Soldaten an der venezonalisch-kolumbianischen Grenze | Bildquelle: HECTOR PEREIRA/EPA-EFE/REX

Machtkampf in Venezuela Stoppt das Militär die Hilfslieferungen?

Stand: 23.02.2019 11:36 Uhr

Die venezolanische Opposition will rund 600 Tonnen Hilfsmittel ins Land bringen. Doch das Militär ist angewiesen, das zu verhindern. Denn das könnte den Anfang vom Ende Maduros bedeuten.

Von Anne Herrberg, ARD-Studio Buenos Aires, zzt. Cúcuta

"Für ein freies Venezuela, für Hilfsgüter, für den Wandel" - es herrschte Aufbruchstimmung beim Benefizkonzert an der Tienditas-Grenzbrücke nahe der kolumbianischen Stadt Cúcuta. Es sollte Geld für Hilfsgüter einspielen. Denis Parado schwenkt eine Venezuela-Flagge, der 18-Jährige aus Caracas ist wie Tausende seiner Landsleute nach Cúcuta gekommen, nicht nur um Lateinamerikas Superstars wie Maluma, Juanes oder Luis Fonsi zuzujubeln.

"Wir wollen einen Wandel. Und dass die Hilfsgüter ins Land kommen, das ist das wichtigste, damit die Menschen nicht mehr leiden. Es fehlt an Medikamenten, es fehlt an Essen, und wir wollen, dass unsere Freunde, die ausgewandert sind, zurückkommen. Wir wollen Frieden und Freiheit! Keine Diktatur!"

Symbol für den Konflikt

Die Tienditas-Grenzbrücke ist wie kein zweiter Ort zum Symbol dafür geworden, wie angespannt und verhärtet die Fronten sind im Machtkampf zwischen Venezuelas sozialistischem Staatschef Nicolás Maduro und dem selbst ernannten Interimspräsidenten Juan Guaidó.

"Hände weg von Venezuela" heißt das Gegenkonzert, das Maduro auf der anderen Seite der Brücke veranstalten lässt. Doch die Musik spielt nicht auf den Bühnen. Es geht um 600 Tonnen vor allem von den USA bereitgestellter Hilfsgüter, die im kolumbianischen Cúcuta lagern. Im Laufe des Tages sollen freiwillige Helfer sie über die vier Brücken der Stadt nach Venezuela bringen.

Maduros Regierung kündigte nun an, diese Grenzübergänge temporär zu schließen. Der sozialistische Staatschef will die Hilfsgüter nicht ins Land lassen. Für ihn und seine Anhänger sind sie Vorwand, um eine US-Invasion vorzubereiten. Das Militär ist in Alarmbereitschaft versetzt. Dazu werden auf venezolanischer Seite alle Grenzübergänge Richtung Cúcuta geschlossen. Denn viele befürchten: Käme die Hilfe wirklich ins Land, wäre das der Anfang von Maduros Ende.

1/13

Mega-Konzert "Venezuela Aid Live" an der Grenze zwischen Kolumbien und Venezuela

Menschen stehen vor einer Konzertbühne in Cúcuta

Tausende Menschen haben bei dem Benefizkonzert "Venezuela Aid Live" in der kolumbianischen Grenzstadt Cúcuta Musikern wie Luis Fonsi, Juanes und Maluma zugejubelt. | Bildquelle: AFP

Guaidó fest entschlossen

Die Oppositionspolitikerin Liliana Mujica, auf kolumbianischer Seite, schreckt das nicht ab: "Wir werden die Hilfe reinbringen, komme, was wolle. Es gibt heute so viel ausländische Unterstützung wie nie, das gibt uns Kraft."

Dazu tauchte am Freitag überraschend Oppositionsführer Juan Guaidó in Cúcuta auf, trotz seines Ausreiseverbotes. Er zeigte sich fest entschlossen, sein Vorhaben umzusetzen. Und er signalisierte, Teile der Soldaten hätten Befehle der Regierung verweigert:

"Es gibt eine Frage, die sich alle zu Venezuela stellen: die Rolle des Militärs. Denn die Gesellschaft ist bereit, dem Nächsten zu helfen. Mehr als eine Million Freiwillige haben sich für den großen Kraftakt registriert, den wir vollbringen werden. Die Frage ist: Wie kamen wir überhaupt hierher, wo doch alle Straßen blockiert sind, zu Luft, zu Wasser und zu Land? Aber wir sind hier aus eben dem Grund, dass das Militär uns unterstützt. Das ist die Wahrheit."

Hilfe für Bevölkerung: Benefizkonzert für Venezuela
tagesschau 08:55 Uhr, 23.02.2019, Xenia Böttcher, SWR Mexiko City

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Tote an brasilianischer Grenze

Unterdessen haben venezolanische Soldaten aber an der Grenze zu Brasilien zwei Mitglieder der indigenen Pémon-Gemeinde getötet und 15 weitere verletzt, als diese versuchten, die Militärs davon abzuhalten, Hilfslieferungen zu blockieren.

Auch was heute in Cúcuta geschehen könne, sei nicht abzusehen, sagt Oscar Calderon vom Migranten-Hilfsnetzwerk der Jesuiten in Cúcuta. Hier kommen jeden Tag 5000 neue Flüchtlinge und Migranten aus Venezuela an. Hilfsorganisationen, Ärzte und Helfer arbeiten bereits seit Monaten am Limit. Calderón geht, wie das Rote Kreuz oder Ärzte ohne Grenzen, ausdrücklich auf Distanz zu der Verteilung der von den USA bereitgestellten Hilfsgüter.

"Es besteht immer das Risiko, das menschliche Leiden politisch zu instrumentalisieren, um die eine oder andere Regierung zu beschmutzen. Das ist nicht unsere Rolle. Unsere Rolle ist, den notleidenden Menschen unter jeden Umständen zu helfen und deswegen insistieren wir, dass der Fokus immer darauf liegen muss, die Menschenrechte zu schützen."

Es dürfe nicht darum gehen, den Druck auf die Regierung Maduro auf Kosten der Menschen zu erhöhen. Es müssten auch die Länder unterstützt werden, die in den letzten Monaten Millionen venezolanische Flüchtlinge aufgenommen hätten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. Februar 2019 um 08:55 Uhr.

Korrespondentin

Anne Herrberg Logo BR

Anne Herrberg, BR

Darstellung: