Luxusliner fährt an Venedigs Markusplatz vorbei | dpa

Kreuzfahrtschiffe Die Riesen sind raus - Venedig bangt weiter

Stand: 31.07.2021 11:13 Uhr

Es ist es vorbei mit den Kreuzfahrtriesen in Venedig. Die großen Schiffe dürfen das historische Zentrum nicht mehr passieren. Aktivisten sehen die Lagune jedoch weiter in Gefahr.

Von Moritz Pompl, ARD-Studio Rom

Immerhin, ein bisschen gehören solche Bilder der Vergangenheit an: Riesige Kolosse aus Stahl und Glas, die sich wie in einem Katastrophenfilm über der Altstadt von Venedig aufbauen und die uralten Paläste wie Spielzeughäuser wirken lassen. Ab dem 1. August dürfen Kreuzfahrtschiffe nicht mehr unmittelbar am Markusplatz vorbei durch den Giudecca-Kanal fahren.

Manche Souvenirverkäufer und Hafenunternehmer sind besorgt. Italiens Kulturminister Dario Franceschini ist dagegen begeistert: "Es ist nicht übertrieben, diese Entscheidung 'historisch' zu nennen. Die ganze Welt hat darauf jahrelang gewartet. Alle waren verwirrt zu sehen, dass diese riesigen Schiffe durch den fragilsten und schönsten Ort der Welt fahren."

MSC Magnifica wird von einem der Kanäle in Venedig aus gesehen. | AFP

Das Kreuzfahrtschiff "MSC Magnifica" von einem der Kanäle Venedigs aus gesehen. Bild: AFP

Proteste - seit Jahren ungehört

Seit Jahren haben viele Bewohner Venedigs und auch Umweltverbände dafür gekämpft, dass Schluss ist für die Kreuzfahrtschiffe. Ihre Argumente: Tausende von Touristen, die gleichzeitig in die Stadt strömen. Abgase und Feinstaub - Kreuzfahrtschiffe blasen davon besonders viel in die Luft. Und: Wellen! Die Schiffe sind teils über 300 Meter lang und verdrängen besonders viel Wasser.

Die Wellen, so die Befürchtung, schädigen die hölzernen Fundamente der Häuser und gefährden damit die ganze Stadt. Die UNESCO hatte Italiens Regierung deshalb zum Handeln aufgefordert und damit gedroht, Venedig auf die Negativ-Liste für gefährdetes Weltkulturerbe zu setzen.

Lagune darf weiter befahren werden

Im März hatte die Regierung dann für das Verbot gestimmt: Es gilt zumindest für Schiffe, die länger als 180 Meter sind oder besonders viele Abgase ausstoßen. Stefano Micheletti, Sprecher der Bürgerinitiative mit dem Namen "Keine großen Schiffe", ist aber trotzdem nur halb zufrieden:

Es ist ein Schritt nach vorne. Aber das Problem ist nicht gelöst. Es wäre nur gelöst, wenn die Kreuzfahrtschiffe komplett aus der Lagune von Venedig verbannt würden - und nicht nur aus dem Stadtzentrum." 

Die Schiffe dürfen nämlich weiterhin in die Lagune hineinfahren und dann, etwas weiter von der Altstadt weg, Richtung Industriehafen. Der soll jetzt für mehr als 150 Millionen Euro aufgerüstet werden.

Doch damit wird ein weiteres Problem nicht gelöst: Große Schiffe wirbeln in der seichten Lagune den Meeresgrund auf, der dann teils ins offene Meer gespült wird. Eventuell werden auch neue Fahrrinnen nötig, die das Problem verschärfen. "Schon die Aushebungen in den 1960er-Jahren haben zu einer großen Erosion geführt in der zentralen Lagune", berichtet Micheletti. Da wurden Wattböden und Sandbänke abgetragen. Wir sprechen da von Millionen von Kubikmetern an Sedimenten, die die Lagune schon verloren hat. Sie wird so immer mehr zu einem Teil des Meeres." 

Ideenwettbewerb soll Lösung bringen

Die großen Zuflüsse in die Lagune sind vom Menschen umgeleitet worden - dadurch kommt kein neues Sediment nach. Das ist schlecht für das Ökosystem der Lagune und letztlich auch für die Stadt, um die herum das Wasser immer tiefer wird. 

Zumindest langfristig sollen die Kreuzfahrtschiffe außerhalb der Lagune anlegen - wo, das soll ein Ideenwettbewerb klären. Viele Venezianer sagen aber auch: Die Stadt braucht gar keine Kreuzfahrt-Touristen mehr. Und ohnehin müsse man weg von der "Monokultur Tourismus". Wie verheerend diese Abhängigkeit sein kann, hat sich während Corona gezeigt.

 

Über dieses Thema berichtete B24 Aktuell am 31. Juli 2021 um 11:50 Uhr.

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Moderation 31.07.2021 • 18:54 Uhr

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