Lava und Rauch sind nach dem Ausbruch eines Vulkans im Nationalpark Cumbre Vieja bei El Paso zu sehen.

Vulkanausbruch auf La Palma Riesige Feuerfontänen und Lavaflüsse

Stand: 20.09.2021 14:41 Uhr

Tausende Menschen sind bereits nach dem Ausbruch des Vulkans auf La Palma in Sicherheit gebracht worden. Mehrere Häuser wurden zerstört. Ein Ende scheint noch nicht in Sicht: der Vulkan stößt weiter Feuerfontänen aus.

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Es ist eine Mischung aus Rauschen und Grollen, das seit gestern Nachmittag auf La Palma zu hören ist und von spanischen Medien als Live-Stream im Netz übertragen wird. Ein Vulkan im Südwesten der Insel stößt Feuerfontänen aus, die zum Teil hunderte Meter hoch sind. Die mehr als 1000 Grad heiße Lava bahnt sich ihren Weg vom Vulkan hinunter Richtung Küste.

Oliver Neuroth ARD-Studio Madrid

Während Wissenschaftler von einem einmaligen Naturschauspiel sprechen, fürchten Anwohner um ihre Existenz. Eine Frau aus der Kleinstadt Los Llanos saß gestern schon auf gepackten Koffern. Als es dann los ging mit der Eruption sei sie zum Auto gelaufen und habe noch schnell den Nachbarn Bescheid gesagt. Sie hat die Nacht in einer Sporthalle in einem Nachbarort verbracht. Genau wie eine andere Frau: "Der Vulkan ist nur wenige Kilometer von meinem Haus entfernt. Wir sind geflüchtet: Meine Eltern, mein Mann, mein Bruder und ich."

Rauch steigt von abkühlender Lava auf der kanarischen Insel La Palma auf.

Rauch und verbrannte Erde nach dem Vulkanausbruch auf der kanarischen Insel La Palma.

Mindestens 20 zerstörte Häuser

Die Lava hat in den Ortschaften in der Nähe erste Schäden angerichtet. Der Bürgermeister von El Paso, Sergio Rodríguez, spricht im spanischen Fernsehen von mindestens 20 Häusern, die völlig zerstört seien:

Die Lava hat sich ihren Weg gefressen und vor nichts Halt gemacht. Wir haben hier Lavaströme gesehen, die mindestens 15 Meter hoch sind. Sie kann also noch deutlich mehr zerstören, als bisher bekannt ist.

Bilderstrecke

Vulkanausbruch auf spanischer Kanareninsel La Palma

Sánchez sichert Hilfe zu

Noch am späten Abend ist Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez nach La Palma geflogen. Eigentlich stand für ihn eine Reise nach New York an zur UNO-Vollversammlung an. Doch die will er nun erst mit einem Tag Verspätung besuchen. Sánchez sicherte den Menschen auf der Insel alle nötige Hilfe zu: "Wir haben genügend Mittel und Personal. Die Bewohner von La Palma können beruhigt sein. Wir garantieren die Sicherheit all derjenigen, die von diesem Vulkanausbruch betroffen sind."

Unklar, wie lange der Vulkan noch Lava ausstößt

Vulkan-Forscher auf den Kanaren gehen inzwischen davon aus, dass sich deutlich mehr Magma im Boden befindet als zunächst gedacht: Nicht elf Millionen Kubikmeter, bis zu 20 Millionen sollen es sein. Doch kein Experte traut sich im Moment eine Prognose zu, wie lange der Vulkan Lava ausstoßen wird. Ob es eher Tage oder Wochen sind.

Der Präsident der Kanarischen Inselregierung, Ángel Victor Torres, sieht die Lage optimistisch. Die nächsten 48 Stunden seien entscheidend, um die Entwicklung abzuschätzen, sagte er im Sender TVE. Man habe Glück im Unglück gehabt, dass die Gegend rund um den Vulkan nur dünn besiedelt sei und es bisher keine Verletzten gegeben habe.

Über dieses Thema berichtete am 20. September 2021 die tagesschau um 12:00 Uhr und Deutschlandfunk um 13:20 Uhr in der Sendung "Informationen am Mittag".