Polizisten bewachen den trump Tower in New York. | Bildquelle: JASON SZENES/EPA-EFE/Shutterstoc

Trump Tower abgeriegelt New York rüstet sich gegen Gewalt

Stand: 04.11.2020 01:32 Uhr

Während die Wähler im traditionell demokratischen New York zur Urne gehen, bereitet sich die Polizei auf mögliche Ausschreitungen vor. Noch nie war die Sorge vor Gewalt in der Wahlnacht so groß wie diesmal.

Von Peter Mücke, ARD-Studio New York

Osama Miro aus Williamsburg wollte ganz sichergehen. Gleich morgens machte er sich auf den Weg zum Wahllokal - anders als vor vier Jahren: "Ich war mir damals sicher, dass Hillary Clinton gewinnt. Also bin ich zu Hause geblieben", erzählt er. "Beim letzten Mal habe ich gelernt, dass jede Stimme zählt."

Was im US-amerikanischen Wahlsystem allerdings nur bedingt stimmt. Denn egal, ob der 26-Jährige seine Stimme abgibt oder nicht: New York mit seinen 29 Wahlleuten wird sowieso an die Demokraten gehen. Hillary Clinton lag vor vier Jahren 21 Prozentpunkte vor Donald Trump. Genutzt hat es nichts, denn die Wahl ging in den wichtigen Swing States verloren. Und so ist Wählen in New York eher eine symbolische Handlung.

Sorge vor Trumps Reaktion auf eine mögliche Niederlage

"Wir brauchen einen Erdrutschsieg für Biden. Das könnte helfen, wenn am Ende die Wahl vor Gericht geht", sagt Miro. Das war zuletzt vor 20 Jahren so, als am Ende der Supreme Court, der Oberste Gerichtshof der USA, entscheiden musste, ob George Bush oder Al Gore in Florida gewonnen hatte und damit ins Weiße Haus einziehen durfte. Soweit könnte es auch dieses Jahr kommen, befürchtet Miro: "Zum ersten Mal in meinem Leben bin ich in einem Land, in dem ein friedlicher Machtwechsel nicht sicher ist."

In der Tat hat sich US-Präsident Trump bis zuletzt vor der Antwort gedrückt, ob er eine Wahlniederlage akzeptieren würde. Stattdessen streut er seit Monaten Gerüchte über unsichere Briefwahlen und andere angebliche Unregelmäßigkeiten. "So kritisch ich das Militär auch sehe: Am Ende befolgt es Befehle und wird dafür sorgen, dass Trump das Weiße Haus verlässt. Das beruhigt mich etwas", sagt Miro.

Trump-Tower in Manhattan ist abgeriegelt

Wie viele Großstädte in den USA hat sich auch New York auf gewalttätige Proteste in der Wahlnacht eingestellt. Am vergangenen Wochenende war es zu kleineren Zusammenstößen gekommen. Inzwischen hat die Polizei den Trump-Tower in Manhattan weiträumig abgeriegelt - auch wenn der Präsident ohnehin in Washington bleiben will. Vereinzelt haben Geschäftsleute in Manhattan Schaufenster mit Sperrholz vernagelt.

"Das sind alles hundertprozentige Vorsichtsmaßnahmen", sagt der New Yorker Polizeichef Dermot Shea. "Wir haben keinerlei Hinweise darauf, dass es Plünderungen geben wird wie am Rande der Black Lives Matter Proteste. Aber eins sollte allen New Yorkern klar sein: Die Polizisten da draußen werden Nulltoleranz walten lassen."

Ein Demonstrant schreit Polizisten in Manhattan an. | Bildquelle: REUTERS
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In den vergangenen Wochen war es in New York bereits zu Demonstrationen gegen Präsident Trump gekommen.

"Die aktuelle Regierung will spalten"

Der 60 Jahre alte James Cruz, der am Morgen in Bushwick wählen gegangen ist, macht sich Sorgen, was die kommenden Tage bringen werden: "Die Spaltung des Landes ist so tief. Und ich befürchte, dass sich das entladen wird", sagt er. "Vielleicht nicht hier in New York, aber anderswo. Die aktuelle Regierung will spalten. Und das macht mir Sorgen."

Über dieses Thema berichtete mdr Aktuell am 04. November 2020 um 05:25 Uhr.

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