Der mutmaßlich in sein Heimatland verschleppte vietnamesische Geschäftsmann Trinh Xuan Thanh aufgenommen im Oktober 2016 in Berlin. | Bildquelle: REUTERS

Entführter Vietnamese Diplomatischer Streit spitzt sich zu

Stand: 05.01.2018 14:30 Uhr

Die mutmaßliche Entführung eines Managers von Berlin nach Vietnam belastet bereits seit Monaten die Beziehungen beider Länder. Nun spitzt sich die Lage zu: Deutschland will den Prozess gegen den Mann beobachten lassen. Hanoi verweigerte die Einreise der deutschen Anwältin.

Die Bundesregierung will den Prozess gegen einen mutmaßlich aus Deutschland nach Vietnam entführten Geschäftsmann durch die deutsche Botschaft in Hanoi beobachten lassen. Deshalb wurde der vietnamesische Botschafter in Berlin zu einem Gespräch ins Auswärtige Amt geladen. Vietnam hingegen sperrt internationale Medien von dem Prozess aus. Der deutschen Anwältin des Managers wurde die Einreise verweigert.

Trinh Xuan Thanh | Bildquelle: dpa
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Trinh Xuan Thanh war früher ein Funktionär der Kommunistischen Partei. Er hatte in Deutschland um Asyl gebeten.

Die Juristin sei in der Nacht auf Freitag daran gehindert worden, in das Land einzureisen und deshalb wieder nach Deutschland zurückgeflogen, teilte ihre Kanzlei mit. Trinh Xuan Thanh, der frühere Vorstandschef des staatlichen Baukonzerns PVC, steht ab Montag in Vietnam wegen Korruption vor Gericht. Dem 51-Jährigen droht die Todesstrafe. Er hatte in Deutschland um Asyl gebeten.

Vietnam lehnt ausländische Medien ab

Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts sagte, man habe dem vietnamesischen Botschafter die nachdrückliche Bitte vorgetragen, einen Beobachter in das Verfahren schicken zu können. Bei Prozessen, die als heikel gelten und insbesondere im Ausland Aufsehen erregen, ist es in dem kommunistisch regierten Land üblich, ausländische Medien oder Prozessbeobachter auszusperren. Ein entsprechendes Verbot hat das vietnamesische Außenministerium bereits angekündigt.

Manager weist Vorwürfe zurück

Thanh muss sich zusammen mit 21 weiteren Angeklagten wegen Veruntreuung, Missmanagement sowie der Annahme von Schmiergeldern juristisch verantworten. Die Behörden beschuldigen ihn zudem, die juristischen Ermittlungen behindert haben, weil er sich 2016 ins Ausland abgesetzt habe. Über seinen Vater ließ Thanh alle Korruptionsvorwürfe zurückweisen.

Der Geschäftsmann und frühere Funktionär der Kommunistischen Partei war Ende Juli 2017 in Berlin mutmaßlich vom vietnamesischen Geheimdienst entführt und in seine Heimat verschleppt worden. Während die Regierung in Hanoi behauptete, Thanh sei freiwillig zurückgekehrt, sprach das Auswärtige Amt in Berlin von "Menschenraub" und "Rechtsbruch".

Der in sein Heimatland verschleppte vietnamesische Geschäftsmann Trinh Xuan Thanh im vietnamesischen Fernsehen. Ihm droht dort die Todesstrafe. | Bildquelle: REUTERS
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Der in sein Heimatland verschleppte vietnamesische Geschäftsmann Trinh Xuan Thanh wurde im Staatsfernsehen vorgeführt. Ihm droht dort die Todesstrafe.

Bereits zwei Diplomaten ausgewiesen

Der Fall hatte bereits für ein diplomatisches Zerwürfnis gesorgt. In dem Zusammenhang wurden zwei Diplomaten der vietnamesischen Botschaft ausgewiesen.

Die Führung des Ein-Parteien-Staates geht seit längerem verschärft gegen die Korruption im Land vor. Kritiker vermuten dahinter allerdings politische Motive. Der Chef der Kommunistischen Partei, Nguyen Phu Trong, wolle so parteiinterne Rivalen und deren Netzwerk kaltstellen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. Januar 2018 um 10:00 Uhr in den Nachrichten.

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