Der Name "Viking Sky" ist auf dem Bug des Kreuzfahrtschiffes zu lesen. | Bildquelle: AP

"Viking Sky" Havarie soll untersucht werden

Stand: 25.03.2019 18:26 Uhr

Wie konnte es dazu kommen, dass die erst zwei Jahre alte "Viking Sky" vor der norwegischen Küste antriebslos den Wellen ausgeliefert war? Das soll eine umfassende Untersuchung klären.

Von Carsten Schmiester, ARD-Studio Stockholm

"Reine Routine", sagt die norwegische Polizei und kündigt eine offizielle Untersuchung der Beinahe-Katastrophe auf der "Viking Sky" vor der stürmischen Westküste an. Begründung: Es habe schließlich erhebliche Gefahr für viele Menschen bestanden. Da müsse geprüft werden, ob sich jemand strafbar gemacht habe. Einen konkreten Verdacht gebe es allerdings nicht. Auch nicht gegen den Kapitän, dem zwei Lotsen grünes Licht für die Passage des berüchtigten Seegebietes Hustadvika gegeben hatten.

Havarieverlauf soll genau rekonstruiert werden

Die Polizei untersucht den noch rätselhaften Ausfall wohl aller vier Maschinen an Bord des erst zwei Jahre alten Schiffes nicht alleine. Neben dem deutschen Hersteller der Motoren kommen auch Fachleute der norwegischen Havariekommission an Bord. Einer von ihnen ist Dag Lisbeth, er äußerte sich im norwegischen Radiosender NRK: "Wir wollen genau wissen, was wie und warum passiert ist", sagte er. "Dazu werden wir die Crew befragen, uns die Maschinen ansehen und Daten sammeln, um damit den Havarieverlauf zu rekonstruieren."

Das wird dauern. Schnelle Ergebnisse sind eher nicht zu erwarten. Also spekuliert die norwegische Presse: Da ist von im Wellengang losgebrochenen Verunreinigungen in den Kraftstofffiltern und -leitungen die Rede. Oder - und daran glaubt im Moment wohl die Mehrheit der Fachleute - von Luft im Seewasserkühlsystem der vier schweren Generatoren, die den Strom für die Antriebe produzieren und eigentlich katastrophensicher in zwei unabhängig voneinander arbeitenden Maschinenräumen stehen.

Kreuzfahrtschiff "Viking Sky" in Molde | Bildquelle: picture alliance / NTB scanpix
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Am Sonntag erreichte die "Viking Sky" den Hafen der Kleinstadt Molde.

Glück im Unglück

Eigentlich hätte das Fast-Unglück also gar nicht passieren dürfen, aber ebenso hätte das Schiff mit etwas weniger Glück auf einen Unterwasserfelsen dieses tückischen Küstenabschnittes auflaufen und leckschlagen können. Zum Glück ist das nicht passiert, zum Glück haben sich nur wenige - laut Polizei 28 Menschen - verletzt, die meisten leicht.

Und zum Glück ist das Schiff nicht weiter im Norden Norwegens havariert. Denn da gibt es keine so gute Rettungsinfrastruktur, keine Helikopter, die so schnell hätten zur Stelle sein können, um Passagiere von Bord zu holen.

Lob für die Retter

Die Piloten und alle anderen Retter und Helfer bekommen großes Lob von den Menschen, denen sie geholfen haben. Professionell sei alles abgelaufen, heißt es, diszipliniert und ruhig.

Karin Segtnan hat einen der Helikopter geflogen - ganz routiniert, auch unter den erschwerten Bedingungen am Wochenende. "Die Dunkelheit war eine extra Herausforderung", sagt sie, "deshalb mussten wir besonders konzentriert arbeiten und immer zusätzlichen Spielraum einkalkulieren. Aber die Bergung verlief gut."

Diese Rettung dürfte den Passagieren aber auch heute noch in den Knochen sitzen. Erst ein gutes Drittel der an Bord gebliebenen Reisenden, meist Briten und Amerikaner, ist schon auf dem vorzeitigen Heimweg. Der Rest wartet noch in Norwegen auf den nächsten Flug nach Hause.

Havarie der Viking Sky wird untersucht
Casten Schmiester, ARD Stockholm
25.03.2019 17:49 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 25. März 2019 um 17:50 Uhr.

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