Messe im Vatikan | Bildquelle: dpa

Leitfaden zur Prävention Vatikan-Handbuch gegen Missbrauch

Stand: 17.07.2020 08:34 Uhr

Was tun gegen Missbrauch in der Kirche? Der Vatikan hat nun einen Leitfaden zur Prävention veröffentlicht. Allerdings macht das auch Defizite in der kirchlichen Rechtspraxis deutlich.

Der Vatikan hat ein Handbuch zur Missbrauchsprävention veröffentlicht. Das "Vademecum" der Glaubenskongretation solle Kirchenvertretern dabei helfen, ordnungsgemäß auf Verdachtsfälle zu reagieren, teilte der Präfekt der Glaubenskongretation, Kardinal Luis Francisco Ladaria Ferrer, am Donnerstag mit.

Das Handbuch enthalte keine neuen Gesetze, sondern fasse diese in einer Handlungsanweisung zusammen.

Handlungsanweisung im Kirchenrecht

In dem rund 17-seitigen Dokument werde erstmals die korrekte Vorgehensweise "systematisch beschrieben - von der ersten Meldung eines möglichen Verbrechens bis zum Abschluss" des Verfahrens, sagte Ladarias Stellvertreter Giacomo Morandi dem Portal "Vatican News". 

Adressaten des Handbuches sind vor allem professionelle Anwender des Kirchenrechts, wie Anwälte oder Richter an Diözesangerichten, Mitarbeiter der kirchlichen Rechtspflege, aber auch Bischöfe und Ordensobere, die über keine erweiterten Kenntnisse der Materie verfügen.

Defizite in der Rechtspflege

In dem Handbuch mahnt der Vatikan erneut die religiösen Institutionen zum offensiven Anzeigen der Taten bei staatlichen Stellen an. So heißt es in dem Handbuch, dass allen Informationen über mögliche Missbrauchsfälle sorgfältig nachgegangen werden müsse.

Allerdings macht die Veröffentlichung auch Defizite deutlich. Vielerorts scheint es in der katholischen Welt an kirchenrechtlichem Fachwissen zu fehlen.

Papst Franziskus beim Abschluss der Anti-Missbrauchskonferenz | Bildquelle: AFP
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Papst Franziskus beim Abschluss der Anti-Missbrauchskonferenz am 24.2.2019.

Ende der Vertuschung gefordert

Bei einem Anti-Missbrauchsgipfel 2019 hatten Experten eine Handreichung des Vatikans für den Umgang mit Verdachtsfällen und die Zusammenarbeit mit staatlichen Ermittlern angemahnt.

Der Gipfel war auf Initiative von Papst Franziskus entstanden, der mehrfach ein konsequentes Durchgreifen gegen Täter und das Ende der Vertuschung zugesagt hatte.

Opfer bemängeln aber weiter, dass Kirchenmänner vielerorts bei der Aufklärung bremsen und verschleiern würden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. Juli 2020 um 06:00 Uhr.

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