Venezuelas selbsternannter Interimspräsident Nicolas Guaidó  | Bildquelle: AP

Guaidó zu Botschafter-Rauswurf "Eine Drohung gegen Deutschland"

Stand: 07.03.2019 08:13 Uhr

Venezuelas selbst ernannter Interimspräsident Guaidó hat die Ausweisung des deutschen Botschafters kritisiert. Er hoffe, dass Europa scharf reagiere. Die USA kündigten weitere Sanktionen gegen das Umfeld Maduros an.

Die Ausweisung des deutschen Botschafters Daniel Kriener aus Venezuela wird vom selbst ernannten Interimspräsident Juan Guaidó scharf kritisiert. Das Vorgehen stelle "eine Drohung gegen Deutschland" dar, sagte Guaidó in einem Interview mit dem "Spiegel".

Machthaber Nicolás Maduro sei nicht befähigt, einen Botschafter auszuweisen, daher habe Guaidó Kriener auch gebeten, im Land zu bleiben. "Ich erkenne ihn an, und ich möchte Deutschland für die geleistete humanitäre Hilfe danken. Meine Landsleute leiden Hunger, sie ist dringend nötig", so Guaidó.

Der deutsche Botschafter in Venezuela, Daniel Kriener, spricht bei einer Pressekonferenz mit dem selbst ernannten Übergangspräsidenten des Landes, Juan Guaidó (Archiv). | Bildquelle: RAUL MARTINEZ/EPA-EFE/REX
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Der deutsche Botschafter in Venezuela, Daniel Kriener (r.), wurde aufgrund seiner Unterstützung für den selbsternannten Übergangspräsidenten Juan Guaidó ausgewiesen. (Archiv)

"Ein Diktator reagiert nur auf Druck"

Maduro wolle der Öffentlichkeit vortäuschen, dass er noch über Macht verfüge. "Aber die einzigen, die noch zu ihm stehen, sind die Streitkräfte." Das Regime sei isoliert, es würde von Nachbarn und von Europa nicht anerkannt. Er hoffe, dass Europa auf diese schwerwiegende Drohung gegen einen Botschafter scharf reagiere.

Als Reaktion auf Maduros Vorgehen gegen Deutschland schlägt Guaidó vor, die finanziellen Sanktionen gegen das Regime zu verschärfen. Die internationale Gemeinschaft müsse verhindern, dass das Geld der Venezolaner missbraucht werde, "um Regimekritiker und Indigene umzubringen, wie es an der Grenze zu Brasilien geschehen ist." Der Druck müsse sich weiter erhöhen. "Ein Diktator reagiert nur auf Druck."

Kriener hatte am Montag gemeinsam mit anderen Diplomaten aus Europa, Lateinamerika und den USA Guaidó am Flughafen in Caracas empfangen. Damit wollten sie offenbar verhindern, dass der Oppositionsführer bei seiner Rückkehr ins Land festgenommen wird. Der 35-Jährige hatte trotz eines laufenden Ermittlungsverfahrens und einer Ausreisesperre das Land verlassen.

Xenia Böttcher, ARD Mexiko City, zur Lage in Venezuela und der Ausweisung des Deutschen Botschafters
Morgenmagazin, 07.03.2019

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Maas: "Unverständliche Entscheidung"

Bundesaußenminister Heiko Maas erklärte, er habe entschieden, den Botschafter zu Konsultationen zurück nach Hause zu rufen. "Wir haben die Entscheidung, Botschafter Kriener zur 'persona non grata' zu erklären, zur Kenntnis genommen", sagte der SPD-Politiker in der ARD. Ob er danach wieder nach Venezuela entsandt wird, lies Maas offen.

Die Entscheidung sei unverständlich, verschärfe die Lage und trage nicht zur Entspannung bei. "Unsere, die europäische Unterstützung für Juan Guaidó ist ungebrochen. Botschafter Kriener leistet in Caracas, auch gerade in den letzten Tagen, hervorragende Arbeit." Der Außenminister sagte außerdem, er habe Botschafter Kriener persönlich darum gebeten, Guaido vom Flughafen abzuholen.

Obwohl auch andere Diplomaten an der Aktion beteiligt waren, ist nach derzeitigem Stand nur der deutsche Botschafter von der Ausweisung betroffen.

Pence: "Maduro ist eine Marionette Kubas"

Die USA kündigten weitere Sanktionen gegen das Umfeld Maduros an. Washington werde 77 Visa von Regierungsbeamten und deren Angehörigen widerrufen, sagte US-Vizepräsident Mike Pence bei einem Treffen mit Latino-Unternehmern. "Wir werden das Maduro-Regime solange zur Rechenschaft ziehen, bis Venezuela wieder frei ist", sagte er.

Dass der sozialistische Staatschef noch im Amt ist, liegt aus Sicht von Pence auch an Kuba. "Die Wahrheit ist, dass Maduro sich nur dank der Brutalität seiner Anhänger und der Hilfe aus dem kommunistischen Kuba an der Macht hält." Maduro sei kein venezolanischer Patriot, sondern eine Marionette Kubas, zitierte er US-Präsident Donald Trump.

In Venezuela tobt ein erbitterter Machtkampf. Parlamentspräsident Guaidó hatte sich am 23. Januar zum Übergangsstaatschef ausgerufen. Inzwischen haben ihn mehr als 50 Länder als legitimen Interimsstaatschef anerkannt.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 07. März 2019 um 05:38 Uhr.

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