Santos-Regime für seine kritischen Worte schon ins Gefängnis geworfen wurde, urteilt ganz anders über das Erbe des Langzeitpräsidenten: "Dos Santos war ein Kriegsherr, der während des Kriegs Waffen, Öl und Diamanten verkauft hat und reich geworden ist. Er ist ein Plünderer, eine Schande. Mit seinen korrupten Machenschaften hat er unsere Gesellschaft zerstört, um seine Macht zu erhalten."

Nach dem Ende des Bürgerkriegs hat Angola einen beispiellosen Wirtschaftsboom erlebt, dank reicher Ölvorkommen. Man nannte sich stolz das "Kuwait Afrikas", Luanda wurde zur teuersten Stadt der Welt, mit pompös glitzernden Hochhäusern an der Meerespromenade.

Tochter reichste Frau Afrikas

Isabel dos Santos | Bildquelle: AFP
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Isabel dos Santos mit ihrem Ehemann Sindika Dokolo

Eine Clique politisch bestens vernetzter Armee-Generäle wurde sehr schnell sehr reich. Ebenso die Familie des 74-jährigen Dauerpräsidenten dos Santos. Seine Tochter Isabel, Spitzname "Prinzessin", ist Milliardärin, reichste Frau Afrikas und Chefin des staatlichen Ölkonzerns Sonangol.

Aber: Von dem Boom ist kaum etwas bei der Bevölkerung angekommen. Ein Drittel der Angolaner lebt in großer Armut. Die Kindersterblichkeit ist die höchste der Welt. Und seitdem der Ölpreis abgestürzt ist, befindet sich das Land in einer tiefen Wirtschaftskrise. Denn außer Öl wird in Angola praktisch nichts produziert.

Viele Angolaner wünschen sich deshalb einen Machtwechsel: "Die MPLA hatte genug Zeit, Angola weiterzubringen. Sie steht nicht für Wandel", sagt ein junger Mann. "Viele junge Menschen wollen etwas Neues. Die Zeit der MPLA ist abgelaufen."

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Kommt Bewegung in die Politik?

Bislang haben dos Santos und seine MPLA das Land fest im Griff. Die Oppositionsparteien wie UNITA oder CASA-CE sind zu schwach. Deshalb glauben die meisten Angolaner nicht daran, dass die MPLA die heutige Wahl verliert. Aber sie wird wohl deutlich weniger Stimmen bekommen als bei den letzten Wahlen und vielleicht sogar ihre absolute Mehrheit einbüßen.

Es könnte Bewegung in die angolanische Politik kommen. Der wahrscheinliche neue Präsident João Lourenço muss dringend wirtschaftliche und politische Reformen einleiten. Nur so kann er das Land vor der Pleite retten und den sozialen Frieden wahren. Dafür wird er auch Korruption und Vetternwirtschaft bekämpfen müssen. Ob Lourenço dafür durchsetzungsstark genug ist, ist die eine Frage. Ob das "System dos Santos" das zulässt, die andere.

Der angolanische Präsidentschaftskandidat João Lourenço zeigt seinen Finger mit Tinte nach der Wahl | Bildquelle: AFP
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Dos Santos' Wunschnachfolger: Verteidigungsminister João Lourenço.

Aber Carlos Rosado de Carvalho, Chef der angolanischen Wirtschaftszeitung Expansão, hat noch eine andere Sorge. Steht Lourenço, ein treuer MPLA-Parteisoldat, wirklich für den Wandel? "Als Präsident kann Lourenço tun, was er will. Er hat die Macht dazu", sagt de Carvalho. "Ich frage mich nur: Will er denn überhaupt etwas verändern? Ich habe da so meine Zweifel."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. August 2017 um 12:00 Uhr.

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