In Gewahrsam genommener Göttinger

Vater des inhaftierten Göttingers "Wir sind keine Aktivisten"

Stand: 11.01.2019 08:01 Uhr

Ein junger Deutsch-Ägypter aus Göttingen sitzt in Ägypten in Haft. Wo genau, ist nach wie vor unbekannt. Sein Vater sprach mit dem ARD-Studio Kairo über die ihm bislang bekannten Informationen und die Sorge um seinen Sohn.

Von Jürgen Stryjak, ARD-Studio Kairo

Am 27. Dezember landet die Maschine MS 678 der ägyptischen Fluggesellschaft Egypt Air in Kairo. An Bord befinden sich Mahmoud Abdel Aziz und sein Bruder. Mahmoud stammt aus Göttingen, beide wollen ihren ägyptischen Großvater besuchen. Der Bruder darf einreisen, aber Mahmoud wird von den Beamten aufgehalten.

Tagelang gilt er als verschwunden - bis der Vater Amr Abdel Aziz von der Deutschen Botschaft in Kairo erfährt, dass sein Sohn festgenommen wurde. Wo und aus welchem Grund - dazu habe er keine Angaben erhalten, berichtet er. "Nur, dass er verhaftet wurde. Für uns ist das ein Lebenszeichen, und es hat uns erstmal beruhigt."

Eine Vielzahl von Menschen befindet sich vor dem Flughafeneingang in Kairo. | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Am Flughafen Kairo wurde der 23-Jährige aus Göttingen festgenommen.

Verzicht auf Staatsbürgerschaft?

Nach dem, was der Vater erfuhr, hält er es für möglich, dass die Behörden ihn "unter der Voraussetzung, dass er auf die ägyptische Staatsbürgerschaft verzichtet", nach Deutschland abschieben wollen. Das ist bislang eine Vermutung, vielleicht auch eine Hoffnung, denn dann wäre die Ungewissheit vorbei.

Auf ägyptischen Polizeistationen wird gefoltert. Immer wieder verschwinden Menschen. Manchmal tauchen sie später in Gefängnissen auf - oder als Leichnam, auch Ausländer. Vor drei Jahren verschwand in Kairo der Italiener Giulio Regeni. Er wurde zu Tode gefoltert, seine Leiche entdeckte man neun Tage nach seinem Verschwinden in einem Straßengraben.

Keine Informationen über die Gründe

Ein Grund für die Verhaftung von Mahmoud wurde dem Vater bislang nicht genannt. Auf die Frage, ob er eine Vermutung hat, antwortet er: "Keine Ahnung. Meine Familie hat mit Politik und mit Opposition nichts zu tun. Mein Papa ist ein General der ägyptischen Armee gewesen. Wir sind keine Aktivisten."

Vielleicht habe der Bart seines Sohnes die ägyptischen Einreisebeamten misstrauisch gemacht, spekuliert er. Ein Islamist, mögen sie gedacht haben, noch dazu einer, der aus Saudi-Arabien kommend in Kairo landet, denn dort studiert der 23-Jährige Islamwissenschaften.

Schon 2014 gab es Probleme mit den Behörden

Vor Jahren hatte der junge Mann aus Göttingen schon einmal Probleme in Ägypten: 2014 belegte er einen Kurs an der Kairoer Al-Azhar-Universität, um sein Arabisch zu verbessern. Er besitzt die deutsche, aber auch die ägyptische Staatsbürgerschaft.

Als er wieder ausreisen wollte, verlangten die Beamten einen Beleg dafür, dass er vom Wehrdienst befreit ist. Monatelang kümmerte er sich um dieses Papier. Da Mahmoud eine deutsche Mutter hat und in Deutschland geboren wurde, darf er in Ägypten eigentlich gar nicht eingezogen werden. Am Ende ließ man ihn ausreisen. 

Wo hält man ihn fest?

Mahmouds Vater lebt seit 32 Jahren in Deutschland, er hat die deutsche Staatsbürgerschaft und betreibt in Göttingen ein Taxi-Unternehmen. Inzwischen ist er nach Kairo geflogen, um seinem Sohn zu helfen. Aber bislang weiß er nicht mal, wo man ihn festhält und ob es ihm gut geht.

"Warum und weshalb und mit welcher Begründung darf man ihn nicht besuchen und sehen?", fragt er. "Wenn es ihm gut ginge und wenn er in einem normalen Zustand wäre, was verhindert das?"

18-Jähriger aus Gießen ebenfalls inhaftiert

Ein zweiter in Ägypten verschwundener Deutsch-Ägypter ist dem Auswärtigen Amt zufolge ebenfalls in Gewahrsam der Sicherheitsbehörden. Der 18-jährige Issa al-Sabbagh stammt aus Gießen und wollte seinen Großvater besuchen. Mitte Dezember landete er in Luxor, konnte aber offenbar nicht nach Kairo weiterfliegen. Warum man ihn festnahm, wurde bislang nicht mitgeteilt.

Zwei Deutsch-Ägypter in Ägypten inhaftiert
Jürgen Stryjak, ARD Kairo
11.01.2019 07:41 Uhr

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Über dieses Thema berichtete der HR am 10. Januar 2019 um 19:30 Uhr in der "Hessenschau".

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