US-Präsident Trump beim Wahlkampfauftritt in Florida | CRISTOBAL HERRERA-ULASHKEVICH/EP

Trump in Florida "Könnte jeden im Publikum küssen"

Stand: 13.10.2020 07:13 Uhr

In den Umfragen liegt Trump deutlich hinter Biden, doch nun ist er nach negativen Corona-Tests zurück auf Wahlkampftour. Von seiner Erkrankung war nichts zu bemerken: Er zeigte sich in Florida in Bestform.

Von Claudia Sarre, ARD-Studio Washington

Gut zehn Tage nach seiner Corona-Diagnose kehrt US-Präsident Donald Trump offiziell in den Wahlkampf zurück, und er ist von Minute eins auf Betriebstemperatur. Hunderte Anhänger mit knallroten "Make America Great Again"-Kappen sind in den Flugzeug-Hangar in Sanford, Florida, gekommen, um das überraschend schnelle Comeback ihres Präsidenten zu feiern.
Nur wenige Besucher tragen Masken oder halten die Abstandsregeln ein - und das, obwohl die Corona-Infektionszahlen in den meisten Bundesstaaten wieder dramatisch ansteigen.

Claudia Sarre ARD-Studio Washington

Auf seine Covid-Erkrankung geht Trump nur kurz ein: "Ich bin da durchgegangen, jetzt - sagen sie - bin ich immun, und ich fühle mich so stark, dass ich ins Publikum gehen und jeden küssen könnte."

Schnelltests waren negativ

Tagelang war über den Gesundheitszustand des Präsidenten spekuliert worden, doch kurz vor der Wahlkampfrally in Florida haben seine Ärzte bekannt gegeben, dass Trump mehrfach negativ auf das Coronavirus getestet worden sei. Mehrere Schnelltests hätten gezeigt, dass der Präsident nicht mehr ansteckend sei.

Von Schwäche oder gar Erschöpfung war bei Trumps rund einstündigem Auftritt tatsächlich rein gar nichts zu spüren. Ganz im Gegenteil: Er war in Höchstform, als es darum ging, seinen Rivalen Joe Biden runterzumachen. "Sleepy Joe Biden - übrigens kein netter Kerl - hatte heute keinen guten Tag", sagte Trump, "er hat Mitt Romneys Namen vergessen, er wusste noch nicht mal, in welchem Bundesstaat er war." Trump macht sich regelmäßig über die angebliche Vergesslichkeit seines 77-jährigen Kontrahenten lustig.

Demokrat Biden liegt in Umfragen vorn

Doch während er seine Corona-Erkrankung auskurierte, machte sein Herausforderer fleißig Wahlkampf und jettete von einem Bundesstaat zum nächsten. Nun muss Trump Zeit wettmachen - schließlich liegt er in den Umfragen hinter Biden. Auch in dem für die Wahl so wichtigen Swing State Florida. "Wir werden Florida haushoch gewinnen. Wir werden viele Staaten haushoch gewinnen. Wir führen in Arizona, Nevada, und ich glaube auch in Pennsylvania", so Trump weiter. Tatsächlich liegt in allen drei Staaten derzeit Biden zum Teil deutlich in Führung.

In Pennsylvania will Trump am Dienstagabend auftreten, am Mittwoch steht Iowa auf dem Programm. Der Bürgermeister von Iowas Hauptstadt Des Moines hat bereits Bedenken geäußert. Der Bundesstaat ist besonders hart von der Corona-Pandemie getroffen, und ein Superspreader-Event möchte man dort auf jeden Fall vermeiden.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 13. Oktober 2020 um 05:37 Uhr.