Blick auf das venezolanische Ölfeld in Morichal  | Bildquelle: picture alliance / dpa

Konflikt mit Venezuela US-Sanktionen gegen Ölkonzern

Stand: 29.01.2019 08:58 Uhr

Als Reaktion auf den Machtkampf in Venezuela haben die USA Sanktionen gegen den staatlichen Ölkonzern PDVSA verkündet. Präsident Maduro will den Anspruch auf seine wichtigste Einnahmequelle verteidigen.

Die Trump-Regierung hat Sanktionen gegen die staatliche Ölgesellschaft Venezuelas verhängt. Der Nationale Sicherheitsberater John Bolton und Finanzminister Steven Mnuchin kündigten die Maßnahmen gegen den Konzern PDVSA an.

US-Finanzminister Mnuchin | Bildquelle: AFP
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US-Finanzminister Mnuchin verkündete die Strafmaßnahmen.

Dazu gehört unter anderem das Einfrieren von Vermögenswerten. Bolton sagte, er erwarte, dass Vermögen im Wert von sieben Milliarden Dollar (sechs Milliarden Euro) eingefroren werde und innerhalb eines Jahres elf Milliarden Dollar an Exporteinnahmen verloren gingen.

Öl aus Venezuela darf demnach von den USA unter dem Sanktionsregime weiterhin eingekauft werden, die Zahlungen müssen jedoch auf Sperrkonten erfolgen. Die Regelungen sollen auch gewährleisten, dass US-Raffinerien, die direkt von Öllieferungen aus Venezuela abhängen, weiter betrieben werden können.

US-Tochter beschränkt geschäftsfähig

Auch die US-Tochter von PDVSA, CITGO, darf ihre Geschäfte fortsetzen, solange entsprechende Zahlungen auf Sperrkonten erfolgen und nicht der von den USA nicht mehr anerkannten sozialistischen Regierung unter Nicolás Maduro zufließen.

Die Strafmaßnahmen sollten in Kraft bleiben, bis eine Übergangsregierung oder eine demokratisch gewählte Regierung in dem südamerikanischen Land im Amt sei, sagte Mnuchin.

alt US-Sicherheitsberater Boltons Block mit der Notiz "5000 Soldaten nach Kolumbien". | Bildquelle: dpa

"5000 Soldaten nach Kolumbien"

US-Sicherheitsberater Bolton hatte während der Pressekonferenz einen Block unter dem Arm - darauf die handschriftliche Notiz "5000 Soldaten nach Kolumbien". Auf Nachfrage, ob dies als Androhung eines Militäreinsatzes im Nachbarland Venezuelas zu verstehen sei, antwortete das Weiße Haus knapp: "Alle Optionen sind auf dem Tisch."

Maduro will sich wehren

Der Ölsektor ist das Rückgrat der Volkswirtschaft in Venezuela. In dem Land lagern die größten Ölreserven der Welt, die USA sind ihr Hauptabnehmer.

Ohne den Geldzustrom aus den USA wird es für die venezolanische Regierung noch schwieriger, Grundnahrungsmittel und Medikamente zu importieren.

Maduro will seine wichtigste Einnahmequelle jedoch nicht kampflos aufgeben. In einer Fernsehansprache kündigte er Vergeltungsmaßnahmen an, ohne diese konkret zu nennen. Venezuela werde seinen Anspruch auf CITGO vor Gerichten in den Vereinigten Staaten verteidigen, die US-Tochter von den Venezolanern "rauben" wollten, sagte er.

Venezuelas selbsternannter Übergangspräsident Juan Guaidó kündigte zugleich an, die Kontrolle über das Auslandsvermögen des Staates zu übernehmen. Damit soll nach seinen Worten verhindert werden, dass sich die amtierende Regierung nach ihrem möglichen Sturz daran bereichere.

Guaidó hatte sich nach einem gescheiterten Aufstand von Nationalgardisten und Protesten der Opposition zum Interimspräsidenten erklärt. Zwar haben sich die USA und eine Reihe weiterer Staaten hinter Guaidó gestellt, aber das venezolanische Militär steht bislang hinter Maduro.

Venezuela liberalisiert Wechselkurssystem

Die Zentralbank des Landes hat unterdessen ein paralleles Wechselkurssystem zugelassen. Das private Geldhaus Interbanex darf ab sofort Devisengeschäfte in dem sozialistischen Land abwickeln.

Am ersten Handelstag legte die Bank den Wechselkurs auf 3200 Bolívar pro Dollar fest. Das bedeutete eine Abwertung von knapp 35 Prozent gegenüber dem offiziellen Wechselkurs der Zentralbank von 2084 Bolívar pro Dollar. Der Interbanex-Kurs entspricht in etwa dem Schwarzmarktpreis. Der Wechselkurs werde künftig von Angebot und Nachfrage bestimmt, teilte das Unternehmen mit.

Venezuela steckt in einer tiefen Wirtschaftskrise. Für das laufende Jahr rechnet der Internationale Währungsfonds (IWF) mit einer Inflationsrate von 1,37 Millionen Prozent, das Bruttosozialprodukt dürfte laut der Prognose um weitere 18 Prozent einbrechen.

USA verhängen Sanktionen gegen venezolanischen Ölkonzern
Sebastian Schreiber, ARD Washington
28.01.2019 23:02 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. Januar 2019 um 04:42 Uhr.

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