Petersdom

Vatikan zu Geschlechtern "Als Mann und Frau schuf er sie"

Stand: 11.06.2019 08:43 Uhr

Die päpstliche Haltung zu Geschlechterfragen ist bekannt, doch nun legt der Vatikan mit einem offiziellen Dokument nach. Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transmenschen in der Kirche zeigen sich entsetzt.

Der Vatikan hat sich offiziell gegen eine "Gender-Theorie" ausgesprochen, nach der Menschen ihr Geschlecht wählen oder ändern können. Fließende Grenzen zwischen Geschlechtern seien ein Symptom eines "konfusen Konzepts der Freiheit" und "momentaner Sehnsüchte", die für die postmoderne Kultur typisch seien, heißt es in einem Dokument der Kongregation für das katholische Bildungswesen. Die Schrift aus dem Vatikan richtet sich an katholische Lehrer, Eltern, Schüler und Geistliche.

"Auslöschung" der Geschlechter

Die Gender-Theorie sei eine "Ideologie, die den Unterschied (...) in der Natur eines Mannes und einer Frau leugnet und eine Gesellschaft ohne geschlechtliche Unterschiede vorsieht und somit die anthropologische Grundlage der Familie eliminiert".

Das Dokument mit dem Titel "Als Mann und Frau schuf er sie" wendet sich gegen eine Tendenz, "die Unterschiede zwischen Mann und Frau auszulöschen, indem man sie als bloße historisch-kulturelle Konditionierung versteht". Das Papier wurde am Montag vorgestellt.

Zehntausende Gläubige haben sich auf dem Petersplatz versammeltund feiern die Palmsonntagsmesse | Bildquelle: dpa
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Die Schrift aus dem Vatikan beklagt einen "Bildungsnotstand" bei der sexuellen Aufklärung.

Die katholische Kirche - und auch Papst Franziskus - sprechen sich immer wieder offen gegen die Gender-Theorie aus, weil dies der traditionellen Vorstellung von Mann und Frau als Eheleuten und Eltern widerspreche.

Kritik von New Ways Ministry

Der Verband New Ways Ministry, der für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transmenschen (LGBT) in der katholischen Kirche einsteht, kritisierte das Papier als "schädliches Werkzeug". Die "Fehlinformation in dem Dokument wird dazu führen, dass Familien ihre Kinder ablehnen". Zudem würden Homosexuelle sowie Transgender weiter diskriminiert.

Das Geschlecht werde "nicht nur durch sichtbare Genitalien bestimmt", heißt es in einer Mitteilung, "sondern auch durch Genetik, Hormone und Chemie - Dinge, die bei der Geburt nicht sichtbar sind". Der Vatikan bleibe im Mittelalter, "fördert die falsche Lehre und stützt sich auf Mythen, Gerüchte und Unwahrheiten."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Juni 2019 um 03:00 Uhr.

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