Eine Gruppe Männer inspiziert die Schäden nach einem Luftangriff der saudischen Koalition in Sanaa. | picture alliance/dpa/AP

Nach Attacken auf Abu Dhabi Militärkoalition fliegt Gegenangriffe im Jemen

Stand: 18.01.2022 15:12 Uhr

Die von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition hat Luftangriffe auf die jemenitische Hauptstadt Sanaa geflogen. Mehrere Menschen wurden getötet. Das Bombardement wird als Vergeltungsschlag nach Attacken in Abu Dhabi gewertet.

Einen Tag nach den Angriffen in der emiratischen Hauptstadt Abu Dhabi hat die von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition mit Gegenangriffen im Jemen reagiert. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate gehören dem Militärbündnis an.

Berichten des staatlichen saudi-arabischen Fernsehsenders El-Echbarija zufolge waren "Lager und Hauptquartiere der Huthis" in Jemens Hauptstadt Sanaa das Ziel des Bombardements. Die Rebellengruppe hatte sich noch am Montag zu den Angriffen in Abu Dhabi bekannt.

Mehrere Tote und Verletzte

Durch die Luftangriffe wurden mehrere Menschen getötet: Die Nachrichtenagentur dpa berichtete von mindestens zwölf Todesopfern, die Nachrichtenagentur AFP sprach von mindestens elf getöteten Menschen. Zudem seien mehrere Personen verletzt worden. Das den Huthis nahestehende Informationsministerium in Sanaa gab bekannt, dass sich die Zahl der Opfer noch erhöhen könnte, da noch Anwohner unter den Trümmern von zerstörten Gebäuden verschüttet seien.

Der Staatssekretär des Informationsministeriums kritisierte, dass bei den Attacken auch Krankenwagen und Rettungskräfte angegriffen worden seien. Unter den Todesopfern seien auch Ärzte. Zudem habe es im Angriffsgebiet keine militärischen Ziele gegeben, stattdessen seien fünf Wohnhäuser getroffen worden.

Karte mit Jemen und Sanaa

Tanklastwagen und Flughafen attackiert

Im Jemen herrscht seit 2015 Krieg zwischen den von Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und anderen arabischen Staaten unterstützten Truppen von Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi und den Huthi-Rebellen, die vom Iran unterstützt werden. Die Attacke in Abu Dhabi am Montag war die erste der Huthis in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Ziel waren drei Tanklastenwagen, die in einem Industriegebiet explodierten. Auch nahe des internationalen Flughafens der Stadt brach ein Feuer aus.

Zunächst hieß es, die Angriffe seien mithilfe von Drohnen verübt worden. Nun erklärte Huthi-Militärsprecher Jahja Sari, dass die Rebellen Marschflugkörper eingesetzt hätten. Der Flughafen sei mit einer ballistischen Rakete beschossen worden. Durch die Attacken kamen nach bisherigen Angaben der Polizei drei Menschen ums Leben.

UN besorgt über Vielzahl an Angriffen im Jemen

Die Vereinten Nationen warnten vor einer weiteren Eskalation des Konflikts im Jemen. Seit Jahresbeginn habe das von Saudi-Arabien geführte Militärbündnis schon fast 840 Luftangriffe auf das Land geflogen. Im Dezember waren es demnach mehr als 1000.

Die UN mahnten alle beteiligten Staaten dazu auf, den Schutz von Zivilisten und zivilen Einrichtungen sicherzustellen. Bewusste Angriffe auf nicht-militärische Ziele werteten die UN in einer Erklärung als Kriegsverbrechen. Gleichzeitig betonten sie abermals, dass es "keine militärische Lösung für diesen Konflikt" geben könne.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. Januar 2022 um 13:20 Uhr und 23:41 Uhr.