Der venezolanische Präsident, Nicolás Maduro. | REUTERS

Behauptungen der USA Wollte Maduro Venezuela verlassen?

Stand: 01.05.2019 04:35 Uhr

In einem Fernsehinterview behauptet US-Außenminister Pompeo, sein Land habe konkrete Hinweise darauf gehabt, dass sich Venezuelas Staatschef nach Kuba habe absetzen wollen. Doch Russland habe interveniert.

Die US-Regierung will über Informationen verfügen, wonach der venezolanische Staatschef Nicolás Maduro zur Ausreise bereit gewesen sein soll. Russland habe ihn aber überzeugt zu bleiben, sagte US-Außenminister Mike Pompeo dem Sender CNN.

"Es ist lange her, dass jemand Maduro gesehen hat. Er hatte ein Flugzeug auf dem Rollfeld. So wie wir es verstehen, war er bereit, heute Morgen zu gehen. Die Russen haben ihm aber zu verstehen gegeben, dass er bleiben sollte", erklärte Pompeo. Im Anschluss an das Interview mit Pompeo trat Maduro im venezolanischen Staatsfernsehen auf.

Russland ist Maduros mächtiger Verbündeter

In Venezuela hatte der selbst ernannte Interimspräsident Juan Guaidó einige Soldaten auf seine Seite gezogen und den Rest der Streitkräfte dazu aufgerufen, sich ihm anzuschließen. Die USA halten die Opposition seit langer Zeit für die legitime Kraft in Venezuela und versuchen, Kräfte im mächtigen Militär zur Abkehr von Präsident Maduro zu bewegen.

Auch viele EU-Staaten und lateinamerikanische Länder haben Guaidó als rechtmäßigen Übergangsstaatschef anerkannt - dagegen halten Russland, China, die Türkei sowie die linken Regierungen in Kuba, Nicaragua und Bolivien weiterhin Maduro die Treue. Außenminister Pompeo sagte in dem CNN-Interview, ranghohe Vertreter der venezolanischen Regierung hätten den USA in den vergangenen Wochen gesagt, dass sie sich im Falle eines Aufstandes von Maduro abwenden würden. Das ist bislang nicht passiert.

Auf die wiederholte Nachfrage, ob die US-Regierung Maduros Sicherheit gewährleisten würde, falls er nach Kuba fliehen würde, antwortete Pompeo nicht direkt. Er sagte lediglich, dass der venezolanische Präsident die Erwartungen der USA kenne.

Maas: "Unterstützung in keiner Weise geändert"

Auch Bundesaußenminister Heiko Maas bekräftigte bei seinem Besuch in Brasilien, dass Deutschland weiter auf den selbst ernannten Interimspräsidenten setze. "Unsere Unterstützung für Juan Guaidó hat sich in keiner Weise geändert", sagte er. Er hoffe, dass die Lage friedlich bleibe.

Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro schrieb auf Twitter, dass sein Land sich mit dem venezolanischen Volk solidarisiere, das von "einem Diktator versklavt" werde. Man unterstütze die Freiheit der venezolanischen Nation.

Russland gegen Eingreifen von außen

Maduros Verbündete hingegen stärken dem amtierenden Präsidenten den Rücken. "Wir verurteilen diese putschistische Bewegung, die darauf abzielt, das Land mit Gewalt zu überziehen", schrieb Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel auf Twitter. Auch Boliviens Staatschef Evo Morales erklärte: "Wir verurteilen diesen versuchten Staatsstreich in Venezuela aufs Schärfste." Er warf den USA vor, in Venezuela Gewalt zu schüren.

Russland warnte angesichts der brenzligen Lage vor einem Eingreifen von außen. Es gebe Kräfte, die nur einen Vorwand für ein gewaltsames Einschreiten suchten, schrieb der Chef des Auswärtigen Ausschusses im russischen Föderationsrat, Konstantin Kossatschow, auf Facebook. Er nannte die USA nicht namentlich, forderte allerdings, den Machtkonflikt durch einen innenpolitischen Dialog und auf Grundlage der Mechanismen der Vereinten Nationen zu lösen.

Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte, dass Präsident Wladimir Putin mit dem russischen Sicherheitsrat die Situation nach dem Putschversuch in Venezuela erörtert habe. Details nannte er nicht.

Guterres fordert "maximale Zurückhaltung"

UN-Generalsekretär António Guterres rief die Konfliktparteien zu maximaler Zurückhaltung auf. Guterres verfolge die Ereignisse genau, erklärte sein Sprecher. Er fordere alle dazu auf, jede Form von Gewalt zu vermeiden und die Lage so schnell wie möglich wieder zu beruhigen.

Der UN-Chef werde in dem Konflikt nicht Partei für eine der beiden Gruppen beziehen, sagte der Sprecher. Die Vereinten Nationen versuchten, zu beiden Seiten Kontakt aufzunehmen.

Sollten alle Beteiligten das wünschen, biete sich Guterres als Vermittler an. Das Wichtigste sei jetzt der Schutz der Bevölkerung. Zudem erlebe das Land eine sehr schwerwiegende humanitäre Krise.

Mit Informationen von Kai Clement, ARD-Studio New York

Über dieses Thema berichtete das Nachtmagazin am 30. April 2019 um 00:15 Uhr.