Town Hall-Übertragungen in einer Bar in Tampa | REUTERS

Trump und Biden im Fernduell Angriffe - und Antworten

Stand: 16.10.2020 09:31 Uhr

US-Präsident Trump zeigte sich angriffslustig, sein Herausforderer Biden etwas ruhiger - aber immerhin konnte er anders als bei der ersten TV-Debatte beim gestrigen Fernduell ausreden.

Von Katrin Brand und Claudia Sarre, ARD-Studio Washington

Der Abend war erst wenige Minuten alt, da hatten die Faktenchecker schon zu tun. Er habe gehört, behauptete Donald Trump, dass 85 Prozent der Leute, die Maske tragen, sich das Virus einfangen. Das ist falsch. Doch der Präsident ließ sich nicht davon abbringen. Trump war voll im Wahlkampf-Modus: Angriffe statt Antworten, Attacke statt Klarheit. Die Wähler durften in seiner Town Hall nur die Stichwörter geben.

Katrin Brand ARD-Studio Washington
Claudia Sarre ARD-Studio Washington

Sein Herausforderer - Joe Biden - wirkte gegen den wahlkämpfenden Trump fast ein bisschen blass. Er musste hin und wieder auf seinen Spickzettel gucken, verhaspelte sich ein paar Mal, wirkte insgesamt aber doch sortiert und in sich ruhend. Seine Meinung über Masken unterschied sich gänzlich von der Ansicht Trumps: "Wenn wir Masken tragen, können wir bis zum Jahresende 100.000 Leben retten und einen Lockdown verhindern." 

Die Pandemie - überwunden oder Führungsversagen?

In der Welt von Trump ist die Pandemie schon so gut wie Geschichte. "Wir sind fast über den Berg, der Impfstoff kommt, die Therapien kommen", sagte der Präsident. Er selbst fühle sich nach seiner Erkrankung wieder prächtig. Nur, ob er am Tag der Fernsehdebatte mit Biden getestet worden sei, daran konnte er sich partout nicht mehr erinnern.

Joe Biden holte beim Thema Corona zum vernichtenden Schlag gegen den amtierenden Präsidenten aus. Zwar wollte er sich nicht auf eine nationale Impfpflicht festlegen, aber beim Managen einer Pandemie sollte es einen nationalen Standard geben, ereiferte er sich. "Wir erinnern uns, er hat alles den Gouverneuren überlassen, aber ein Präsident hat die Verantwortung zu führen."

Trump räumt Verschuldung ein

Eine Überraschung gab es dann doch: Auf seine Finanzen angesprochen, gab Trump zu, dass er tatsächlich rund 400 Millionen Dollar Schulden hat, so wie es die "New York Times" behauptet. Aber das sei nur ein winziger Prozentsatz seines Vermögens, so der Präsident. Seine Steuererklärung wolle er aber weiterhin nicht veröffentlichen.

Ganz im Gegensatz zum letzten TV-Duell, das wegen Trumps fortwährender Unterbrechungen absolut chaotisch ablief, bekam Biden diesmal jede Menge Redezeit. Er gab detailliert Auskunft zu Themen, die vom Strafjustizsystem über den Umweltschutz, die Krankenversicherung bis hin zur sozialen Ungerechtigkeit reichten.

Zankapfel Supreme Court

Und er machte noch einmal klar, was er von der möglichen Ernennung von Amy Coney Barrett zur neuen Richterin am Supreme Court hält: "Es ist widersprüchlich, wenn Millionen Menschen schon wählen, jemanden für das Oberste Gericht zu ernennen. Es sollte aufgeschoben werden, bis die Wahl vorbei ist."

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 16. Oktober 2020 um 05:38 Uhr.