Juan Guaido, selbst ernannter Interimspräsident von Venezuela, klettert nach seiner Ankunft auf dem Flughafen International Airport Simon Bolivar auf ein Gerüst. | Bildquelle: dpa

Interimspräsident Guaidó Rückkehr wird zur Machtdemonstration

Stand: 05.03.2019 05:07 Uhr

Der selbst ernannte Übergangspräsident Guaidó ist wieder in Venezuela. Für Samstag hat er zu neuen Protesten aufgerufen. Doch ob ihn die sozialistische Regierung bis dahin gewähren lässt, ist unklar.

Von Anne-Katrin Mellmann, ARD-Studio Mexiko

Es war eine triumphale Rückkehr: Als Juan Guaidó durch die Glastür am Hauptstadtflughafen schritt, bejubelten ihn seine Anhänger: "Si se puede - wir schaffen es!"

Auch Diplomaten waren gekommen - Botschafter von Ländern, die ihn als Übergangspräsidenten Venezuelas anerkennen, außerdem Journalisten, die bis zum Schluss nicht genau wussten, ob und wann Guaidó wirklich kommen würde.

Einreise ohne Probleme

Die Symbolik war stark: Trotz der Drohungen der sozialistischen Maduro-Regierung, Guaidó zu verhaften, verlief die Einreise an dem von der Nationalgarde kontrollierten Flughafen problemlos. Von den Diplomaten begleitet, fuhr Guaidó bis ins Zentrum von Caracas, wo bereits Tausende darauf warteten, dass er die Protestkundgebung eröffne. Im Gedränge erklärte er einem venezolanischen Reporter, wie er ins Land kam.

Die Beamten am Flughafen hätten ihn mit "Willkommen Präsident" begrüßt, sagte er. "Was haben sie noch gesagt? Sie haben mich sehr freundlich und mit viel Respekt behandelt."

Journalisten umringten den selbst ernannten Übergangspräsidenten Juan Guaidó nach seiner Ankunft. | Bildquelle: REUTERS
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Journalisten umringten den selbst ernannten Übergangspräsidenten Juan Guaidó nach seiner Ankunft.


Demonstration der Macht

Ungestört konnte Guaidó seine neue Machtdemonstration genießen. Auf der Bühne, vor den Massen, erklärte er die nächsten Schritte im Kampf gegen die Regierung:

"Mobilisierung, Zusammenschluss aller - und die Straße! Internationale Kooperation. Die Welt schaut auf uns und wird uns helfen. Aber am Ende müssen wir auf diesem Weg weitergehen, ohne uns entmutigen zu lassen. Ihr alle seid mächtige Bürger, auch wenn sie uns eingeredet haben, wir schafften es nicht. Sie haben uns gedroht, aber hier sind wir, in allen Winkeln Venezuelas, so wie es unsere Pflicht ist."

Viele der Anhänger Guaidós sind erst gekommen, nachdem sie die Bilder von seiner Ankunft gesehen hatten und überzeugt davon waren, dass er nicht so bald verhaftet wird.

Neue Proteste

Guaidó hat für Samstag zu neuem Massenprotest aufgerufen. Völlig unklar ist, ob ihn die sozialistische Regierung bis dahin gewähren lässt. Aus ihrer Sicht hat er sich strafbar gemacht, weil er gegen eine Ausreisesperre verstieß.

Präsident Nicolás Maduro selbst hatte gleich nach seiner Ausreise gedroht: "Er kann ausreisen, wieder einreisen, aber dann muss er sich vor der Justiz verantworten", sagte er. Wegen verschiedener Vergehen sei eine Untersuchung gegen ihn eingeleitet und ihm untersagt worden, das Land zu verlassen. "Niemand steht über dem Gesetz," so Maduro. "Dieser Herr Guaidó muss sich gegenüber der Justiz verantworten, nicht gegenüber Nicolás Maduro."

Venezuelas Justiz allerdings ist schon seit Jahren nicht mehr unabhängig, sondern handelt im Sinne der Regierung.

Triumphale Rückkehr des selbst ernannten Übergangspräsidenten Guaidó
Anne-Katrin Mellmann, ARD Mexiko-Stadt
05.03.2019 08:39 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 05. März 2019 die tagesschau um 05:30 Uhr und NDR Info um 06:38 Uhr.

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