Venezuelas Staatschef Maduro präsentiert die neuen Banknoten | Bildquelle: REUTERS

Kampf gegen Inflation Maduro streicht fünf Nullen aus dem Bolívar

Stand: 26.07.2018 10:44 Uhr

Eine Million Prozent soll die Inflationsrate in Venezuela in diesem Jahr erreichen. Die sozialistische Regierung setzt auf ein simples Gegenmittel: Sie druckt wieder einmal neue Geldscheine.

Venezuelas Präsident Nicolás Maduro hat neue Banknoten für sein krisengeplagtes Land angekündigt. Die Geldscheine haben fünf Nullen weniger und sollen ab dem 20. August ausgegeben werden, sagte er. Zusätzlich soll der Bolívar künftig an die neue Kryptowährung Petro gekoppelt sein.

Die neuen Papiernoten sollen Werte von zwei bis 500 haben - und entsprechen einer Kaufkraft von aktuell 200.000 bis 50 Millionen Bolivar. Derzeit lässt sich kaum noch Papiergeld in Venezuela bekommen. Die größte Note ist derzeit der 100.000-Bolivar-Schein, umgerechnet entspricht er fast 30 Cent - und auf dem Schwarzmarkt sogar weniger als einem Cent. Derzeit kostet ein US-Dollar etwa 3,5 Millionen Bolívar.

In Maracaibo haben Menschen Bolivar-Scheine in einen Baum gehängt. | Bildquelle: REUTERS
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In Maracaibo haben Menschen Bolivar-Scheine in einen Baum gehängt.

Schwere Krise trotz Ölreichtums

Die Streichung der fünf Nullen werde "die Finanzgeschäfte erleichtern und den Bolivar schützen", sagte Maduro. Er räumte ein, dass das auf die Ölindustrie ausgerichtete Wirtschaftsmodell ausgedient habe. Das Land müsse vielmehr seine Wirtschaft auf eine breitere Basis stellen und wieder mehr Produkte selbst produzieren.

Das ölreichste Land der Welt steckt seit Jahren in einer schweren Wirtschaftskrise. Wegen Korruption und Misswirtschaft verfügt Venezuela kaum noch über Devisen, um Lebensmittel, Medikamente oder Dinge des täglichen Bedarfs zu importieren. Vor zwei Tagen hatte der Internationale Währungsfonds (IWF) vor einer Inflation in Höhe von mehr als einer Million Prozent in Venezuela gewarnt. Der IWF verglich die Zustände mit jenen in der Weimarer Republik nach dem Ersten Weltkrieg.

Außerdem könnte die Wirtschaftsleistung um 18 Prozent einbrechen. Die venezolanische Zentralbank veröffentlicht bereits seit Jahren keine Daten zu Teuerungsrate und Konjunktur mehr. Grund für die galoppierende Inflation in Venezuela sei der "Wirtschaftskrieg", den die venezolanische Opposition und die USA gegen ihn führten, sagte Maduro. Sie wollten ihn stürzen.

Nicht der erste Versuch

Maduro sagte, die Umstellung der Währung werde "großartige revolutionäre Veränderungen in der Wirtschaft" nach sich ziehen. Bereits in der Vergangenheit hat die venezolanische Regierung auf die Taktik gesetzt, neues Geld für eine verbesserte Wirtschaft zu drucken: 2008 ließ der damalige Präsident Hugo Chávez drei Nullen aus der Währung streichen. Im März dieses Jahres kündigte Maduro neues Geld mit drei Nullen weniger an. Der Plan wurde jedoch nie umgesetzt und die Inflation stieg weiter an.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. Juli 2018 um 06:00 Uhr.

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