Vertrocknete Büsche und Bäume in der Umgebung von Vittel (ARD-Sendungsbild)

Streit um Grundwasser Nestlé gräbt Vittel das Wasser ab

Stand: 27.08.2018 12:44 Uhr

Der französische Ort Vittel ist berühmt für seine Mineralwasserquelle, und doch haben die Bewohner mit Wasserknappheit zu kämpfen. Sie werfen dem Nestlé-Konzern vor, die Quelle auszubeuten.

Von Sabine Rau, WDR

Benoit Gille fährt jeden Morgen mit seinem Tankauto ins Nachbardorf, um Wasser für seine Schafe aus dem öffentlichen Brunnen zu holen. Seine 750 Shropshire-Schafe tummeln sich auf mehreren Weiden rund um den alten Kurort Vittel. "Wasser", sagt er, sei schon vorhanden, denn das Weideland liege "direkt auf der Quelle von Vittel".

Aber seine beiden Brunnen seien geschlossen worden, von Nestlé, wie er beteuert. Also macht er die aufwändige Tour drei- bis vier Mal täglich, um seine Tiere zu versorgen.

Kritik an Nestlé: Dem Ort Vittel wird das Wasser abgegraben
tagesthemen 22:45 Uhr, 26.08.2018, Sabine Rau, ARD Paris

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Grundwasserspiegel dramatisch gesunken

Zwar bestreitet der Schweizer Lebensmittelriese Nestlé, für die Schließung der Brunnen verantwortlich zu sein. Unbestritten ist aber: Der Grundwasserspiegel in der Region ist dramatisch gesunken, das belegen Gutachten. Denn vor allem Nestlé pumpt seit Jahren Tausende Kubikmeter Wasser für seine Mineralwasser-Produktion aus dem Boden, aktuell 750.000 Kubikmeter im Jahr. Derzeit gibt es ein Defizit von 1 Million Kubikmeter.

In Vittel formiert sich Unmut gegen den mächtigen Schweizer Lebensmittel-Multi. Seit den 1990er Jahren ist Nestlé Eigentümer der Weltmarke "Vittel" und macht damit Millionenumsätze, über 260 Millionen Euro, laut Geschäftsbericht, allein am Standort Vittel.

"Der Konzern beutet die Ressource Wasser aus"

"Nestlé nimmt keine Rücksicht", sagt Jean-Francois Fleck. Er ist Präsident des Umweltverbandes, VNE. "Der Konzern schützt die Ressource Wasser nicht, sondern er beutet sie aus."

Der Geologe und Wasserexperte von Nestlé, Cédric Egger, streitet die Faktenlage und die Verantwortung seines Konzerns gar nicht ab, sondern räumt ein: "Wir sind die Haupt- Wasserentnehmer, das ist wahr, dafür tragen wir die Verantwortung." Aber man arbeite an einer Lösung "unter Berücksichtigung aller Beteiligten und deren Interessen."

Die geplante Lösung: Eine kilometerlange Pipeline soll gebaut werden, um die Bewohner der Stadt Vittel mit Wasser aus dem Nachbarort zu versorgen. Geschätzte Kosten: 20 Millionen Euro.

"Wasser ist ein Allgemeingut"

Das sei absurd, sagt Odile Agrafeil. Die resolute Juristin empört sich, dass der Steuerzahler dafür aufkommen soll. Agrafeil ist Berichterstatterin der staatlichen Umweltorganisation CEDER und hat ein Gutachten über die Wasserprobleme in Vittel erstellt. Ihr Fazit: "Wasser ist ein Allgemeingut", sagt sie, die Bevölkerung habe "ein Recht auf Wasser in ausreichender Menge und guter Qualität".

Der Bürgermeister von Vittel, Frank Perry, windet sich. Angesprochen auf die Aktivitäten von Nestlé sagt er: "Wir können nicht einfach sagen: Halt! Wir stoppen die Wasserentnahme." Schließlich gehe es auch um Arbeitsplätze. "Man muss das richtige Gleichgewicht zwischen der Wirtschaft und dem Umwelt- und Wasserschutz finden“, sagt der Bürgermeister.

Wasser ist der zentrale Wirtschaftsfaktor der Stadt und Nestlé ist der größte Arbeitgeber und Steuerzahler. Das spielt keine unerhebliche Rolle im Streit um das Wasser von Vittel.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 26. August 2018 um 24:45 Uhr.

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