Stimmenauszählung in Atlanta, Georgia | ERIK S LESSER/EPA-EFE/Shuttersto

Stand der US-Wahl Biden vorne - Trump klagt

Stand: 05.11.2020 07:31 Uhr

Biden hat die Bundesstaaten Michigan und Wisconsin gewonnen und sieht sich auf der Zielgeraden. Trump bemüht die Gerichte. In Pennsylvania könnten auch am Freitag noch letzte Stimmen ausgezählt werden.

Demokrat Joe Biden geht als Favorit auf die Zielgerade, während in den USA die letzten Stimmen bei der Präsidentenwahl ausgezählt werden. Nach dem Gewinn wichtiger Bundesstaaten scheint der Herausforderer Biden nur noch wenige Schritte vom Weißen Haus entfernt, und das obwohl Amtsinhaber Donald Trump bereits gestern den Sieg für sich erklärt hatte. In mehreren Bundesstaaten schickte Trump seine Anwälte mit Klagen los.

Laut CNN kommt Biden inzwischen auf 253 der für einen Sieg bei der Präsidentenwahl nötigen 270 Stimmen von Wahlleuten, Trump liegt bei 213. Als offen gilt das Rennen noch unter anderem in Pennsylvania, North Carolina, Georgia und Nevada.

Biden holt in Pennsylvania und Georgia auf

In Pennsylvania und Georgia führte zunächst Trump, Biden holte aber auf, je mehr Briefwahl-Stimmen ausgezählt wurden. In Nevada, das sechs Stimmen von Wahlleuten bringt und Biden damit eine Punktlandung bescheren könnte, hielt Biden in der Nacht zum Donnerstag eine knappe Führung.

Anhänger der Demokraten neigten inmitten der Corona-Pandemie eher dazu, ihre Stimmzettel per Post zu verschicken als die Republikaner. Da es bei der US-Post Verzögerungen gab, sollen in Pennsylvania noch Briefwahlunterlagen gültig sein, die bis zum Nachmittag am Freitag ankommen. Trump und die Republikaner ziehen erneut dagegen vor Gericht.

Trump klagt in mehreren Bundesstaaten

Vor der Wahl hatte das Oberste Gericht der USA die Regelung zwar zugelassen. Drei Konservative unter den insgesamt neun Richtern zeigten sich aber offen dafür, das Thema nach der Wahl noch einmal aufzugreifen. Trump klagte auch in anderen Bundesstaaten. In Michigan, wo Biden führt, will er die Auszählung aussetzen lassen, bis seine Beobachter näher an die auswertenden Mitarbeiter heran dürfen.

In Wisconsin verlangt Trump eine Neuauszählung angesichts eines knappen Rennens. Absehbar ist, dass es noch etwas dauern könnte, bis es Klarheit gibt. So will Nevada frische Informationen zum Stand der Auszählung erst wieder gegen 9 Ortszeit (18 Uhr MEZ) mitteilen.

Trump behauptet einen "Wahlbetrug"

Noch in der Wahlnacht hatte Trump von "Wahlbetrug" gesprochen. Sein Anwalt Rudy Giuliani sagte bei einer Pressekonferenz in Philadelphia: "Sie werden damit nicht davonkommen. Sie werden diese Wahl nicht stehlen. Diese Wahl wird vom Volk entschieden."

Auch Eric Trump, der Sohn des Präsidenten, warf den Demokraten Wahlbetrug vor. "Die Demokraten wissen, dass sie die Präsidentschaftswahl nur durch Betrügereien im US-Bundesstaat Pennsylvania gewinnen können. Das habe man vom ersten Tag an gesehen."

Der demokratische Gouverneur von Pennsylvania, Tom Wolf, reagierte umgehend: Er werde alles in seiner Macht stehende tun, um sicherzustellen, dass jede Stimme ausgezählt wird.

In Arizona mussten noch über 500.000 Stimmen ausgezählt werden. Hier ist die Lage eng: AP und Fox News schlugen den Bundesstaat mit elf Wahlleuten Biden zu, die anderen Sender noch nicht.

Biden selbst sah sich vor Trump. "Jetzt, nach einer langen Nacht des Zählens ist es klar, dass wir genug Staaten gewinnen, um 270 Wahlstimmen zu erreichen, die erforderlich sind, um die Präsidentschaft zu gewinnen", sagte er gestern in Wilmington (Delaware).

"Ich werde als amerikanischer Präsident regieren", versprach Biden, der sich trotzdem noch nicht zum Sieger ausrief. "Es wird keine roten Staaten oder blauen Staaten geben, wenn wir gewinnen. Nur die Vereinigten Staaten von Amerika." Rot ist die traditionelle Farbe der Republikaner, Blau die der Demokraten.

Übereinstimmenden Medienberichten zufolge gewann Biden die umkämpften Bundesstaaten Michigan und Wisconsin gegen Trump.

Trump hat besser abgeschnitten als prognostiziert

Trump schnitt bei der Wahl insgesamt deutlich besser ab als nach Umfragen erwartet. Der drei Jahre ältere Biden verfehlte den von den Demokraten erhofften klaren Sieg und musste sich unter anderem in Florida und Texas dem republikanischen Präsidenten geschlagen geben. Vor der Wahl hatte das Statistikportal "FiveThirtyEight" nur eine Wahrscheinlichkeit von rund zehn Prozent für einen Sieg Trumps errechnet.

Der US-Präsident wird nicht direkt von den Bürgern gewählt, sondern von Wahlleuten. Deren Stimmen gehen mit Ausnahme der beiden Staaten Nebraska und Maine vollständig an den Sieger in dem jeweiligen Bundesstaat. Für den Einzug ins Weiße Haus sind 270 Stimmen nötig. 2016 hatte Trump zwar landesweit weniger Wählerstimmen als Hillary Clinton geholt, aber mehr Wahlleute für sich gewonnen.

Mit Informationen von Nicole Markwald, ARD-Studio Los Angeles

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. November um 09:00 Uhr.