Venezuelas Oppositionsführer Guaido | Bildquelle: AP

Machtkampf in Venezuela Rufe nach Freilassung von Guaidós Büroleiter

Stand: 22.03.2019 07:36 Uhr

Venezuelas Sicherheitskräfte haben den Stabschef von Oppositionsführer Guaidó festgenommen. Ihm wird die Beteiligung an einer Terrorzelle vorgeworfen. Die USA und die EU forderten die sofortige Freilassung.

Die Festnahme des Stabschefs des selbst ernannten venezolanischen Übergangspräsidenten Juan Guaidó hat internationale Proteste ausgelöst. US-Vizepräsident Mike Pence verlangte die umgehende Freilassung. "Wir werden die Beteiligten zur Rechenschaft ziehen", twitterte er. Pence erklärte, die US-Regierung werde es nicht hinnehmen, dass Präsident Nicolas Maduro Vertreter der "legitimen Regierung Venezuelas verhaftet oder einschüchtert".

Auch die EU forderte, dass Guaidós Stabschef Roberto Marrero "sofort und ohne Bedingungen freigelassen" wird. Die EU mache die venezolanischen Behörden "für seine Sicherheit und Unversehrtheit verantwortlich", erklärte EU-Sprecherin Maja Kocijancic. UN-Sprecher Farhan Haq sagte in New York, die Vereinten Nationen hätten "mit Sorge" von Marreros Festnahme erfahren. "Wir erneuern unseren Appell, dass alle Akteure in Venezuela sofort Maßnahmen ergreifen, um die Spannungen zu verringern und jede Handlung unterlassen, die zu einer neuen Eskalation führen könnte".

Angebliche Verwicklung in Anschlagspläne

Venezuelas Innenminister Nestor Luis Reverol. | Bildquelle: AFP
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Venezuelas Innenminister Reverol erhob schwere Anschuldigungen gegen Guaidos Stabschef.

Marrero war in der Nacht auf Donnerstag von maskierten Mitarbeitern des Geheimdienstes aus seinem Haus geholt worden. Er sei in eine terroristische Zelle involviert und direkt verantwortlich für die Organisation krimineller Gruppen, sagte der venezolanische Innenminister Nestor Luis Reverol.

Die Terrorzelle habe Söldner aus Kolumbien und Mittelamerika angeheuert, um durch gezielte Mordanschläge das Land ins Chaos zu stürzen. Der Minister zeigte ein Bild von zwei Waffen, die im Besitz Marreros gewesen und bei der Razzia sichergestellt worden sein sollen. Die Generalstaatsanwaltschaft des Landes teilte mit, Marrero werde vorgeworfen, in einen Anschlagsversuch gegen Staatspräsident Maduro verwickelt zu sein.

Guaidó beschuldigte in einer ersten Reaktion den Geheimdienst Sebin, die Waffen bei dem Einsatz in Marreros Haus deponiert zu haben. Der Oppositionsführer, der sich seit dem vorigen Wochenende auf einer Rundreise durch Venezuela befindet, deutete die Festnahme als Zeichen der Schwäche Maduros. "Entweder traut er sich nicht, mich zu verhaften, oder er hat nicht das Sagen", meinte Guaidó. Einige hochrangige Geheimdienstler hätten ihn angerufen, um ihm zu versichern, dass sie nicht in die Festnahme seines Mitarbeiters verwickelt seien.

Trumo hält sich alle Optionen offen

Maduro und Guaidó liefern sich seit Monaten einen Machtkampf. Guaidó hatte sich Mitte Januar während einer Kundgebung der Opposition zum Übergangspräsidenten erklärt. Er wird von rund 50 Staaten anerkannt, darunter die USA, eine Reihe lateinamerikanische Länder, Deutschland und weitere EU-Staaten. US-Präsident Donald Trump bekräftigte am Dienstag, dass in der Auseinandersetzung mit Maduro sämtliche Optionen - einschließlich der militärischen - auf dem Tisch blieben. Trump drohte überdies eine weitere Verschärfung der Wirtschaftssanktionen gegen Venezuela an. Das von der US-Regierung dekretierte Ölembargo soll am 28. April in Kraft treten. Maduro spricht von einem Wirtschaftskrieg gegen sein Land.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 22. März 2019 um 06:00 Uhr.

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