Ladenfront des Dilion Gun House | Bildquelle: Bernd Musch-Borowska

Punjab in Indien Bäume pflanzen für die Waffenlizenz

Stand: 05.10.2019 11:52 Uhr

Im indischen Punjab sind die Menschen vernarrt in Waffen. Das nutzen die Behörden nun für den Umweltschutz: Wer eine Waffenlizenz erhalten will, muss Bäume pflanzen.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Neu-Delhi

In dem kleinen Waffengeschäft in Ferozepur, im indischen Bundesstaat Punjab, herrscht Hochbetrieb. Während einer der Kunden die Gewehre bestaunt, die an der Wand hängen, führt Amarbir Singh Dhillon, der Eigentümer des Ladens, einem anderen Interessenten ein paar Pistolen und Revolver vor. "Ohne eine Lizenz geht hier gar nichts. Zuerst muss ich die Lizenz sehen, sonst zeige den Kunden nicht mal eine Waffe", sagt Dhillon.

Amarbir Singh Dhillon mit Kunde | Bildquelle: Bernd Musch-Borowska
galerie

Amarbir Singh Dhillon verkauft waffen in Ferozepur.

Selfie mit Setzling als Beweis

Für die Lizenz zum Schießen wurden die Anforderungen vor Kurzem verschärft. Zumindest im Bezirk Ferozepur. Chander Gaind, der zuständige Beamte der Bezirksverwaltung, hat angeordnet, dass Anträge für einen Waffenschein nur noch dann angenommen werden, wenn der Antragsteller zuvor zehn Bäume pflanzt. "Alle anderen Anforderungen für die Ausstellung einer Waffenlizenz bleiben unverändert. Ich habe nur eine weitere Bedingung gestellt: Damit der Antrag überhaupt bearbeitet wird, muss der Antragsteller ein Selfie machen, wie er zehn Bäume pflanzt. Und nach einem Monat nochmal. Dadurch wollen wir sehen, dass die Bäume auch gegossen und gepflegt werden und wachsen", sagt Gaind von der Bezirksverwaltung. Erst dann werde der Antrag für einen Waffenschein geprüft.

Seit der Einführung der neuen Regelung seien mehr als 300 Anträge auf einen Waffenschein gestellt worden. Rein rechnerisch also 3000 neue Bäume. Doch längst nicht jeder Antrag werde auch bewilligt. "Wer einen Waffenschein haben will, muss zunächst einen Drogentest machen. Drogenabhängige bekommen auf keinen Fall einen Waffenschein, in diesem Punkt sind wir sehr streng", sagt Gaind. Und der Polizeibericht werde verlangt. "Nur gesetzestreue Bürger, die ein anständiges und friedliches Leben führen, bekommen eine Lizenz. Von 300 gestellten Anträgen wurden gerade mal 100 genehmigt."

Punjabi mit Antrag für Waffenlizenz | Bildquelle: Bernd Musch-Borowska
galerie

Im Antrag für die Waffenlizenz müssen Fotos nachweisen, dass Bäume gepflanzt wurden.

Tief verankerte Waffenkultur

Gurjeet Singh, ein Bauer aus der Nachbarschaft bewässert seine Setzlinge. Sein Antrag auf einen Waffenschein ist bewilligt worden. Er hat die erforderlichen zehn Bäume gepflanzt und auch alle anderen Anforderungen erfüllt. Jetzt spart er auf ein Gewehr, das einen stolzen Preis von 100.000 Rupien hat, umgerechnet mehr als 1200 Euro. Für Gurjeet Singh etwa zwei Monatsgehälter. "Ich habe zehn Bäume gepflanzt, weil das gut ist für die Umwelt: Sie verbessern die Luft und geben Schatten", sagte er. Aber natürlich habe er die Bedingungen auch für den Waffenschein erfüllt. "Ich finde das ist eine gute Idee. Die sollten viel mehr Bäume dafür verlangen: 15 mindestens."

Die Punjabis seien geradezu verrückt nach Waffen, sagt Bezirkschef Gain. Das könne man doch nutzen, um etwas für die Umwelt zu erreichen: "Es gibt eine weit verbreitete Waffenkultur in unserem Land. Punjabis sind verrückt nach Waffen, sollen sie doch auch verrückt nach Bäumen werden."

Der Bundesstaat im Norden Indiens grenzt an Pakistan und steht, wenn es um Waffen geht, an der Spitze des Landes. Waffen werden gerne bei Hochzeiten eingesetzt - für Freudenschüsse.

Punjabi beim Bäume Pflanzen | Bildquelle: Bernd Musch-Borowska
galerie

Bis zu 12.000 Bäume jährlich sollen mit der Idee in der Zukunft in Punjab gepflanzt werden.

Wirkung über Indien hinaus?

In seinem Waffengeschäft führt Dhillon dem nächsten Kunden gerade eine Pumpgun vor: Eine Pumpgun mit fünf Patronen, die nacheinander abgefeuert werden können. "Diese Waffe gibt es bei uns erst seit einem Jahr", erzählt er dem Kunden. Die neue Regelung für Waffenscheine habe seinem Geschäft nicht geschadet, sagt Dhillon, im Gegenteil. Die Leute hätten so das Gefühl, etwas Gutes zu tun. Und weil ja sowieso alle Landbesitzer und Bauern seien, sei es für sie ganz einfach, die Forderung zu erfüllen.

Noch ist die Regelung auf den Bezirk Ferozepur beschränkt. Doch die Idee hat Aufsehen erregt, über die Grenzen Indiens hinaus. "Vielleicht könne so ja auch woanders etwas für die Umwelt getan werden", meint Bezirks-Commissioner Gain. Er will mit seiner Idee dafür sorgen, dass jedes Jahr bis zu 12.000 neue Bäume gepflanzt werden. "Unser Bezirk Ferozepur ist auf dem guten Weg, ein Wald zu werden."

Wer Bäume pflanzt, bekommt Waffenlizenz
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu Delhi
05.10.2019 11:26 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Nova in der Sendung "Grünstreifen" am 04. Oktober 2019 zwischen 10:00 und 18:00 Uhr.

Darstellung: