Vanillepflanze auf Madagaskar | Bildquelle: picture alliance / Arco Images

Sorgen auf Madagaskar Die bittere Seite der Vanille

Stand: 17.08.2018 10:22 Uhr

Rund 600 Euro kostet ein Kilo Vanille auf dem Weltmarkt. Von dem Preis-Boom bekommen die Bauern auf Madagaskar allerdings nichts ab: Sie verkaufen das Kilo für höchstens zehn Euro.

Von Jana Genth, ARD-Studio Johannesburg

Im Nordosten von Madagaskar, umspült vom Indischen Ozean, herrscht genau das richtige Klima für Vanillepflanzen. Aber so skurril es klingt: dort geht die Angst um. Denn wenn man durch die riesigen Plantagen läuft, kann man schon mal mit einer Machete bedroht werden.

Joseph Randriamarolaza ist Vanille-Farmer. Er hat gute Gründe dafür, mit seiner Waffe durch die Plantage zu laufen: "Die Diebe stehlen die Vanille, die wir anbauen. Die Vanilleschoten werden jetzt im August reif. Aber ab März kommen schon die Diebe, um das Gewürz zu stehlen." Die Bauern müssten auf den Feldern leben und die Pflanzen bewachen, den ganzen März, April, Mai, Juni, Juli - bis zum August, wenn geerntet wird, sagt er.

Sie leben dann in feuchtem Klima, unzählige Moskitos schwirren um sie herum. Die Bauern tun das, um ihre wertvolle Ernte zu bewahren. Reich werden sie am Ende damit jedoch nicht: Mehr als zwei Drittel der Menschen in der Sava-Region leben von der Vanille. Drei von vier Vanillebauern dort haben weniger als einen US-Dollar am Tag zur Verfügung. Suissara, die auch in der Sava-Region Vanille anbaut, sagt, dass sie Probleme hätten, weil sie nichts verdienen würden: "Die Vanille ist viel zu billig. Es lohnt sich nicht mehr. Wir bekommen einfach kein Geld dafür." Das ist die Sichtweise der Erzeuger.

Vanillepflanze auf Madagaskar | Bildquelle: picture-alliance/ dpa
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Vanillepflanze auf Madagaskar

600 Euro für ein Kilo Vanille

Wenn Suissara hört, was auf dem Weltmarkt für ein Kilo Vanille berappt wird, dann schaut sie ungläubig: Bis zu 600 Euro werden für ein Kilo Vanille gezahlt. Die Bauern auf Madagaskar bekommen mit Glück zehn Euro. Dass große Lebensmittelkonzerne wie Nestlé oder Unilever auch einen Großteil der Vanille aufkaufen, trägt zum Preisdruck bei.

Die Rechnung auf Madagaskar ist aber ganz einfach, sagt die Vanillefarmerin Suissara: "Nur wenn wir die Vanille verkaufen, können wir für unsere Kinder sorgen."

Frauen sortieren auf einem Markt auf Madagaskar Vanilleschoten. | Bildquelle: picture alliance / imageBROKER
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Frauen sortieren auf einem Markt auf Madagaskar Vanilleschoten.

Zyklone zerstörten Plantagen

Das Problem ist vielfältig. Dürren kommen dazu, immer wieder gab es Zyklone, die Teile der Plantagen zerstörten. Also ernten immer mehr Bauern ihre Schoten viel zu früh, wenn sie noch grün sind. Dann aber stimmt das Aroma nicht, genauso wenig der gezahlte Preis. "Wenn er runter geht, dann steht unser Verdienst in keinem Verhältnis zu dem Aufwand, den wir haben", sagt Joseph Randriamarolaza. "Bauern müssen jeden Tag arbeiten. Wir stecken all unsere Energie in die Vanille. Wenn der Preis nicht stimmt, dann leiden kleine Farmer. Das ist das größte Problem, das wir hier haben."

Wenn Vanille den Bauern auf Madagaskar trotz der hohen Weltpreise nichts einbringt, dann bauen sie auch schon mal andere Pflanzen an. Gewürznelken etwa, Pfeffer, Kakao, Kokosmüsse oder Reis. Das Problem dabei: wenn sich für sie der Vanille-Anbau wieder lohnt und sie zurück zur Vanille gehen, dann brauchen sie Geduld. Bis Vanillepflanzen erntereife Früchte bilden, dauert es drei bis vier Jahre.

Die Folge: Geringe Erntemengen könnten die Preisspirale weltweit antreiben. Vanille ist wegen der mäßigen Ernte im vergangen Jahr schon rar und teuer. Dabei gibt es noch keine Informationen dazu, wie die Ernte in diesem Jahr ausfällt: schließlich läuft sie noch.

Sorgen über Vanille auf Madagaskar
Jana Genth, ARD Johannesburg
17.08.2018 09:29 Uhr

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Über dieses Thema berichtete WDR 5 am 14. August 2018 um 18:05 Uhr in der Sendung "Profit".

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