Joe Biden | AFP

US-Wahl Biden gewinnt auch in Michigan

Stand: 04.11.2020 23:07 Uhr

Die Chancen Bidens auf das Amt des US-Präsidenten steigen: Nach Wisconsin hat der Demokrat nun auch im Swing State Michigan gesiegt. Das Trump-Team kündigte bereits rechtliche Schritte in mehreren Staaten an.

Der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden hat nach Wisconsin auch den umkämpften Bundesstaat Michigan gewonnen und sich damit weitere 16 Wahlleute gesichert. US-Medien riefen ihn zum Sieger in dem Swing State aus.

Für Biden ist der Erfolg in Michigan ein wichtiger Etappensieg. Er muss nun nur noch in Pennsylvania oder zwei anderen Bundesstaaten gewinnen, um auf die nötige Anzahl von 270 Wahlleuten zu kommen und die Wahl gegen Amtsinhaber Donald Trump zu gewinnen. Derzeit steht der Demokrat bei 253 Wahlleuten. Mehrere US-Medien schätzen auch seinen Vorsprung in Arizona als uneinholbar ein. Damit läge Biden bei 264 Wahlleuten. Um Präsident zu werden, muss sich ein Kandidat mindestens die Stimmen von 270 Wahlleuten aus den Bundesstaaten sichern.

Biden glaubt an den Sieg

Schon zuvor hatte Biden sich in einer Rede siegessicher gezeigt. Es sei nach einer langen Nacht nun "klar, dass wir genug Staaten gewinnen, um 270 Wahlstimmen zu erreichen, die erforderlich sind, um die Präsidentschaft zu gewinnen", sagte er in Wilmington (Delaware). Er betonte dabei, dass er den Sieg noch nicht offiziell für sich reklamieren wolle. Doch sein Team glaube, dass er die Abstimmung gewonnen habe. Wenn die Auszählung beendet sei, "glauben wir, dass wir die Gewinner sein werden", sagte er.

Der 77-Jährige gab sich bei seiner Ansprache präsidial und betonte, dass Amerika die tiefe Spaltung überwinden müsse. "Um Fortschritte zu machen, müssen wir aufhören, unsere Gegner wie Feinde zu behandeln", sagte er. "Wir sind keine Feinde." Er wisse, wie stark die Ansichten über viele Dinge im Land auseinandergingen. Zwar habe er als Demokrat Wahlkampf gemacht. "Aber ich werde als amerikanischer Präsident regieren", fügte er hinzu. Die Präsidentschaft sei das eine Amt, das die Nation repräsentiere.

Trump-Team will Auszählungen stoppen

Unterdessen will Trump weitere rechtliche Schritte gehen. Sein Wahlkampfteam forderte in einer Klage unter anderem, in Pennsylvania die weitere Auszählung der Stimmen auszusetzen, bis ihre Wahlbeobachter besseren Zugang dazu bekommen. Auch geht die Trump-Seite in einer weiteren Klage erneut dagegen vor, dass noch per Brief verschickte Stimmzettel gezählt werden sollen, die bis Freitagnachmittag bei der Wahlkommission eingehen. Die Republikaner forderten auch, die Auszählung in Michigan auszusetzen - sowie eine Neuauszählung im Bundesstaat Wisconsin.

Ergebnisse könnten noch Tage dauern

Inzwischen stehen bei der Wahl nur noch die Ergebnisse weniger Bundesstaaten aus. Gespannt wird etwa die Auszählung in Pennsylvania verfolgt: Hier liegt Trump noch deutlich vorn, doch sein Vorsprung schmilzt. Der Gouverneur von Pennsylvania, Tom Wolf, sprach von einem "Stresstest für die Demokratie". Er werde alles tun, um sicherzustellen, dass jede Stimme in seinem Bundesstaat gezählt werde. Er werde sich gegen jeden Versuch stellen, die Wahl in Pennsylvania anzugreifen.

Es könnte noch Tage dauern, bis die Verantwortlichen in den US-Bundesstaaten ein vorläufiges Ergebnis ausrufen. Auch in Georgia und mit einigem Abstand North Carolina hat Biden noch - wenn auch geringe - Chancen auf Überraschungen in letzter Minute.

Die Auszählung zieht sich wegen des hohen Briefwahlanteils hin. Experten gehen davon aus, dass die Mehrheit der Briefwähler für Biden gestimmt haben dürfte. In manchen Bundesstaaten - so etwa in Pennsylvania - werden Briefwahlstimmen mit Poststempel vom Wahltag auch dann angenommen, wenn sie einige Tage nach der Wahl bei den Behörden eingehen.

Während laufender Auszählung zum Sieger erklärt

Nach der Wahl hatte sich Trump im Weißen Haus während der laufenden Auszählung zum Sieger erklärt und angekündigt, seinen Anspruch vor das Oberste Gericht der Vereinigten Staaten zu bringen. "Wir waren dabei, diese Wahl zu gewinnen", sagte der Präsident und fügte hinzu: "Offen gesagt haben wir diese Wahl gewonnen."

Bidens Wahlkampfteam warf Trump vor, die Auszählung rechtmäßig abgegebener Stimmen stoppen zu wollen. Das sei "empörend, beispiellos und falsch". Trump hatte schon im Wahlkampf Stimmung gegen die Briefwahl gemacht und Zweifel an der Rechtmäßigkeit geschürt - obwohl die Abstimmung per Post eine etablierte Form der Stimmabgabe ist.

Über dieses Thema berichtete das nachtmagazin am 04. November 2020 um 00:05 Uhr.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

avatar
Der Nachfrager 04.11.2020 • 23:20 Uhr

Bitte gewinne Biden

Trump muss verlieren, damit endlich Ruhe in unserer Medienlandschaft eintritt. Auch wenn Trump verloren hat ist er der moralische Sieger. Trotz der massiven Gegenpropaganda von ehemaligen Präsidenten, hochrangigen Politikern weltweit, Prominenten aus den In und Ausland hat er fast 50% der Wählerstimmen bekommen. Für jemanden der in den Medien so behandelt wird/wurde, ist das ein riesiger Erfolg. Aber jetzt soll Biden das Tun wofür er gewählt wurde. Sonnst wars für die Demokraten für die Nächsten Wahlen. Nebenbei: Für die EU/NATO wird sich auch unter Biden nichts ändern, ausser dass die Kosten steigen werden. Das ist meine Meinung und darüber kann gerne diskutiert werden.