US-Präsident Trump im Wahlkampf | Bildquelle: REUTERS

Trump-Hochburg von 2016 Prinzip Hoffnung im "Rust Belt"

Stand: 24.10.2020 16:10 Uhr

Der "Rust Belt" gilt als industrielles Herz der USA. Trump hat hier 2016 viele Stimmen geholt - weil er Jobs und Wohlstand versprach. Eingelöst hat er die Versprechen aber nur zum Teil.

Von Julia Kastein, ARD-Studio Washington

Juni 2016 auf einer Wahlkampfveranstaltung von Donald Trump in Monessen, 20 Kilometer südlich von Pittsburgh im US-Bundesstaat Pennsylvania: Vor einer Kulisse aus Recycling-Aluminium verspricht der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump damals die Renaissance des "Rust Belt" und viele gut bezahlte neue Jobs.

Stacy Wolford, Redakteurin bei der Lokalzeitung "Mon Valley Independent", steht an diesem Tag mit in der Menge. Aufregend sei Trumps Besuch gewesen, erinnert sie sich. Früher lebten in der Stadt Monessen mehr als 20.000 Menschen, Jetzt sind es nur noch etwa 7000. 7000 Arbeiter schufteten in den beiden Stahlwerken am Ufer des Monongahela - doch die gibt es schon seit Ende der 80er-Jahre nicht mehr.

"Wir brauchen doch alle Hoffnung"

Trump habe damals viel Hoffnung mitgebracht, erinnert sich Wolford: "Die Stahlhütten-Industrie ist schon seit Jahren tot. Und seitdem quälen wir uns dahin, in all den kleinen Städten entlang des Flusses kann man die Verwahrlosung sehen. Er hat neuen Enthusiasmus, neue Begeisterung verbreitet. Ich glaube, die Leute wollten auch daran glauben. Schließlich brauchen wir doch alle Hoffnung.“

Nur noch ein Großbetrieb aus der Montan-Ära existiert in Monessen: Eine Kokerei. Joe Como, Bezirkschef der Gewerkschaft United Steelworkers, steht am Zaun des riesigen Werksgelände direkt in der Ortsmitte. "Momentan läuft die Kokerei im Notbetrieb - wegen der Corona-Pandemie. Mehr als die Hälfte der knapp 200 Mitarbeiter wurden entlassen", sagt er.

Vor vier Jahren siegte Trump hier in Pennsylvania knapp. Auch, weil viele Gewerkschafter - sonst demokratische Stammwähler - für ihn stimmten. Und viele werden das auch diesmal tun, fürchtet Joe Como: "Warum Gewerkschaftsleute Trump mögen - ich weiß es nicht. Hauptsächlich ist es wohl die Art, wie er redet. Das er einfach sagt, was ihm in den Sinn kommt. Aber die Gewerkschaftsleute verstehen einfach nicht, dass die Republikaner die Gewerkschaften schwächen wollen."

Boom in Finleyville

Nur ein paar Meilen entfernt, auf einem Hügel über der Ortschaft Finleyville, hat die Walter Long Manufacturing Company ihren Sitz. Vor der Eingangstür zum kleinen Bürogebäude steht ein blaues Schild: "Trump ist mein Präsident." David Long führt das Familienunternehmen mit seinem Bruder.

Ihre Kunden seien vor allem Unternehmen in der Kohle- und Erdgasindustrie, sagt Long. In der Obama-Ära sei das Kohle-Geschäft wegen strengerer Auflagen fast komplett eingebrochen. Mit der Wahl 2016 war schlagartig alles anders: "Trump wurde gewählt. Und am Tag danach - es war, als hätten all die großen Firmen nur darauf gewartet - ging es los. Die nächsten zwei Jahre hat das Geschäft geboomt. Es war super viel zu tun." 

Und auch wenn es wegen der Pandemie gerade nicht so gut läuft, will er Trump wiederwählen: "Ich habe einfach Angst, dass wenn der andere Typ gewählt wird, hier dann alles weg ist."

In Monessen kommt der Aufschwung nicht an

Zurück in Monessen ist vom versprochenen Aufschwung allerdings nichts zu spüren. Viele Häuser stehen leer und sind verwahrlost. Eine Veränderung aber hat Trumps Besuch vor vier Jahren mit bewirkt: Der langjährige demokratische Bürgermeister wurde abgewählt. Matt Shorraw ist der Neue, ebenfalls Demokrat: "Mein Vorgänger hatte Trump hierher eingeladen - und hat bei der Gelegenheit viele hässliche Dinge gesagt. Zum Beispiel: Wenn der Islamische Staat nach Monessen käme, würden sie gleich wieder umdrehen, weil die Stadt aussieht, als sei sie schon bombardiert worden", erzählt er. "Das hat mich echt geärgert. Also habe ich beschlossen, gegen ihn zu kandidieren."

Und jetzt hofft der erst 26-jährige Shorraw, dass seine Partei etwas aus Trumps Auftritt hier gelernt hat: "Biden muss auch raus und die kleinen Orte besuchen. Auch wenn es wegen der Pandemie schwer ist. Aber ich glaube, viele Menschen in Städten wie Monessen fühlen sich vergessen. Und es ist ganz wichtig für alle Städte und Dörfer, sich nicht vergessen zu fühlen."

Der Rust Belt zwischen Hoffen und Bangen
Julia Kastein, ARD Washington
21.10.2020 13:22 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 15. Oktober 2020 um 18:30 Uhr.

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