Der Demokrat Joe Biden im April 2019 | Bildquelle: JIM LO SCALZO/EPA-EFE/REX

Biden zu Missbrauchsvorwürfen "Das ist nie passiert"

Stand: 01.05.2020 14:20 Uhr

Lange ließ er seine Mitarbeiter sprechen, jetzt hat sich der US-Demokrat Biden erstmals selbst zu den Missbrauchsvorwürfen gegen ihn geäußert: Diese seien nicht wahr, Medien müssten Ungereimtheiten prüfen.

Von Torben Ostermann, ARD-Studio Washington

Die Schauspielerin Rose McGowan war eine der ersten Frauen, die Harvey Weinstein öffentlich sexuelle Belästigung vorgeworfen hatte - sie wurde damit zu einer prominenten Wortführerin der Me-Too-Bewegung. Mit einem Tweet hat sie sich nun in die brisante Debatte um Joe Biden eingeschaltet: "Ich war mein ganzes Leben eine stolze Anhängerin der Demokratischen Partei. Ich dachte immer, dass die Republikaner die bösen Jungs sind, aber die Demokraten sind es genauso."

Der Tweet geht viral. Denn momentan diskutiert Amerika über die Vorwürfe, die dem Demokraten Joe Biden gemacht werden - einem der bekanntesten Politiker des Landes, Vize-Präsident unter Barack Obama und mutmaßlicher Herausforderer von Donald Trump bei den kommenden US-Wahlen.

Den Stein ins Rollen brachte Tara Reade, die in den früher 1990er-Jahren für den damaligen US-Senator Biden gearbeitet hat. Reade beschuldigt den heute 77-Jährigen, er habe sie 1993 in einem Senatsgebäude an die Wand gedrückt und ihr unter den Rock gegriffen. 

Biden: Vorwürfe sind nicht wahr

Für Biden kommen die Vorwürfe zur Unzeit. Durch die Coronavirus-Pandemie ist der Wahlkampf praktisch zum Erliegen gekommen. Statt durchs Land zu reisen und Themen zu setzen, bleiben Biden nur Video-Auftritte aus seinem Haus in Delaware. Jetzt äußerte er sich erstmals selbst öffentlich zu den Anschuldigungen - und wies sie vehement zurück. "Sie sind nicht wahr. Das ist nie passiert", heißt es in einer schriftlichen Stellungsnahme.

Frauen verdienten es, mit Anstand und Respekt behandelt zu werden, und wenn sie Anschuldigungen äußerten, sollten diese gehört und genau untersucht werden, erklärte er weiter. Biden rief Medien auf, die Ungereimtheiten in den Vorwürfen gegen ihn genau zu prüfen.

Demokratische Partei zurückhaltend

Vorsichtige Unterstützung bekommt Biden derzeit von seiner Partei. Nancy Pelosi, die mächtige demokratische Mehrheitsführerin im US-Kongress, äußerte sich erstmals bei CNN. Biden müsse nun damit umgehen, so Pelosi. Aber sie verfolge sehr genau, was frühere Mitarbeiter Bidens sagen würden, und die hätten von den Vorwürfen noch nie gehört. Pelosi erklärte auch, dass sie Frauen unterstütze, die so etwas erlebt hätten. Sie sei eine große Anhängerin der Me-Too-Bewegung.

Schlacht um die Deutungshoheit

Die Medien in den USA berichten sehr unterschiedlich über die Vorwürfe gegen Biden. Anders als bei CNN spielen die Anschuldigungen bei Fox News eine große Rolle. Kürzlich äußerte sich mit Newt Gingrich ein prominenter Republikaner in einer Talk-Sendung. Gingrich fordert Biden auf, sich öffentlich zu erklären, damit sich die Menschen ihr eigenes Bild machen können.

Deutlich festgelegter erscheinen eindeutige Trump-Unterstützer in den sozialen Netzwerken. In rechten Filterblasen auf Facebook und auf Twitter wird Biden heftig angegangen. Hier tobt eine heftige Schlacht um die Deutungshoheit. Rechte Medien werfen den liberalen Medien Doppelmoral vor. Hatten sie doch bei ähnlich vagen Behauptungen gegen Brett Kavanaugh energischer berichtet. Von Donald Trump nominiert wurde Kavanaugh 2018 zum Richter am Obersten Gerichtshof ernannt. In den Monaten vor seiner Ernennung war er unter anderem der versuchten Vergewaltigung bezichtigt worden.

Wachsender Druck auf Biden wegen Vorwürfen der sexuellen Nötigung
Torben Ostermann, ARD Washington
01.05.2020 13:10 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. Mai 2020 um 15:00 Uhr.

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