Zahlreiche Blumen liegen vor der Schule von Uvalde | REUTERS

Schulmassaker von Uvalde Ranghoher Polizist beurlaubt

Stand: 18.07.2022 10:28 Uhr

Ein 18-Jähriger erschoss im Mai in Texas 19 Kinder und zwei Lehrkräfte. Die Polizei wurde wegen ihres zögerlichen Einsatzes heftig kritisiert - ein Bericht wirft ihr nun systemisches Versagen vor. Ein Beamter wurde beurlaubt.

Die Ermittlungen eines Untersuchungsausschusses zum Vorgehen der Polizei beim Schulmassaker in Uvalde haben erste personelle Konsequenzen nach sich gezogen. Der Beamte Mariano Pargas, der am Tag der Tat der geschäftsführende Polizeichef der texanischen Stadt war, sei beurlaubt worden, teilte Bürgermeister Don McLaughlin mit.

McLaughlin kündigte eine Untersuchung zur Frage an, ob Pargas an jenem Tag das Kommando über den Einsatz hätte übernehmen sollen. Die Stadt werde zudem sämtliche Aufnahmen der Körperkameras der Beamten freigeben, die während des Schulmassakers entstanden seien.

Mangel an Führungsqualitäten und effektiver Kommunikation

Vor der Beurlaubung des Polizisten hatte der Ausschuss in einem Bericht den Sicherheitskräften des Bundesstaates und des Bundes "systemisches Versagen" am 24. Mai vorgeworfen. Fast 400 Beamte verschiedenster Strafverfolgungsbehörden seien zwar zu der Grundschule in der Stadt Uvalde geeilt - es sei aber nicht rechtzeitig eingegriffen worden, heißt es in dem Bericht.

Es habe an Führungsqualitäten und effektiver Kommunikation gefehlt, heißt es in dem Bericht. Die Führungslosigkeit könnte zum Verlust von Menschenleben beigetragen haben, da der Täter über eine Stunde lang weiter um sich schießen konnte, obwohl die Einsatzkräfte bereits vor Ort waren. Der Bericht bescheinigte den 376 zur Schule geeilten Polizeibeamten verschiedener Strafverfolgungsbehörden "ein insgesamt untätiges Vorgehen." Unterm Strich hätten sie es versäumt, gemäß ihrer Ausbildung "die Rettung Unschuldiger über ihre eigene Sicherheit zu stellen."

"Wenn es nur eine Sache gibt, die ich Ihnen sagen kann, dann ist es, dass es mehrfaches systemisches Versagen gab", sagte der republikanische Abgeordnete Dustin Burrows bei einer Pressekonferenz. Der Bericht über den Polizeieinsatz am 24. Mai wurde von einem Untersuchungsausschuss des texanischen Repräsentantenhauses verfasst und am Sonntag an Angehörige verteilt.

19 Kinder und zwei Lehrerinnen starben

Ein 18 Jahre alter Schütze hatte bei der Tat in der Kleinstadt 19 Kinder und zwei Lehrerinnen getötet. Der Angreifer hatte in zwei miteinander verbundenen Klassenräumen mit einem Sturmgewehr auf seine Opfer geschossen. Die Polizei wurde wegen des zögerlichen Einschreitens heftig kritisiert. Nach der Tat änderte sie immer wieder ihre Angaben zum Ablauf des Geschehens. Es stellte sich schließlich heraus, dass die Polizei erst rund 75 Minuten nach ihrem Eintreffen den Täter überwältigte und tötete.

Es sei versäumt worden, die Rettung unschuldiger Opfer über die eigene Sicherheit zu stellen, hieß es weiter in dem 77-seitigen Bericht. Die begangenen Fehler seien nicht auf einen Mangel an Einsatzkräften zurückzuführen, sondern auf das Fehlen von Führungsqualitäten und effektiver Kommunikation. Mehrere Polizisten hätten die Szenen am Tatort als chaotisch beschrieben und nicht gewusst, wer überhaupt das Kommando habe. Niemand habe die Initiative ergriffen und das Kommando übernommen, hieß es weiter.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. Juli 2022 um 08:00 Uhr.