Ein Handy dient während des Stromausfalls in Caracas als Lichtquelle | Bildquelle: REUTERS

Massiver Stromausfall Venezuela wieder im Dunkeln

Stand: 23.07.2019 07:21 Uhr

Kein Strom in Venezuela: Erneut hat ein massiver Blackout für Probleme in dem südamerikanischen Krisenland gesorgt. Erneut spricht die Regierung von einem Angriff - die Opposition widerspricht.

In weiten Teilen Venezuelas ist erneut der Strom ausgefallen. Laut Regierung ist ein "elektromagnetischer Angriff" auf Staudämme im Süden des südamerikanischen Landes der Grund für den erneuten Zwischenfall. Bereits im März hatte der umstrittene Präsident Nicolas Maduro während eines mehr als 100 Stunden langen Stromausfalls in Teilen des Landes von Sabotage gegen ein Kraftwerk gesprochen.

Weite Teile des Landes betroffen

Laut Berichten in sozialen Medien sind 19 der 24 Provinzen betroffen. Netblocks, eine Nichtregierungsorganisation, die Internetaktivität und Zensur beobachtet, teilte mit, die meisten Teile Venezuelas seien betroffen, nur sechs Prozent hätten Strom.

Das Telekommunikationsnetz sei zu 94 Prozent zusammengebrochen. Venezuelas staatliche Eisenbahngesellschaft teilte mit, der kommerzielle Zugverkehr sei eingestellt worden. Auch die U-Bahn in Caracas war nach Angaben des staatlichen Fernsehsenders VTV betroffen. In den sozialen Netzwerken berichteten Nutzer am späten Abend aus mehreren Teilen des Landes, darunter die Hauptstadt Caracas, dass die Lichter wieder angegangen seien.

Regierung lobt sich selbst

Notfallpläne seien in Kraft, sodass medizinische Einrichtungen nicht betroffen seien, sagte Kommunikationsminister Jorge Rodríguez. Sicherheitskräfte würden ausgesendet, um für den Schutz der Menschen zu sorgen. Glücklicherweise habe die Regierung nach den früheren "Aggressionen" Sicherheitsprotokolle beschlossen, die eine schnellstmögliche Wiederherstellung der Stromversorgung erlaubten. Rodríguez sagte:

"Diejenigen, die die edlen Menschen in Venezuela systematisch angegriffen haben, werden erneut mit der Standhaftigkeit und dem Mut konfrontiert, die wir, die Kinder des Befreiers Simón Bolívar, angesichts von Schwierigkeiten demonstriert haben."

Krise seit Anfang des Jahres

Die Opposition macht verschleppte Investitionen, Korruption und Missmanagement der Regierung für den erneuten Zwischenfall verantwortlich. "Sie haben die Tragödie mit Rationierung im ganzen Land zu verheimlichen versucht, aber das Versagen ist offensichtlich: Sie haben das Stromnetz zerstört und haben keine Antworten", twitterte der selbsternannte Übergangspräsident Juan Guaidó. "Wir Venezolaner werden uns nicht an diese Katastrophe gewöhnen."

Seit Anfang des Jahres liefert sich Staatschef Maduro einen erbitterten Machtkampf mit Guaidó. Zahlreiche Oppositionelle sitzen in Haft. Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet, warf den Sicherheitskräften vor wenigen Wochen schwere Menschenrechtsverletzungen vor.

Außerdem leidet das einst reiche Land unter einer schweren Versorgungskrise. Aufgrund von Devisenmangel können kaum noch Lebensmittel, Medikamente und Dinge des täglichen Bedarfs eingeführt werden. Millionen Venezolaner sind bereits ins Ausland geflohen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. Juli 2019 um 06:00 Uhr.

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