Mitglied der Spezialeinheit FAES bei einem Einsatz im Armenviertel Petare in Caracas (Foto vom 25. Januar 2019) | Bildquelle: AFP

Venezuela Proteste, Gewalt, Einschüchterungen

Stand: 11.02.2019 04:35 Uhr

Venezuelas Präsident Maduro behauptet, dass die ärmeren Schichten weiter zu ihm halten. Allerdings gibt es Berichte über massive Gewalt gegen Slumbewohner in Caracas, von Hinrichtungen ist die Rede.

Von Anne-Katrin Mellmann, ARD-Studio Mexiko-Stadt, zzt. Caracas

Laut der sozialistischen Regierung hat das, worüber im größten Armenviertel Petare in Caracas in diesen Tagen nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen wird, gar nicht stattgefunden und ist frei erfunden. Aber Einschusslöcher in Hauswänden zeugen von Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften nach der Ernennung von Juan Guaidó zum Übergangspräsidenten.

An den Antiregierungsdemonstrationen am 23. Januar hatte sich erstmals auch dieses Viertel beteiligt. Früher galt es als Hochburg der Sozialisten. Nach dem Protest sei die Spezialeinheit FAES angerückt, in Häuser eingedrungen und habe Menschen erschossen, berichten Einwohner.

Blick auf das Armenviertel Petare in Caracas | Bildquelle: Anne-Katrin Mellmann, ARD-Studio Mexiko-Stadt
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Blick auf das Armenviertel Petare in Caracas: Viele Menschen haben sich den Antiregierungsprotesten angeschlossen.

"Mit Kopfschüssen hingerichtet"

Aus Angst wagt es kaum einer, mit Journalisten darüber zu sprechen. Daniel aber, seinen richtigen Namen will er lieber nicht sagen, beobachtete aus seinem Fenster, was mit zwei Nachbarn geschah:

"Sie haben sie auf ihren Pickup geworfen und befohlen, dass sie sich hinknien. Die beiden haben geweint: 'Bitte tötet mich nicht, bitte tötet mich nicht, ich bin Familienvater.' Aber das war ihnen egal. Fünf Polizisten haben sich ganz dicht um sie herumgestellt und mit Kopfschüssen hingerichtet. Ich habe alles gesehen."

Das sei zum ersten Mal passiert, um das Viertel einzuschüchtern, damit niemand mehr gegen die Regierung protestiere, sagt Daniel. Die genaue Zahl der Getöteten ist unklar: Daniel meint, es seien 16 gewesen, andere sprechen von zehn.

Die FAES, die 2017 als Eliteeinheit der Polizei zur Verbrechensbekämpfung gegründet worden war, erklärte, sie kämpfe nur gegen Kriminelle. Auf ihr Konto gehen laut Menschenrechtsorganisation Provea allein im letzten Jahr 205 außergerichtliche Hinrichtungen.

"FAES - Mörder des Volkes", steht auf einer Wand in Caracas geschrieben.
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"FAES - Mörder des Volkes", wurde auf eine Wand in Caracas gesprüht. Bei der FAES handelt es sich um eine Eliteeinheit der Polizei, der Hinrichtungen vorgeworfen werden.

Klage in Den Haag eingereicht

Auch deshalb haben mehrere Staaten Klage gegen Venezuela vor dem Strafgerichtshof in Den Haag eingereicht. Seit sich die politische Krise im Januar verschärfte, beobachten Nichtregierungsorganisationen wie Foro Penal, dass die staatliche Repression gerade in den Armenvierteln zunimmt.

Dort habe es seit dem 23. Januar mindestens acht außergerichtliche Hinrichtungen durch die FAES gegeben, sagt Direktor Gonzalo Himiob:

"Die armen Venezolaner trifft die Krise am härtesten. Die Maduro-Regierung hat immer behauptet, nur die Mittel- und Oberschicht gehe gegen sie auf die Straße. Jetzt - und das ist neu - finden aber täglich in Armenvierteln Proteste gegen sie statt. Die Regierung versucht, den Protest zu ersticken, weil er ihre Darstellung vom armen Volk widerlegt, das auf der Seite der Regierung stehe. Das entspricht nicht mehr der Wahrheit."

Zunehmende Repressionen

Himiob erwartet mehr Repression, weil die immer steige, wenn es mehr Manifestationen gegen die Regierung gibt. Verglichen mit den großen Protestwellen 2014 und 2017 reagiere der Staat dieses Mal härter. Allein vom 21. bis zum 31. Januar habe es 988 Verhaftungen aus politischen Gründen gegeben. Für Dienstag ist ein neuer Massenprotest angekündigt. Im Armenviertel Petare läuft die Mobilisierung - allen Einschüchterungsversuchen zum Trotz.

Venezuela: Staatliche Repression nimmt zu
Anne-Katrin Mellmann, ARD Mexiko City
11.02.2019 07:25 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 11. Februar 2019 um 06:04 Uhr.

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