Soldaten und Tränengas in Venezuela | Bildquelle: AP

Machtkampf in Venezuela Militär feuert Tränengas auf Demonstranten

Stand: 23.02.2019 17:52 Uhr

Nach der Grenzschließung zu Kolumbien ist es in der venezolanischen Stadt Ureña zu Zusammenstößen gekommen. Die Armee feuerte mit Tränengas auf Demonstranten ein, die versuchten, eine Barrikade zu durchbrechen.

Die venezolanische Nationalgarde hat Tränengas und Gummigeschosse auf Demonstranten gefeuert, die gegen die Schließung der Grenze zu Kolumbien protestiert hatten. Im Grenzort Ureña wollten Demonstranten eine Barrikade auf einer Brücke durchbrechen, um nach Kolumbien zu gelangen. Die Menschen zündeten Autoreifen auf den Straßen an und bewarfen die Polizei mit Steinen.

"Wir wollen arbeiten", tönte es aus der Menschenmenge, die Spezialkräften der Nationalgarde gegenüberstand. Demnach waren die Demonstranten vor allem Bewohner, die täglich die Grenze überqueren, entweder zum Einkaufen oder zur Arbeit.

Die Sorge ist groß, dass der Ansturm letztlich dazu führen könnte, dass die Nationalgarde auch scharfe Munition einsetzt. Venezuelas Außenminister Jorge Arreaza versicherte jedoch, das Militär würde "nie Befehle bekommen, auf die Zivilbevölkerung zu feuern".

Extrem angespannte Lage im Grenzgebiet

Die Lage im Grenzgebiet ist hochexplosiv. Die Regierung von Staatschef Nicolás Maduro hatte am Freitag große Teile der Grenze zu Kolumbien geschlossen, nachdem Oppositionsführer Juan Guaidó trotz eines Ausreiseverbots ein Benefizkonzert auf der kolumbianischen Seite der Grenze besucht hatte. 

Lastwagen mit Hilfsgütern unterwegs

Maduro will verhindern, dass internationale Hilfsgüter nach Venezuela kommen. Guaidó hatte die Bevölkerung aufgerufen, Lastwagen mit fast 200 Tonnen Nahrungsmitteln, Medikamenten und Hygieneartikeln von einem Lager in der kolumbianischen Grenzstadt Cúcuta nach Venezuela zu bringen. Maduro lehnt die Hilfslieferungen vehement ab. Er prangert sie als Vorwand an, unter dem eine militärische US-Invasion vorbereitet werden soll.

Mittlerweile sind die Lastwagen mit Hilfslieferungen losgefahren. Reporter der Nachrichtenagentur AP waren vor Ort, als Guaidó sie losschickte. Kolumbiens Staatschef Iván Duque forderte die freie Einfuhr von Hilfsgüter nach Venezuela. Die Blockade der von der venezolanischen Opposition organisierten Hilfe sei ein "Attentat" auf die Menschenrechte, sagte er in Cúcuta auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Guaidó. Laut dem Oppositionsführer habe zudem ein Lastwagen mit Hilfsgütern die Grenze zwischen Brasilien und Venezuela passiert.

Am Vormittag desertierten drei Mitglieder des venezolanischen Militärs auf der der Simón-Bolívar-Brücke im Grenzgebiet. Die Soldaten verließen ihre Posten und baten die kolumbianische Regierung um Hilfe, teilte die Einwanderungsbehörde mit. Einer der Soldaten soll demnach verletzt sein.

Konzert gegen Konzert

Gestern waren Zehntausende Anhänger Guaidós zu dem Konzert in Cúcuta gekommen. An der auf Initiative des britischen Milliardärs Richard Branson zustande gekommenen Veranstaltung "Venezuela Aid Live" nahmen Stars wie der durch den Hit "Despacito" bekannte Puertoricaner Luis Fonsi teil. Der Erlös soll der Bevölkerung in dem südamerikanischen Krisenstaat zugute kommen.

An der nur rund 300 Meter entfernten dreitägigen Gegenveranstaltung des Linksnationalisten Maduro auf venezolanischer Seite nahmen deutlich weniger Menschen teil. Rund 2500 Besucher kamen zu dem Konzert unter dem Motto "Hände weg von Venezuela".

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Mega-Konzert "Venezuela Aid Live" an der Grenze zwischen Kolumbien und Venezuela

Menschen stehen vor einer Konzertbühne in Cúcuta

Tausende Menschen haben bei dem Benefizkonzert "Venezuela Aid Live" in der kolumbianischen Grenzstadt Cúcuta Musikern wie Luis Fonsi, Juanes und Maluma zugejubelt. | Bildquelle: AFP

Venezuela leidet unter einer schweren Wirtschafts- und Versorgungskrise. Aus Mangel an Devisen kann das einst reiche Land kaum noch Lebensmittel, Medikamente und Dinge des täglichen Bedarfs für die Not leidende Bevölkerung einführen. Viele Menschen hungern, über drei Millionen Venezolaner haben ihre Heimat bereits verlassen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 23. Februar 2019 um 16:00 Uhr.

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