Unterstützer des 3G-Zertifikats jubeln nach Bekanntgabe der ersten Hochrechnung bei der Volksabstimmung in der Schweiz.  | dpa

Schweizer stimmen für Corona-Gesetz "Eine Mehrheit für die Vernunft"

Stand: 28.11.2021 20:20 Uhr

Inmitten einer neuen Infektionswelle hat sich eine deutliche Mehrheit der Schweizer bei der Volksabstimmung hinter das Covid-Gesetz der Regierung gestellt. Doch die Gegner kündigten weiteren Widerstand an.

Von Kathrin Hondl, ARD-Studio Genf

Die Schweizerinnen und Schweizer haben "ja" gesagt: Deutlicher noch als die Umfragen erwarten ließen, gab eine klare Mehrheit ihre Zustimmung zum geltenden Covid-19-Gesetz. Ein Sieg der Vernunft, meint sichtlich erleichtert Peter Metzinger, der Leiter des zivilgesellschaftlichen "Ja-Komitees".

Kathrin Hondl ARD-Studio Genf

"Wir waren uns eigentlich immer sicher, dass in der Schweiz eine Mehrheit für die Vernunft ist und für Wissenschaftsorientierung und Fakten. Natürlich hätte es auch anders kommen können und wir haben bis zum letzten Moment deswegen auch alles gegeben. Aber es zeigt sich halt doch, dass in der Schweiz die Vernunft regiert", so Metzinger im Schweizer Fernsehen SRF. 

Gegner wollen weiter kämpfen

62 Prozent haben für das Covid-Gesetz gestimmt - die Grundlage unter anderem für das heftig umstrittene 3G-Zertifikat - den "geimpft, genesen, getestet"-Nachweis, der in der Schweiz unter anderem in Restaurants und bei Veranstaltungen vorgezeigt werden muss. 

Gegen das Zertifikat hatte es in den vergangenen Wochen lautstarke und teilweise auch gewaltsame Proteste von Maßnahmen- und Impfgegnern gegeben. Unterstützt von der rechten Schweizer Volkspartei SVP und einflussreichen Geldgebern, dominierte das "Nein-Komitee" nicht nur die Debatten, sondern auch mit auffallend vielen Plakaten den öffentlichen Raum vor der Volksabstimmung.

Nun gilt es, die Niederlage zu akzeptieren. "Wohl oder übel" müsse man das wohl, so Josef Ender, der Sprecher des "Nein-Komitees" und Mitgründer eines sogenannten "Aktionsbündnisses Urkantone" gegen die Corona-Maßnahmen der Regierung. Man werde aber weiter gegen das Gesetz kämpfen.

Schweizer Impfquote vergleichsweise niedrig

Das kündigte auch die Parlamentarierin Martina Bircher an. Ihre Partei, die SVP, hatte als einzige große Schweizer Partei bei der Volksabstimmung zur Ablehnung des Covid-Gesetzes aufgerufen. "Wir von der SVP, wir werden ganz klar versuchen, dem Bundesrat eine rote Linie aufzuzeigen, bis wohin er das Zertifikat nutzen darf", so Bircher. Es solle keine Ausweitung auf die 2G-Regelung geben.

Ähnlich wie in Deutschland ist in den vergangenen Wochen auch in der Schweiz die Zahl der Corona-Neuinfektionen drastisch gestiegen. Die Impfquote im Land ist mit rund 65 Prozent vergleichsweise niedrig. Trotz dringender Empfehlungen aus der Wissenschaft hat die Schweizer Regierung bislang auf eine landesweite Verschärfung der Pandemie-Maßnahmen verzichtet. Möglicherweise ändert sich das nun - nach dem klaren Votum des Schweizer Stimmvolks.   

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. November 2021 um 20:00 Uhr.