Wahlplakat von Bernie Sanders in Iowa  | Bildquelle: AFP

Vorwahlen in den USA starten Das Dilemma der Demokraten

Stand: 03.02.2020 13:17 Uhr

Wer wird Präsident Trump im November herausfordern? Nun beginnen die Vorwahlen. Die Demokraten in Iowa sind die ersten, die abstimmen können. Einen klaren Favoriten gibt es bislang nicht.

Von Julia Kastein, ARD-Studio Washington, z.Zt. Des Moines, Iowa

Cedar Rapids im Osten von Iowa: Wahlkampf-Finale von Senator Bernie Sanders. Der mit 78 Jahren älteste Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur hat angesagte Unterstützung: Die Indie-Rockband Vampire Weekend spielt - und die etwa 3000 überwiegend jungen Leute in der Halle sind begeistert. Vom Gratis-Konzert, aber auch vom Senator aus Vermont.

Auch Elizabeth unterstützt Sanders. Sie will beim sogenannten Caucus für den Senator aus Vermont stimmen, Das hat sie auch schon 2016 getan. Damals scheiterte Sanders noch knapp an Hillary Clinton. Doch inzwischen liegt Sanders, der sich selbst als demokratischer Sozialist beschreibt, in vielen Umfragen vorn. Elizabeth glaubt, dass er diesmal schaffen kann. "Das Land muss sich verändern", sagt sie. "Sanders ist sich treu geblieben und er hat das Zeug, US-Präsident Trump zu schlagen."

Bernie Sanders | Bildquelle: CRAIG LASSIG/EPA-EFE/REX
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Der linksgerichtete Senator Bernie Sanders. Er gilt als einer der Favoriten.

Welcher Kandidat kann es mit Trump aufnehmen?

Trump besiegen, das ist für die allermeisten demokratischen Wähler in Iowa oberstes Gebot. Allerdings sind viele unsicher, welchem Kandidaten sie das zutrauen sollen.

Ryan, ein Lehrer aus der Kleinstadt Cedar Falls, schwankt zwischen Sanders und der Senatorin Elizabeth Warren: "Weil beide ähnliche Ideen vertreten: höhere Steuern für die Reichen und Großunternehmen, Energiewende, weg von fossilen Brennstoffen, eine staatliche Krankenversicherung für alle. Und die Abschaffung von Studiengebühren."

Kelly aus Des Moines hat sich dagegen schon fest für Warren entschieden: Sie sei fortschrittlich - und eine Frau: "Warren vertritt alle progressiven Dinge, an die ich glaube. Außerdem habe ich zwei Töchter, eine weibliche Präsidentschaftskandidatin sehr wichtig für mich."

US-Senatorin Elizabeth Warren | Bildquelle: MATT MARTON/EPA-EFE/REX
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US-Senatorin Elizabeth Warren. Wird sie die zweite weibliche Kandidatin der Demokraten?

Viele wollen Elizabeth Warren hören

Die Sozialarbeiterin ist mit 600 weiteren Menschen in die Uni-Stadt Indianola gekommen, um die stets energiegeladene Senatorin persönlich zu erleben. Der Hörsaal am Simpson College ist schon eine Stunde vor Beginn brechend voll. Doch Warren, die zuletzt in Umfragen an Zustimmung verloren hatte, will so kurz vor dem Caucus keine Wähler enttäuschen und improvisiert noch eine zweite Rede vor den Draußengebliebenen. "Wir wollen den Einfluss von Geld auf die Politik zurückdrängen. Wir wollen unsere Demokratie und unser Land retten und das bedeutet große strukturelle Veränderungen", verspricht die Senatorin.

Aber genau davor haben Wähler wie Minou Angst. Sie wolle einfach nur einen Kandidaten, der sicher gewinnen kann, sagt die Controllerin. Deshalb scheidet für sie auch Ex-Bürgermeister Pete Buttigieg aus. Auch der 38-Jährige ist in den Umfragen unter den Top 4. Aber für Minou ist er zu jung. Und außerdem sei das Land nicht bereit für einen homosexuellen Präsidenten.

Joe Biden | Bildquelle: AFP
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Joe Biden galt lange als Favorit. Nach schwachen Debatten-Auftritten ist sein Stern jedoch gesunken.

Biden schwächelt

Minou steht in einer langen Schlange vor der Turnhalle in Des Moines. Hier wird gleich Ex-Vize-Präsident Joe Biden auftreten. Lange galt der freundliche 77-Jährige, der sich als Brückenbauer versteht, als klarer Favorit unter den zwölf demokratischen Bewerbern. Nach vielen schwachen Debatten-Auftritten ist sein Stern jedoch gesunken.

Auch beim letzten Auftritt vor dem Caucus wirkt Biden unkonzentriert, bringt viele Sätze nicht zu Ende. Doch er erinnert die Wähler mit Nachdruck an ihre Verantwortung: sie müssten klug entscheiden. "Oberstes Ziel ist, vier weitere Jahre Trump verhindern." Und dafür, so Biden, brauche er heute die Hilfe der Wähler in Iowa.

 

Wer kann Trump schlagen? - Vorwahl in Iowa
Julia Kastein, ARD Washington
03.02.2020 06:27 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 03. Februar 2020 um 06:30 Uhr.

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