Tienditas-Brücke an der Grenze zwischen Kolumbien und Venezuela | Bildquelle: dpa

Machtkampf in Venezuela Kräftemessen an der Grenze

Stand: 23.02.2019 08:28 Uhr

Es könnte ein entscheidender Tag für den Machtkampf in Venezuela sein: Die Opposition will heute Hilfsgüter ins Land schaffen - doch die Regierung hat die Grenze teilweise geschlossen. Die Sorge vor Gewalt wächst.

Im Streit um humanitäre Unterstützung für Venezolaner plant die Opposition um Juan Guaidó eine womöglich riskante Aktion. Sie hat das Volk aufgerufen, am Samstag Lastwagen mit fast 200 Tonnen Hilfsgüter von Kolumbien ins Landesinnere zu begleiten. Wenn der Treck die Grenze erreicht, kommt es zur entscheidenden Nagelprobe: Lässt das venezolanische Militär die Lebensmittel und Medikamente durch oder kommt es womöglich zur Konfrontation?

Die Regierung in Caracas erklärte, die Lieferungen nicht passieren zu lassen. Diese seien lediglich ein Vorwand für eine US-amerikanische Invasion. Zudem ordnete sie eine Teilschließung der Grenze zu Kolumbien an. Die vorübergehende Maßnahme gelte für drei Grenzübergänge im venezolanischen Staat Táchira, teilte Vizepräsidentin Delcy Rodríguez über Twitter mit. Grund seien die "schwerwiegenden und illegalen Drohungen" von der kolumbianischen Regierung gegen Frieden und Souveränität Venezuelas.

Guaidó: Habe Unterstützung des Militärs

Just an diesem Grenzübergang trat gestern Venezuelas selbst ernannter Interimspräsident Juan Guaidó auf: Überraschend zeigte sich der Oppositionsführer beim Benefizkonzert "Venezuela Aid Live" in der kolumbianischen Grenzstadt Cúcuta.

"Viele fragen sich: Wie sind wir nach Kolumbien gekommen, wenn der Luftraum gesperrt, der Schiffsverkehr unterbrochen ist und die Straßen blockiert sind? Wir sind hier, weil das Militär uns geholfen hat. Das ist die Wahrheit", sagte Guaidó vor der Lagerhalle mit den Hilfsgütern an der Seite von Kolumbiens Präsident Ivan Duque, dem chilenischen Staatschef Sebastián Piñera und Paraguays Präsident Mario Abdó.

Sein Besuch war eine offene Provokation gegen seinen Kontrahenten, Staatschef Nicolás Maduro: Wegen eines laufenden Ermittlungsverfahrens darf Guaidó das Land eigentlich gar nicht verlassen.

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Mega-Konzert "Venezuela Aid Live" an der Grenze zwischen Kolumbien und Venezuela

Menschen stehen vor einer Konzertbühne in Cúcuta

Tausende Menschen haben bei dem Benefizkonzert "Venezuela Aid Live" in der kolumbianischen Grenzstadt Cúcuta Musikern wie Luis Fonsi, Juanes und Maluma zugejubelt. | Bildquelle: AFP

Musikalischer Machtkampf

An der Grenzbrücke Tienditas zwischen Kolumbien und Venezuela hatten sich die Gegner und Anhänger des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro am Abend einen musikalischen Schlagabtausch geliefert. Während auf der kolumbianischen Seite renommierte lateinamerikanische Musiker wie Luis Fonsi oder Juanes bei dem Benefizkonzert um Spenden für humanitäre Hilfe warben, forderten nur 300 Meter entfernt regierungstreue Sänger auf der anderen Seite der Grenze: "Hände weg von Venezuela".

Eskalation an Grenze zu Brasilien

Auch auf der niederländischen Karibikinsel Curaçao und in Brasilien stehen zahlreiche Hilfsgüter bereit. Allerdings hatte Maduro auch die Grenzen zu diesen Nachbarländern schließen lassen. Medienberichten zufolge verlegten die Streitkräfte Truppen und Panzer an die Grenze zu Brasilien.

Wie explosiv die Situation an den Grenzübergängen ist, zeigte sich am Freitag. Nach Angaben der Opposition kam es an einem brasilianischen Grenzstreifen zu Zusammenstößen zwischen Soldaten und Angehörigen des indigenen Volkes der Pemón. Zwei Indigene seien dabei getötet und rund ein Dutzend weitere verletzt worden, schrieb der oppositionelle Abgeordnete Americo de Grazia auf Twitter.

Hilfe für Bevölkerung: Benefizkonzert für Venezuela
tagesschau 08:55 Uhr, 23.02.2019, Xenia Böttcher, SWR Mexiko City

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USA warnen vor Gewalt

Die USA warnten das venezolanische Militär vor weiterer Gewaltanwendung. Jeder Verstoß gegen Menschenrechte bleibe "nicht ungestraft", hieß es in einer Erklärung des Weißen Hauses. Das Militär wurde an seine verfassungsmäßige Aufgabe erinnert, das Volk zu beschützen und humanitäre Hilfe ungehindert ins Land zu lassen. "Die Welt sieht zu", schloss die Erklärung.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres rief alle Beteiligten zu Gewaltverzicht auf. Guterres sei nach dem Ausbruch von Unruhen im Zuge des Streits über Hilfslieferungen äußerst besorgt, sagte ein Sprecher.

Russland und China warnten vor Hilfslieferungen nach Venezuela gegen den erklärten Willen der sozialistischen Regierung in Caracas. Anders als die USA, Deutschland und viele andere europäische Länder haben sie die Übergangsregierung Guaidós nicht anerkannt. Solche Hilfslieferungen könnten zu Ausschreitungen führen, warnten die außenpolitischen Sprecher beider Länder.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. Februar 2019 um 08:55 Uhr.

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