Wähler stehen vor einem Wahllokal in einer Schule in New York Schlange, USA | REUTERS

US-Wahl Andrang in Manhattan, Flaute in der Bronx

Stand: 03.11.2020 17:19 Uhr

Schon vor Öffnung der Wahllokale haben sich in New York lange Schlangen gebildet. Zumindest in Manhattan - in der Bronx ist noch wenig Andrang. Die Stimmung ist indes überall angespannt. Viele befürchten Unruhen.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

Lange vor Sonnenaufgang herrscht Hochbetrieb vor der Kirche an Manhattans wohlsituierter Upper West Side. Die Schlange zieht sich in der Kälte bereits um zwei Häuserblocks. Nicht zum Gottesdienst, sondern zur Stimmabgabe wollen die Wartenden.

Antje Passenheim ARD-Studio New York

Stefan, ein eingebürgerter Deutscher, steht ganz vorn: "Letztes Jahr um zehn vor sechs waren drei Leute vor mir. Heute sind es 30", sagt er. Jede Wahl sei wichtig, aber diese hier besonders. Und die Frau hinter ihm in der Schlange sagt, warum das für sie so ist: "Das Land ist so geteilt. Wir brauchen ein politisches Oberhaupt, das uns wieder vereint und daran erinnert, dass wir mehr Gemeinsames als Teilendes haben."

Demokratische Hochburg

Für viele New Yorker ist das nicht der amtierende Präsident. In der demokratischen Hochburg rechnen die Republikaner nicht mit vielen Wählerstimmen. Das letzte Mal, dass der Big Apple einen Konservativen ins Weiße Haus gewählt hat, war Ronald Reagan 1984.

Doch garantiert ist die blaue Wahl, die demokratische, nicht, meint der 24-jährige Wahlhelfer Juan in Brooklyn: "Ich will hier Geld verdienen, aber auch meinem Land helfen. Ich glaube, Trump könnte diese Wahl gewinnen. Das ist schlecht. Aber viele Leute sind gerade sehr verwirrt."

Stimmen der Latinos könnten entscheidend sein

Doch vor seinem Wahllokal herrscht Flaute. Es liegt zwischen Blocks von Sozialwohnungen. In der Gegend wohnen hauptsächlich Menschen mit kleinem Einkommen. Leer ist es auch noch vor den Wahlstationen in der Bronx. Dabei buhlen Biden und Trump gleichermaßen um die Stimmen der Latinos, die hier leben. Sie könnten das Wahlergebnis ebenso stark beeinflussen wie Erstwähler und Frauen - auch aus den Vorstädten des Mittleren Westens.

"Diesmal fühlt es sich hässlich an"

James Wines zog aus Flint in Michigan nach New York. Er wartet vor einem Wahllokal in Brooklyn und vergleicht die Wählerstimmung mit dem Jahr 2008: "Als Obama gewählt wurde, zogen sich die Wähler-Schlangen auch über mehrere Blöcke." 

Aber diesmal fühle es sich anders an als "Yes, we can": "Ich wünschte, ich könnte es sagen. Aber diesmal fühlt es sich hässlich an. Ich traue Trump nicht zu, dass er das Richtige tut", sagt er.

Polizisten und private Sicherheitstrupps halten sich bereit

Viele New Yorker fürchten, es könnte Unruhen geben. Viele wollen sich daher auch für die nächsten Tage lieber zu Hause aufhalten. Der Big Apple ist seit der vorangegangenen Nacht völlig verschalt. Geschäfte, Hotels und Banken sichern sich mit Holzwänden vor den Fenstern vor möglichen Plünderern, sollte es Krawalle geben. Rund um den Trump Tower bremsen Straßensperren den Verkehr aus. Tausende Polizisten, private Sicherheitstrupps und Bürgerinitiativen halten sich bereit.

 

Über dieses Thema berichtete WDR 5 am 03. November 2020 um 06:48 Uhr.