Der in sein Heimatland verschleppte vietnamesische Geschäftsmann Trinh Xuan Thanh im vietnamesischen Fernsehen. Ihm droht dort die Todesstrafe. | Bildquelle: REUTERS

Trinh Xuan Thanh Neue Spur im Fall des entführten Vietnamesen?

Stand: 03.01.2018 01:12 Uhr

In Singapur ist ein vietnamesischer Offizier festgenommen worden, der behauptet, die Entführung des Vietnamesen Trinh Xuan Thanh in Berlin organisiert zu haben. Er will Deutschland Informationen liefern - und hofft auf Asyl.

Die Affäre um den mutmaßlich vom vietnamesischen Geheimdienst aus Berlin entführten Vietnamesen Trinh Xuan Thanh weitet sich aus. Nach der Festnahme eines flüchtigen vietnamesischen Geheimdienstoffiziers in Singapur hat dessen deutscher Anwalt die Aufnahme seines Mandanten in Deutschland beantragt. Dieser könne den deutschen Behörden "wertvolle Informationen über die Entführung" von Trinh "und darüber hinaus geben", hieß es in einem Schreiben des Anwaltsbüros in Frankfurt am Main an die deutsche Botschaft in Singapur, das der Nachrichtenagentur AFP vorlag.

Trinh Xuan Thanh | Bildquelle: dpa
galerie

Trinh - hier ein Archivbild - war im Juli verschleppt worden.

Dem in Singapur festgenommenen und in Vietnam wegen des Verrats von Staatsgeheimnissen gesuchten Phan Van Anh Vu droht dem Anwalt zufolge im Fall seiner Abschiebung in sein Heimatland die Todesstrafe. Phan hat dem Schreiben zufolge als Oberstleutnant der vietnamesischen Geheimpolizei in der Abteilung 5 im Polizeiministerium gearbeitet, die für die Entführung von Trinh zuständig gewesen sei.

In dem Schreiben wurde die Erwartung geäußert, dass Bundesinnenminister Thomas de Maizière die Aufnahme Phans "zur Wahrung politischer Interessen der Bundesrepublik Deutschland erklären" werde. Dies solle nach Paragraf 22 des Aufenthaltsgesetzes Satz 2 erfolgen, hieß es in dem Schreiben an die deutsche Botschaft in Singapur weiter.

Keine Stellungnahme von deutscher Seite

Zu dem Fall sollte dem Schreiben zufolge am Dienstag ein Gespräch eines Kontaktmanns des Anwalts mit Beamten des Landeskriminalamts (LKA) Berlin stattfinden. Das LKA wollte das Gespräch auf Anfrage weder bestätigen noch dementieren. Auch das Bundesinnenministerium und das Auswärtige Amt in Berlin lehnten eine Stellungnahme ab.

Nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler war Trinh am 23. Juli 2017 in Berlin auf offener Straße verschleppt und nach Vietnam gebracht worden. Die vietnamesische Botschaft in Berlin soll dabei direkt verwickelt gewesen sein. Das Auswärtige Amt spricht von "Menschenraub" und "Entführung". Der Fall löste eine Krise im diplomatischen Verhältnis beider Länder aus. Die vietnamesische Regierung versichert, Trinh sei freiwillig in seine Heimat zurückgekehrt, um sich zu stellen.

Der Prozess gegen Trinh soll am kommenden Montag in Hanoi beginnen. Dem ehemaligen Funktionär der Kommunistischen Partei Vietnams und früheren Chef des staatlichen Unternehmens PetroVietnam Construction für Erdölförderanlagen wird außer Missmanagement vorgeworfen, einen Betrag in Millionenhöhe unterschlagen und sich anschließend ins Ausland abgesetzt zu haben.

Zahlreiche Ex-Funktionäre inhaftiert

Die vietnamesischen Behörden haben im vergangenen Jahr im Zuge einer Anti-Korruptionskampagne zahlreiche ehemalige Funktionäre, Beamte und Bankkaufleute festgenommen oder inhaftiert. Kritiker sehen darin den Versuch der neuen Regierung, gegen unliebsame Politiker der vorherigen Führung vorzugehen.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 06. Dezember 2017 um 22:15 Uhr.

Darstellung: