Donald Trump | dpa

Niederlage bei der Wahl Trump in der Defensive

Stand: 08.11.2020 12:40 Uhr

Noch weigert sich Trump, seine Niederlage bei der Präsidentschaftswahl anzuerkennen. Doch vor den Gerichten läuft es bislang nicht gut für ihn. Mit seiner Haltung verstößt er gegen gleich mehrere Traditionen. Die Frage ist: Wer sagt es ihm?

Von Eckart Aretz, tagesschau.de

Verlieren falle gerade ihm schwer, hat Donald Trump kürzlich eingeräumt - keine große Neuigkeit, aber eine in ihrer Offenheit dennoch überraschende Äußerung des US-Präsidenten, der sonst jede Art von Schwäche von sich weist.

Eckart Aretz tagesschau.de

Nun ist der Fall eingetreten und Trump hat die Präsidentschaftswahl verloren. Noch sträubt er sich mit allen Mitteln dagegen, die Niederlage anzuerkennen. Doch die Frage, wie lange er das durchhalten kann, wird lauter.

Die gerichtliche Auseinandersetzung geht weiter

Vorerst setzt Trump darauf, in zahlreichen Bundesstaaten das Ergebnis anzufechten. Stichhaltige Beweise für den von ihm behaupteten großflächigen Wahlbetrug hat sein Team bislang nicht vorgelegt. Und selbst wenn es ihm in einzelnen Bundesstaaten gelingen sollte, einen Teil der Briefwahlstimmen aus der Zählung zu nehmen, dürfte sein Rückstand in den umkämpften "Swing States" immer noch so groß sein, dass es für einen Sieg nicht reicht. Auch bei Neuauszählugen, wie sie Trump in Pennsylvania, Georgia und Wisconsin anstrebt, haben sich in der Vergangenheit nur geringfügige Abweichungen ergeben. Versuche, die Stimmauszählung in Michigan und Georgia stoppen zu lassen, wurden von den dortigen Richtern in dieser Woche abgelehnt.

Dennoch will Trump nach eigenen Worten bis vor das Oberste Gericht ziehen. Am Samstagabend, nachdem die großen TV-Anstalten und selbst sein "Haussender" Fox News Joe Biden zum Sieger ausgerufen hatten, bekräftigte er abermals seine Weigerung, seine Niederlage anzuerkennen. "Die einfache Tatsache ist, dass diese Wahl noch lange nicht vorbei ist", teilte er mit und warf den TV-Sendern eine Verschwörung zugunsten Bidens vor.

Wie verhalten sich die Republikaner?

Trump wird die Unterstützung seiner eigenen Partei brauchen, je länger sich der Streit hinzieht. Noch ist nicht erkennbar, wie sich die Republikaner verhalten werden, ob sie Trumps juristischen Feldzug mittragen oder ob sie ihn auffordern werden, sich zu fügen.

Bislang bleibt die republikanischen Partei auffällig still, so sehr, dass Trumps Söhne Eric und Donald jr. die Partei öffentlich aufforderten, ihren Vater zu unterstützen. Mitch McConnell, der Mehrheitsführer der Republikaner im Senat, äußerte sich bislang sehr zurückhaltend zum Streit um das Wahlergebnis, auf die Siegesmeldung reagierte er bislang überhaupt nicht.

Einzelne republikanische Senatoren und Gouverneure stellten sich dagegen öffentlich gegen die Betrugsvorwürfe, ebenso Trump-Gegner wie Mitt Romney oder Jeb Bush. Allerdings war ihr Einfluss in der Partei - wie der aller Gegner Trumps - stetig geschwunden und zuletzt nicht mehr nennenswert. Bemerkenswerter dagegen, dass selbst ein enger Unterstützer wie Ex-Gouverneur Chris Christie, der mit Trump noch für die TV-Duelle trainiert hatte, den Präsidenten öffentlich aufforderte, Fakten zu liefern oder seine Vorwürfe des Wahlbetrugs fallenzulassen.

Der Kampf um die Öffentlichkeit

Trump agiert immer mehr aus der Defensive. Im Kampf um die öffentliche Wahrnehmung schadet ihm auch, dass sein Verhalten zunehmend als unsportlich empfunden wird - eine Niederlage nicht zu akzeptieren und sich anhaltend zu beschweren, kommt in den Vereinigten Staaten schlecht an. Das erging schon Präsidentschaftskandidat Al Gore so, als Fox News im Jahr 2000 den republikanischen Bewerber George W. Bush noch während der Auszählung zum Sieger kürte und Gore zunehmend von der Öffentlichkeit gedrängt wurde, seine Niederlage einzugestehen. Am Ende scheiterte Gore vor Gericht.

Trump verstößt aber auch gegen die Tradition, derzufolge der unterlegene Kandidat dem Sieger in einem Telefonanruf, dem "concession call", gratuliert und dessen Sieg anerkennt. Ein solcher Anruf gehört zum festen Bestandteil einer Präsidentschaftswahl und der Wahlnacht und gleicht in einer säkularen Demokratie wie den USA fast schon einem heiligen Ritus.

Muss Kushner es ihm sagen?

Wird Trump zu so einem Eingeständnis irgendwann in der Lage sein? Seine Söhne und sein Anwalt Rudy Giuliani scheinen entschlossen, weiter zu kämpfen. Auch andere langjährige Berater wie Larry Kudlow oder Roger Stone bezweifeln, dass Trump von sich aus nachgeben wird.

Die Nachrichtenagentur AP will aber erfahren haben, dass sich im Weißen Haus die Stimmen derer mehren, die für eine geordnete Machtübergabe entsprechend der demokratischen Tradition des Landes plädieren. Sie sorgten sich um das historische Urteil über Trump, wenn er bei seiner Haltung bleibt. So solle sich Schwiegersohn und Berater Jared Kushner dafür ausgesprochen haben, dass Trump das Wahlergebnis anerkennt, auch wenn er die Niederlage nicht akzeptieren könne.

Wer immer diese Aufgabe am Ende übernimmt - ihm oder ihr dürfte kein angenehmes Gespräch bevorstehen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 08. November 2020 um 09:00 Uhr und 11:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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Anderes1961 08.11.2020 • 15:34 Uhr

@Robert Wypchlo

"Am 08. November 2020 um 14:55 von Robert Wypchlo Antwort auf den Kommentar >Das hat er aber. Und zwar Wirtschaftskriege< Ich wusste ja noch gar nicht, dass Konflikte in der Wirtschaft auch wie Kriege mit echten militärischen Mitteln geführt werden. Wissen Sie denn auch, ob Trump diese Wirtschaftskriege mit den modernsten Präzisionswaffen führte, wie Bush im Oktober 2001 in Afghanistan oder im Irak im Mai 2003?" Und Sie meinen, der kalte Krieg wäre dann mit Eis geführt worden? Es trägt Sie aus der Kurve, um mal fathaland slim zu zitieren. Ihre Argumentation wird immer wunderlicher.