Biden-Unterstützer haben sich vor dem Pennsylvania State Capitol in Harrisburg versammelt. | AP

US-Wahl 2020 Rekorde, Pleiten und Premieren

Stand: 08.11.2020 21:44 Uhr

Gleich zweifach die meisten Stimmen, eine seltene Pleite und die erste Trans-Senatorin: Der Urnengang in den USA brachte nicht nur bei der Präsidentschaftswahl viele Besonderheiten. Ein Überblick.

Enorme Wahlbeteiligung - von der beide Parteien profitieren

Mit bislang rund 150 Millionen ausgezählten Stimmen ist die Beteiligung an der Abstimmung 2020 gleich in mehrfacher Weise bemerkenswert: Joe Biden erhielt bislang mehr als 75 Millionen Wählerstimmen - so viele wie noch nie ein Kandidat. Donald Trump erhielt bis jetzt mehr als 71 Millionen Stimmen - der zweithöchste Wert. Das sei "auf die höchste Wahlbeteiligung seit 1900 zurückzuführen", schrieb die Zeitung "The Observer". Wie hoch sie an Ende ausfällt, steht noch nicht fest, weil immer noch in allen Bundesstaaten Stimmen ausgezählt werden.

Bemerkenswert ist auch die hohe Zahl der Wahlberechtigten, die sich am "Early Voting" beteiligten: Bis einschließlich 2. November waren es mehr als 100 Millionen Menschen, von denen viele die Briefwahl nutzen. Nach Zahlen der Monitoring-Seite "U.S. Elections Project" gaben nur etwa 35 Prozent der Demokraten-, aber fast 42 Prozent der Republikaner-Anhänger ihre Stimme persönlich ab.

Umfragen - lagen sie wieder daneben?

Nach dem überraschenden Trump-Sieg 2016 waren die zum Teil heftig danebenliegenden Umfragen ein großes Thema. Vor dieser Wahl war Biden ein Vorsprung von sieben bis acht Prozentpunkten vor Trump prognostiziert worden - jetzt zeichnet sich ab, dass er am Ende der Auszählung nur mit vier bis fünf Punkten führen wird. Dieser Unterschied bewegt sich noch im Rahmen des Erwartbaren. Auch in einigen umkämpften Bundesstaaten wie Georgia, Arizona, Nevada, Michigan und North Carolina erwiesen sich die Umfragen als aussagekräftig.

In Wisconsin, Florida, Ohio, Iowa und Texas lagen sie aber weit daneben - in manchen dieser Staaten sogar ähnlich weit wie 2016. Was bei fast all diesen Abweichungen gleich ist: Trumps Stimmenanteil wurde unterschätzt. Nun werden US-Meinungsforscher sich erneut einige Fragen stellen müssen.

Nach nur einer Amtszeit abgewählt

Trump wird 2021 keine zweite Amtszeit antreten - das kam in der etwa 230-jährigen Geschichte des Amts gar nicht so häufig vor: Nur neun der bislang 45 US-Präsidenten wurden nie mehr wiedergewählt, wenn sie am Ende ihrer ersten Amtszeit erneut kandidierten. Donald Trump ist der zehnte in dieser Reihe - und der vierte seit dem Zweiten Weltkrieg.

George Bush senior von 1989 bis 1993 und Jimmy Carter von 1977 bis 1981 waren nur eine vollständige Amtszeit lang Präsident. Gerald Ford, der 1974 Richard Nixon wegen des Watergate-Skandals ersetzte, amtierte nur drei Jahre von 1974 bis 1977. Herbert Hoover wurde bei seiner Niederlage gegen Franklin D. Roosevelt die 1933 Weltwirtschaftskrise zum Verhängnis. Viel weiter zurück liegen die Niederlagen nach der ersten Amtszeit von William Howard Taft, Benjamin Harrison, Grover Cleveland, John Quincy Adams und John Adams.

Der Demokrat Martin Van Buren bildet eine Ausnahme, da er zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal Kandidierte: Er verlor die Präsidentschaftswahl von 1840 gegen William H. Harrison von der "Whig Party", trat aber acht Jahre später noch einmal für die "Free Soil Party" an - ohne Erfolg, das Rennen machte Zachary Taylor.

Erfolgreiche Pionier-Kandidaten

Auch wenn aus dem von vielen Demokraten erhofften Erdrutschsieg Bidens nichts wurde: Vielen seiner Anhänger macht die Tatsache Mut, dass bei den parallel zur Präsidentschaftswahl stattfindenden Kongresswahlen etliche Angehörige von Minderheiten die nationale politische Bühne betraten. Mit Bidens "running mate" Kamala Harris wird die erste Frau, die erste Schwarze und die erste US-Amerikanerin mit indischen Wurzeln zur Vizepräsidentin.

Als erste Transfrau, die ihre Identität öffentlich bekannt machte, zog die Demokratin Sarah McBride für den Bundesstaat Delaware in den Senat ein. In Oklahoma zog mit Mauree Turner erstmals eine nichtbinäre - also weder ausschließlich männliche oder weibliche - Person und zugleich erstmals eine Person muslimischen Glaubens in das Parlament des Bundesstaats ein - auch in Vermont und Kansas sitzen mit Taylor Small und Stephanie Byers erstmals zwei Transfrauen im Parlament. Auch in New York, Georgia und Tennessee setzten sich Angehörige der LGBTQ-Gemeinschaft durch - unter ihnen zwei schwarze Männer.

Ladenbesitzerin mit der neuen Flagge des US-Bundesstaas Mississippi | AP

Auf der bisherigen Flagge des Bundesstaats Mississippi war auch die Flagge der Konföderierten zu sehen. Die neue kommt ohne aus. Bild: AP

Votum gegen Relikte der Segregation

Im Wahljahr 2020 wurde die Debatte um strukturellen Rassismus und rassistische Gewalt in den USA heftiger als zuvor in der breiten Öffentlichkeit ausgetragen. In Alabama stimmten die Menschen am 3. November mehrheitlich dafür, rassistische Relikte aus der Verfassung des Staates zu nehmen - Gerichte hatten diese längst als verfassungswidrig eingestuft. In Utah und Nebraska werden Sätze aus der Verfassung gestrichen, die bei Verbrechen Sklaverei als Bestrafung erlaubten.

In Rhode Island votierten die Wahlberechtigten mit knapper Mehrheit dafür, den offiziellen Namen des Staates zu ändern: Künftig wird Rhode Island nicht mehr den Zusatz "and Providence Plantations" haben. Vor zehn Jahren war ein ähnlicher Vorstoß noch gescheitert.

Mississippi wird seine Staatsflagge ändern, die bislang die Bürgerkriegsflagge der Konföderierten Staaten in sich trug: 71 Prozent der Wähler stimmten für eine Magnolie und die Worte "In God We Trust" als neues Motiv.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. November 2020 um 20:00 Uhr.