Der venezolanische Oppositionsführer Juan Guaidó im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP. | Bildquelle: AFP

Machtkampf in Venezuela Guaidó erwägt Hilfe durch US-Militär

Stand: 09.02.2019 10:17 Uhr

Um den Regierungswechsel zu erreichen, erwägt Venezuelas Oppositionsführer Guaidó nun auch ein militärisches Eingreifen der USA. Die US-Regierung scheint zudem weitere wirtschaftliche Sanktionen in Erwägung zu ziehen.

Im Kampf um die venezolanische Staatsführung schließt der selbst ernannte Übergangspräsident Juan Guaidó einen Eingriff des US-Militärs nicht mehr aus. Allerdings sei ein Eingriff der US-Armee ein "sehr brisantes" Thema, betonte Guaidó gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Er werde "alles Notwendige" tun, um Menschenleben zu retten.

Bislang hatte sich Guaidó gegenüber der Unterstützung durch das US-Militär immer zurückhaltend geäußert. Die USA hatten sich als erstes hinter den Oppositionsführer gestellt, nachdem er sich im Januar zum Übergangspräsidenten erklärt hatte. Mittlerweile erkennen rund 40 Länder Guaidó an, darunter auch Deutschland. Die US-Regierung selbst hatte ein Eingreifen der eigenen Armee in Venezuela von Anfang an als mögliche Variante ins Spiel gebracht, um einen Regierungswechsel in dem südamerikanischen Land zu erreichen. US-Präsident Donald Trump hatte betont, er halte sich "alle Optionen" offen.

Verhängen USA weitere Sanktionen?

Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, soll das Weiße Haus zusätzliche Sanktionen gegen die derzeitige Regierung Venezuelas unter Präsident Nicólas Maduro vorbereiten. Bislang hatten die USA versucht, den Druck auf Maduro zu erhöhen, indem sie seine Einnahmequellen angreifen, etwa durch Sanktionen gegen den staatlichen Ölkonzern PDSVA.

Zudem stehe die US-Regierung in direktem Kontakt zu Vertretern des venezolanischen Militärs, um die Streitkräfte dazu zu bewegen, sich auf die Seite Guaidós zu stellen, berichtete Reuters unter Berufung auf eine Quelle aus dem Weißen Haus weiter. Im Machtkampf steht das venezolanische Militär bisher hinter Maduro. Guaidó hatte mehrfach an die Streitkräfte appelliert, die Unterstützung des Präsidenten aufzugeben.

Blockaden gegen Hilfslieferungen

Derzeit nutzt Maduro das Militär zudem, um mithilfe von Blockaden die Einfuhr von Hilfsgütern zu verhindern, die Guaidó aus dem Ausland angefordert hatte. So sei etwa eine Grenzbrücke zu Kolumbien mit einem Tankwagen, Containern und behelfsmäßigem Zäunen gesperrt worden, teilten kolumbianische Behördenvertreter mit. Vor der Tienditas-Brücke stünden zehn Lastwagen mit rund 100 Tonnen Lebensmitteln, Medikamenten und Hygieneartikeln bereit.

In Venezuela, das über die weltweit größten Erdölvorkommen verfügt, herrscht eine schwere Wirtschaftskrise. Medikamente oder bestimmte Lebensmittel werden knapp. Doch Maduro bekräftigte am Freitag nochmals, er wolle keine Hilfslieferungen über die Grenze lassen: "Das ist keine Hilfe, das ist eine Demütigung des Volkes. Von außen sieht das Paket sehr schön aus, aber im Inneren ist Gift." Die USA hätten die humanitäre Krise in seinem Land erfunden, um einen Vorwand für ein militärisches Eingreifen zu schaffen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 09. Februar 2019 um 05:00 Uhr.

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