Stalin González | Bildquelle: Félix Espinoza

Oppositionspolitiker in Venezuela "Das Land erträgt keine 90 Tage mehr"

Stand: 02.02.2019 14:12 Uhr

Der Stellvertreter Guaidós drängt auf einen schnellen Wandel in Venezuela. Er versichert auch: Man wolle auf die Gegner zugehen. Eine Übergangsregierung werde nicht nur aus der Opposition bestehen.

Von Markus Plate, ARD-Studio Mexiko-Stadt

Stalin Gónzalez ist eines der jungen Gesichter der venezolanischen Opposition. Der 38-Jährige ist Vizepräsident der Nationalversammlung und somit Stellvertreter von Juan Guaidó, der sich am 23. Januar selbst zum Übergangspräsidenten ernannte. Auch Gónzalez wiederholt gegenüber der ARD die Forderung nach einem Rücktritt von Staatschef Nicolás Maduro und fairen und freien Wahlen. Doch im Gegensatz zu vergangenen Führungspersonen der Opposition geht González - wie Guaidó - auf langjährige Gegner zu.

"Wir haben immer gesagt, dass es uns um Versöhnung geht", sagt er. "Es kann keine Übergangsregierung geben, die nur aus der Opposition besteht. Sie muss auch die chavistischen Dissidenten und Vertreter der aktuellen Regierungspartei enthalten." Bis zu Neuwahlen in fünf bis sieben Monaten brauche es eine Einheitsregierung. An Wahlen müsse auch der Chavismus teilnehmen können. "Wir brauchen Gerechtigkeit, aber es darf keine Vergeltung geben. Wenn wir nur zurückschauen, werden wir scheitern."

Guaidós Vertreter Stalin González im ARD Interview | Bildquelle: Screenshot aus ARD-Interview
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Guaidós Vertreter Stalin González im ARD-Interview.

Zusicherungen an China und Russland

Die Opposition drängt auf einen schnellen Wandel. Dutzende Länder haben Guaidó anerkannt. González dankt dem Europaparlament ausdrücklich für die deutliche Unterstützung. Aber ebenso deutlich kritisiert er die Position des EU-Ministerrats. Der will vor einer möglichen Anerkennung Guaidós zunächst 90 Tage lang mit lateinamerikanischen Staaten nach Lösungen suchen.

"Das Land erträgt keine 90 Tage mehr", sagt González. "In 90 Tagen schließen weitere Unternehmen, sterben mehr Menschen in den Krankenhäusern, könnte eine weitere halbe Million Venezolaner flüchten." Man sei bereit zum Dialog und zu einer Übereinkunft. "Aber es gibt keine Lösung, in der sich Maduro an der Macht hält, ohne dass wir Venezolaner das Recht haben, zu wählen."

Hält sich Maduro, könnte das Momentum, das Guaidó derzeit auf seiner Seite hat, verpuffen. Deswegen versichert González vor allem Russland und China, den prominentesten Unterstützern Maduros im Ausland, ihre Investitionen seien auch in einem neuen Venezuela sicher.

Zunächst aber will die Opposition heute möglichst viele Menschen auf die Straße bringen. Der Tag hat Symbolcharakter: Heute jährt sich der Amtsantritt von Maduros Mentor und Amtsvorgänger Hugo Chávez zum zwanzigsten Mal.

Stalin González drängt auf schnellen Wandel
Markus Plate, ARD Mexiko-Stadt
02.02.2019 15:10 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. Februar 2019 um 12:33 Uhr in der Sendung "Informationen am Mittag".

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