Biden und Trump im TV-Duell | AFP

US-Wahl Welche Wirtschaft wollen Biden und Trump?

Stand: 30.10.2020 12:45 Uhr

Am Dienstag steht den USA eine Richtungsentscheidung bevor - politisch, aber auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Denn die Kontrahenten Trump und Biden stehen für unterschiedliche ökonomische Ansätze.

Von Arthur Landwehr, ARD-Studio Washington

"Wir haben die beste Wirtschaftslage in der Geschichte des Landes!", sagte US-Präsident Donald Trump bei seiner "State of the Union"-Ansprache im Februar. Da war noch nichts davon zu spüren, dass die Coronakrise innerhalb von Tagen in eine tiefe Rezession führen würde. Vorher konnte Trump mit Recht sagen, dass so viele Amerikaner wie nie zuvor Arbeit hatten, dass Minderheiten Jobs fanden, dass die Löhne stiegen.

Arthur Landwehr ARD-Studio Washington

Lange lief für Trump alles nach Plan

Trumps wichtigste Instrumente damals: drastische Steuersenkungen, neuverhandelte Handelsverträge wie NAFTA mit Kanada und Mexiko, Strafzölle für China und die EU Länder, um amerikanische Unternehmen zu schützen. Trumps Handelsberater Peter Navarro sagt dazu heute: "Präsident Trump hatte erkannt, dass wir ein Strukturproblem hatten. Unsere Jobs waren exportiert, alles war überreguliert, im Weltvergleich hatten wir zu hohe Steuern."

Mit dem Beginn der Rezession stand Trump dann zunächst noch in einer Linie mit dem Kongress und der Notenbank, um drei Billionen Dollar in ein Rettungspaket und Konjunkturhilfen in den Markt zu pumpen. Doch die Zeiten der Kompromissbereitschaft sind lange vorbei. Beim Auflegen neuer Konjunkturspritzen blockieren sich Republikaner und Demokraten gegenseitig, dabei wären neue Hilfen dringend nötig.

Biden will Vermögensabgabe

Und was macht Trumps Herausforderer Joe Biden? Beim Konjunkturpaket ist er dabei, da will er sogar noch mehr investieren, vor allem um das Arbeitslosengeld aufzustocken und kleinere Unternehmen zu stützen. Trumps Steuerreform will er aber noch einmal reformieren, zum Beispiel Steuern anheben, damit Unternehmen ihren Anteil zahlen. Die Bestverdienenden mit mehr als 400.000 Dollar im Jahr will er zur Kasse bitten, um seine Programme zu finanzieren.

China eine klare Kante zu zeigen, das Land zu einer offeneren Wirtschaftspolitik zu zwingen, auch da ist Biden dabei. Aber Trumps Ansatz beim Handelsdefizit hält er für falsch: "Wir gehen den falschen Weg gegen China. China stiehlt geistiges Eigentum, aber Sie machen Auflagen für Geschäfte in China", wirft er dem Präsidenten vor.

Trump setzt auf alte Rezepte

Trumps Wirtschaftspolitik der vergangenen Jahre versuchte, an den goldenen Jahren von Energie, Stahl, Kohle und Autoindustrie anzuknüpfen. "Ich habe Fabriken nach Michigan gebracht", sagte er im Wahlkampf. Das sei der falsche Weg, findet Biden, Sackgasse Vergangenheit. Die Zukunft heiße saubere Energie, Klimaschutz. Und da sei viel Geld zu verdienen: "Diese Investitionen sind eine "Win-Win-Win"-Situation für das Land", sagt Biden. Drei Pluspunkte sieht er: neue Jobs, niedrigere Energiepreise, Klimaschutz.

Trump versucht im Wahlkampf, Bidens Wirtschaftspolitik mit Angst zu besetzen. Wenn Biden gewinne, gewinne China, sagt er. Beide Politiker nehmen für sich in Anspruch, eine Wirtschaftspolitik zu machen, die sich an Jobs orientiert. Der Unterschied: Trump folgt der von Ronald Reagan propagierten Theorie des "Hinabregnens", also mehr Geld für diejenigen, die investieren, weniger Belastung für Unternehmen - dann komme das Geld am Ende auch unten an. Biden dagegen will genau dort unten ansetzen: mehr Kaufkraft für alle, zum Beispiel durch höhere Mindestlöhne.

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Moderation 30.10.2020 • 21:53 Uhr

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